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Angriffe auf Ärzte, Pfleger und Heimleiter in Dresden

Nach der Bedrohung von Rettern und Feuerwehrleuten sowie Angriffen auf Polizisten wird klar: Auch in Altenheimen und Kliniken gibt es Attacken.

In Dresden kommt es immer wieder zu Übergriffen, selbst gegenüber Klinikmitarbeitern.
In Dresden kommt es immer wieder zu Übergriffen, selbst gegenüber Klinikmitarbeitern. © Symbolbild: Maurizio Gambarini/dpa

Dresden. Es war schon fast Mitternacht, als Dresdner Polizeibeamten am Dienstag ausrücken mussten. Bei dem Einsatz in Weißig sind sie körperlich angegriffen und beleidigt worden, so die Polizei. Ein Beamter wurde dabei leicht verletzt.

Die Polizisten waren zu einer Wohnung an der Straße Am Weißiger Bach gerufen worden, in der es offensichtlich zu laut war. Dort trafen sie auf eine junge Frau und fünf Männer aus unterschiedlichen Haushalten. Als die Polizisten die Zusammenkunft beenden wollten, wurden sie vom Wohnungsinhaber und einem weiteren jungen Mann attackiert und beschimpft.

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Das war kein Einzelfall. In der Woche davor bedrohte ein Mann in Leuben zwei Rettungskräfte bei einem Einsatz mit einer Pistole. Im November wurden Feuerwehrleute im Einsatz mit einem Messer bedroht. Auch DVB-Sprecher Falk Lösch berichtet von Vorfällen. "Etwa ein bis zwei Fälle gibt es jedes Jahr. Unsere Fahrer werden beschimpft oder gar mal mit einer Flasche bedroht." Regelmäßig gibt es Schulungen für die Fahrer dazu.

Wo es sonst noch Attacken in Dresden auf Mitarbeiter gibt.

Polizei: Beleidigungen und Angriffe gegen Polizisten

"Die Masse der Angriffe gegen Polizeibeamte erfolgt durch Schlagen und Treten", erklärt Thomas Bergel, Sprecher der Bundespolizei in Dresden. Körperverletzungen, tätliche Angriffe sowie Widerstand gegen Polizeibeamte gehen laut Bergel meist mit Beleidigungen einher.

Die Attacken gegen Polizeibeamte seien für 2020 noch nicht komplett ausgewertet, aber bis November gab es "trotz coronabedingter Einschränkungen" 39 Fälle, so Bergel. Im Jahr zuvor waren es insgesamt 46 körperliche Übergriffe. "Zu beachten ist hierbei, dass bei den angezeigten Delikten lediglich die Zahl der Beschuldigten erfasst wird. Die Zahl der Geschädigten liegt weitaus höher." Vereinzelt komme es darüber hinaus auch "nur" zu Beleidigungen.

Die Beamten werden regelmäßig in Aus- und Fortbildungen zu dem Thema geschult. "Entsprechende polizeiliche Techniken sowohl im Bereich der Abwehr von Angriffen, der Durchsetzung polizeilicher Maßnahmen sowie der Kommunikation mit dem Bürger sind Bestandteil des Polizeitrainings", erklärt Bergel. "Deeskalation und Lösungsorientierung sind dabei die Schlagworte, die das polizeiliche Handeln bestimmen."

In Fortbildungen werden Situationen "nachgespielt" und es gibt für einzelne, bundesweit festgestellte Sachverhalte Handlungsorientierungen von speziell geschulten Mitarbeitern der Bundespolizei.

Jeder Beamte hat eine eigene Schutz-Ausrüstung, die nach Bedarf ergänzt oder angepasst wird, und neue Einsatzmittel werden permanent getestet. "Aus einsatztaktischen Gründen können dazu keine näheren Ausführungen getätigt werden", sagt Bergel.

Kliniken: Ton wird aggressiver

Eine Statistik über die Entwicklung tätlicher Angriffe führt das Diakonissenkrankenhaus Dresden nicht. Im sogenannten Verbandbuch werden aber alle Unfälle und Verletzungen während des Dienstes für die Klinik und die Einrichtungen der DIAKO-Seniorenhilfe dokumentiert. "2019 gab es 17 Ereignisse, die von verbalen Drohungen bis hin zu tätlichen Angriffen reichten, 2018 waren es 13, für 2020 sind die Zahlen noch nicht verfügbar", sagt Sprecher Victor Franke.

Ein weiterer Anhaltspunkt für die Häufigkeit solcher Vorfälle seien die "Objektschutzmeldungen" des Wachdienstes. Diese Meldungen reichen vom angekippten Fenster bis hin zu gewalttätigen Patienten. Die Zahl der gemeldeten Gewaltdelikte ist relativ gering, 2019 gab es zwei solcher Übergriffe, 2018 nur einen.

Ein Trend lasse sich daraus zwar nicht ableiten, allerdings hätten nach der Wahrnehmung der Mitarbeiter vor allem die verbalen Attacken deutlich zugenommen. "Der Ton ist zum Teil ohne jeden ersichtlichen Grund sehr aggressiv. Meistens liegt in diesen Fällen ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch zugrunde", erklärt Dr. Thomas Hohaus, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme am Diakonissenkrankenhaus.

Regelmäßig müsse dann auch die Polizei hinzugezogen werden. "In kritischen Situationen sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf schnelle Hilfe und die gute Kommunikation mit den beteiligten Einsatzkräften angewiesen", betont Dr. Hohaus und resümiert: "Wichtig ist, dass sich auch medizinisches Personal in seiner Berufsausübung sicher fühlen kann."

Der Schwerpunkt solcher Auseinandersetzungen liegt in der Notaufnahme. Aus diesem Grund wurden die Mitarbeiter in diesem Bereich mehrfach geschult und in ganztägigen Workshops auf solche Situationen vorbereitet. Vorrang hat im Diakonissenkrankenhaus immer die Deeskalation. Der Wachschutz sei dennoch eine wichtige Ergänzung, um die Sicherheit der Mitarbeiter in der kritischen Zeit – der Nacht – zu verbessern, diese professionell zu unterstützen und vor Übergriffen zu schützen, so Sprecher Franke.

Seniorenheime: Sicherheitsdienst engagiert

Auch in Dresdner Altenheimen gab es bereits Angriffe. "Die Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt in Dresden verzeichneten im Frühjahr beim ersten Lockdown und dem Besucherstopp für Heime vereinzelt verbale Übergriffe", sagt Sprecher Andreas Szabo.

Die große Mehrheit der Besucher zeigte aber Verständnis für die notwendigen Schutzmaßnahmen und nahm die möglichen anderen Kontaktwege wie Fenster-/Balkongespräche, Zaungespräche, Besucherboxen, Videotelefonate gerne an.

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"In einer unserer Einrichtungen ist der Einrichtungsleiter leider tätlich angegriffen und verletzt worden. Wir haben den Vorfall zur Anzeige gebracht und temporär einen Sicherheitsdienst engagiert", so Szabo. Weitere Vorfälle habe es aber seit dem Frühjahr glücklicherweise nicht gegeben.

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