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Arm nach Tigerbiss bei Sarrasani gerettet

Mario D. wollte Tigerdame Kaya nur mal "streicheln". Der Bodenleger hätte dies beinahe mit einer Amputation bezahlt. Wer ihn rettete und wie es ihm jetzt geht.

Mario D. bekommt am Mittwoch den Gips nach dem Tigerbiss Anfang Oktober abgenommen. Oberarzt Dr. Martin Schreiber untersucht den Arm, Schwester Bianka Herzog hat den Gips in der Hand.
Mario D. bekommt am Mittwoch den Gips nach dem Tigerbiss Anfang Oktober abgenommen. Oberarzt Dr. Martin Schreiber untersucht den Arm, Schwester Bianka Herzog hat den Gips in der Hand. © Sven Ellger

Dresden. Wie dramatisch es war, wurde Mario D. erst am Tag nach dem Zwischenfall bewusst, sagt der Chef einer Bodenlegerfirma. Dazwischen lagen eine spektakuläre Rettungsaktion und eine Not-Operation.

Der 53-jährige Dresdner wurde mittlerweile sechsmal operiert und es war noch nicht der letzte Eingriff. Dass er seinen rechten Arm noch hat, ist den Artisten von Magier André Sarrasani bei der Erstversorgung und einem Ärzteteam im Dresdner Universitätsklinikum zu verdanken.

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Mario D. war an diesem Tag dienstlich in Ottendorf-Okrilla. Der Bodenleger hatte mit seinem Team die Tage davor in Sarrasanis Sommerlager zu tun. Unter anderem musste eine sogenannte PU-Bodenbeschichtung in den neuen Küchentrakt bei Sarrasani. Beide kennen sich seit rund zwölf Jahren, sind befreundet. "Und das bleiben wir auch", betont der Bodenleger.

D. kam am Sonntag, um den fertigen Boden zu kontrollieren - PU hat eine lange Trocknungszeit - und das Werkzeug einzupacken. Zum Abschied wollte er den Tiger "streicheln" - und der biss zu. Heute sagt D.: "Ich habe einen Fehler gemacht, es tut mir leid." Mehr wolle er zu dem Vorfall nicht sagen, auch um Sarrasani zu schützen. Dieser habe durch die Insolvenzen genug Probleme.

Tierkeime mit speziellen Antibiotika abgetötet

Aber über seine Rettung möchte D. dann doch sprechen. "Ich möchte mich bei allen Beteiligten bedanken." D. nennt beispielsweise die Mitarbeiter von Sarrasani, die durch seinen Schrei alarmiert wurden. "Sie haben meinen Arm mit einem Spanngurt abgebunden und die Wunde abgedeckt.

Dass die Erstversorgung mit entscheidend war, bestätigt auch einer der behandelnden Ärzte. "Die Durchblutung des Arms war unterbrochen und es sind Keime durch den Biss in den Köper gelangt", so der Leitende Oberarzt für Plastische und Chirurgie an der Dresdner Uniklinik Dr. Martin Schreiber.

Die Diagnose: ein offener Knochenbruch der Speiche durch einen Tierbiss und eine Infektion durch Tierkeime. "Aufgrund der enormen Kraft des Tigers waren mehrere Blutgefäße zerstört und herausgerissen", so der Oberarzt. Eine Schlagader musste mit einem Stück aus der Vene aus D.s rechtem Bein zusammengesetzt werden, fünf Sehnen konnten genäht werden.

André Sarrasani mit Tigerdame Kaya bei einer seiner Shows im vergangenen Jahr.
André Sarrasani mit Tigerdame Kaya bei einer seiner Shows im vergangenen Jahr. © Archiv: Christian Juppe

An mehreren Stellen sollten dann abgefetzte Hautflächen durch Transplantation von D.s Oberschenkel ersetzt werden. "Aber wir mussten erst die Keime aus dem Körper bekommen, sonst wird die transplantierte Haut vom Körper abgestoßen und schwimmt weg", erklärt Dr. Schreiber.

Auch der gebrochene Knochen konnte zunächst keine Schiene bekommen. Nach mehrfachen Abstrichen konnten die Keime isoliert und identifiziert werden. Sie wurden mit speziellen Antibiotika abgetötet. Erst dann konnte die fehlende Haut mit der von D.s Oberschenkel ersetzt und der Knochen mit einer Schiene fixiert und später genagelt werden.

Pfleger wurde im Dresdner Zoo von Faultier gebissen

Das Besondere an diesem Fall sei natürlich das Tier selbst, so der Direktor für Plastische Chirurgie an der Uniklinik, Professor Adrian Dragu. "Nur durch die Zusammenarbeit von Infektiologen, Unfallchirurgen und plastischen Chirurgen war diese Behandlung möglich." Diese übergreifende Methode hat Professor Dragu an der Uniklinik vor einigen Jahren eingeführt.

Solche Teams kommen sonst vor allem bei Verbrennungen zum Einsatz, wenn ebenfalls große Hautpartien transplantiert werden müssen. Ein Tigerbiss wurde am Uniklinikum zuvor noch nicht behandelt. Professor Dragu erinnert sich an einen Pfleger, der im Dresdner Zoo von einem Faultier gebissen wurde. "Tierspeichel ist in der Regel voller Keime." Dann bedarf es immer einer engen Abstimmung im Team und ständiger Kontrolle des Patienten.

Vier Wochen lang war D. im Uniklinikum, sechs Operationen waren notwendig. An diesem Mittwoch wurde die Gipsschiene entfernt. D. muss nur noch einen speziellen Kompressionsverband tragen.

"Ich würde nicht wieder so nah herangehen"

Mitte Februar steht die siebte Operation an. Dann soll der Nagel, der die Speiche zusammenhält, entfernt werden. "Eine genaue Prognose ist schwierig", so der Oberarzt. "Aber der Plan ist, dass alles wieder funktioniert." D. hat seinen eigenen Plan. "Weihnachten will ich wieder eine leere Tasse mit der rechten Hand heben und halten können."

Er habe jetzt bereits in allen Fingern Gefühl und könne diese einigermaßen bewegen. "Am 30. März will ich zu 90 Prozent wieder alles machen können - da ist mein Geburtstag." Außerdem wolle er lernen, mit links zu arbeiten, um den rechten Arm nicht zu überlasten.

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Und Tigerdame Kaya will D. auch wieder sehen. "Ich würde aber nicht wieder so nah herangehen, damit sie mich nicht riecht und sich dann vielleicht erinnert." Aber er hoffe darauf, Kaya 2021 auf der Bühne in Sarrasanis Trocadero-Zelt sehen zu können, wenn die Show irgendwann stattfinden kann. Bisher seien D. und seine Frau in jeder Saison dabei gewesen.

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