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Vier mal Rot am Dresdner Albertplatz

Die Stadt Dresden hat zwei zusätzliche Ampeln am Albertplatz in der Neustadt aufgestellt. Ein teurer Schildbürgerstreich oder dringend nötig?

Die vordere Ampel ist alt, die hintere neu. Beide sind an dieser Stelle unverzichtbar, findet die Stadt Dresden.
Die vordere Ampel ist alt, die hintere neu. Beide sind an dieser Stelle unverzichtbar, findet die Stadt Dresden. © Sven Ellger

Dresden. Hier können sich Autofahrer noch richtig ernst genommen fühlen. Alles Erdenkliche wurde für sie getan, sie können nichts übersehen. Schon gar nicht die Ampelsignale. Sie leuchten nicht nur doppelt, sondern inzwischen sogar vierfach. Und fast immer im Gleichtakt. Da ist jede Kollision zwischen einem Auto und einer Straßenbahn ausgeschlossen. Und wenn sie mal nicht leuchten, müssen sich die Autofahrer nicht darauf verlassen, dass sie die Schienen rechtzeitig erkennen. Jetzt weisen sie auch noch zwei Schilder permanent darauf hin.

Die Stadt bezeichnet die Stelle als "Knotenpunktzufahrt Albertplatz/Südseite". Dort laufen Fußgänger über die Straße, wollen sie vom Albertplatz Richtung Hauptstraße oder in die umgekehrte Richtung. Dort queren die Straßenbahnen der Linien 3, 7 und 8 und viele Radfahrer sind dort auch unterwegs.

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Bisher gab es dort "je einen Signalgeber pro Fahrspur", beschreibt die Stadt diese Stelle. Im Klartext: Rechts der Straße Richtung Carolabrücke stand schon immer eine Ampel, links auch. Beide waren auch mit Fußgängerampeln versehen. Sie schalteten immer dann auf Rot, wenn Fußgänger, Radfahrer oder eine Straßenbahn Grün angefordert hatten.

Zwei Ampeln auf dieser Straßenseite, zwei auf der gegenüberliegenden: Nur so ist diese Überfahrt am Albertplatz wirklich sicher, ist die Stadtverwaltung Dresden überzeugt.
Zwei Ampeln auf dieser Straßenseite, zwei auf der gegenüberliegenden: Nur so ist diese Überfahrt am Albertplatz wirklich sicher, ist die Stadtverwaltung Dresden überzeugt. © Sven Ellger

Das hat gut funktioniert, zeigt der Unfallatlas, den das Statistische Bundesamt betreibt. Auf der interaktiven Landkarte sind alle Unfälle mit Verletzten verzeichnet. Die 2020er-Zahlen sind dort noch nicht erfasst. 2019 gab es laut dieser Karte einen Unfall mit Leichtverletzten, 2018 und 2017 keinen. 2016 wurde ein Radfahrer bei einem Unfall leicht verletzt. Der "Knotenpunkt" mit den zwei Ampeln hat demnach gut funktioniert, er ist kein Unfallschwerpunkt.

Trotzdem stehen dort jetzt zwei neue Ampeln. Nur wenige Meter hinter den alten und direkt vor den Straßenbahnschienen. Sie waren "aus verkehrsrechtlichen Gründen" nötig, nachdem an der Alberstraße die neuen Radwege stadtaus- und stadteinwärts eingerichtet worden waren, teilt die Stadt mit. Für die Autofahrer sieht es nun so aus, als seien für sie zwei weitere Ampeln aufgestellt worden. Ein Schildbürgerstreich?

Eine Ampel für Autofahrer, eine für Radfahrer

Die Verantwortlichen im Rathaus sehen das nicht so. Die 13.000 Euro, die die "Umrüstung der Signalzeichenanlage" gekostet hat, wurden aus ihrer Sicht genau richtig investiert. Denn der Radweg stadteinwärts beginnt genau hinter einer der zwei Strichellinien auf der Fahrbahn, die das Gleisbett beiderseits der Schienen markieren. Stünde also keine Ampel vor den Schienen, könnten Radfahrer der Ansicht sein, sie haben freie Fahrt. Denn zwischen den Ampelmasten ist so viel Platz, dass sie dort hindurchfahren können, ohne das Signal der alten Signalanlage zu sehen.

Das heißt, die erste Ampel, die alte, ist vor allem für die Autofahrer gedacht. Die zweite für Auto- und Radfahrer. Dass an beiden neuen Ampeln nun auch noch Andreaskreuze angebracht sind, wie man sie vor allem von Eisenbahnstrecken kennt, war laut der Stadt "aus Gründen der Verkehrssicherheit" nötig. Der Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) Falk Lösch erklärt: "Wenn jetzt die Ampelanlage ausfällt, zeigen die Andreaskreuze immer noch, dass dort die Bahn fährt."

Damit ist aus Sicht der Stadt nun alles getan, damit dort nichts passieren kann. Selbst nachts helfen die Ampeln, sollte mal eine Straßenlampe ausfallen. Gemeinsam sind sie so hell, dass jeder Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger trotzdem gut sehen kann, wo die Fahrbahn verläuft und wo die Bordsteinkanten sind.

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