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Schwanen-Küken auf dem Carolasee

Dresdens ältester Schwan ist noch einmal Vater geworden: Sechs Küken entzücken nun die Besucher des großen Gartens. Eines mit einer besonderen Farbe.

Sechs Schwanen-Küken sind aus den Eiern am Carolasee geschlüpft.
Sechs Schwanen-Küken sind aus den Eiern am Carolasee geschlüpft. © Sven Ellger

Dresden. Seit Pfingstsonntag hat der Große Garten in Dresden einen weiteren Anziehungspunkt: An diesem Tag sind sechs Schwanenküken aus den Eiern des dort ansässigen Schwanenpärchens geschlüpft und schwimmen nun mit den Elterntieren über den Carolasee – zur Freude zahlreicher Besucher, die die Tiere nur zu gerne vor die Kameralinse locken.

Das Besondere an den Jungtieren ist nicht nur, dass ihr Vater der wohl mit Abstand älteste Schwan der Stadt, wenn nicht sogar Sachsens sein dürfte – eines der Küken hat auch eine ungewöhnliche Farbe. „Fünf sind grau, eines ist weiß“, erklärt Thomas Eißer. Eine genetische Variante, „Immutabilis“ genannt, die man dem erwachsenen, weißen Schwan später nur noch an den hellen Füßen ansehen wird.

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Fünf graue Schwanen-Küken und ein weißes ziehen nun mit der Schwanenmutter über den Carolasee.
Fünf graue Schwanen-Küken und ein weißes ziehen nun mit der Schwanenmutter über den Carolasee. © Sven Ellger

Geschlechtsreif bis ins hohe Alter

Der ehrenamtliche Beringer Eißer kümmert sich um Dutzende Schwäne in der Stadt und kennt auch die Geschichte von Schwanenvater „Methusalem“, wie dieser einst von einer Zeitung getauft wurde. „Er macht seinem Namen schon alle Ehre“, sagt Eißer. Nicht einmal ein Prozent aller Schwäne erreiche das 20. Lebensjahr, 22 Jahre alt würden sogar nur noch 0,3 Prozent. Und Methusalem könnte sogar älter als 23 sein. „Wir haben ihn erst 2002 beringt, da war er schon adult, also mindestens vier oder fünf“, erklärt Eißer. Damals war das Tier auch bereits geschlechtsreif, was Schwäne – das beweist Methusalem – bis ins hohe Alter bleiben.

Das Höckerschwan-Männchen hat dabei schon einiges erlebt. 2018 war seine langjährige Partnerin erfroren. Lange getrauert hat der Schwan allerdings nicht, schon im nächsten Jahr hatte er ein neues Weibchen gefunden, das mit drei Jahren damals noch sehr jung war. Vielleicht klappte es deshalb im ersten Jahr noch nicht so recht mit dem Nachwuchs. Nur zwei Küken waren damals geschlüpft, von denen eines auch noch kurze Zeit später ertrank.

Das weiße Küken (ganz links) ist gut erkennbar. Später wird es sich nur noch durch die hellen Füße von seinen Geschwistern unterscheiden.
Das weiße Küken (ganz links) ist gut erkennbar. Später wird es sich nur noch durch die hellen Füße von seinen Geschwistern unterscheiden. © xcitepress

Werden weiße Küken verstoßen?

Mehr Glück hatte die Schwanenfamilie im Folgejahr, als acht schlüpften. „Davon sind am Ende drei übrig geblieben, von denen nun zwei am Blauen Wunder sind“, erklärt Eißner. Im Schnitt überlebe rund ein Drittel des Nachwuchses den ersten Winter nicht. Waschbären, Füchse oder Viren können den Tieren gefährlich werden, oder sie verhungern. Außerdem dürfen Schwäne in Deutschland bejagt werden.

Doch Eißer macht denen, die sich in die sechs Schwanenküken vom Carolasee vernarrt haben, auch etwas Mut: „Manche verlieren alle sechs, sieben Junge nach vier Wochen schon“, sagt er zwar. Aber: „Dafür kriegt eine andere Familie alle sieben durch.“

Ausgerechnet die drei weißen Küken überlebten im vergangenen Jahr, obwohl es oft heißt, dass gerade sie von der Familie verstoßen würden. Jedoch nicht wegen ihrer Farbe, wie Eißer weiß. „Sie scheinen tatsächlich etwas anfälliger für Krankheiten zu sein als die grauen“, erklärt er. Das sei möglicherweise der Grund, dass die weißen Küken, die auch „Polnischer Schwan“ genannt werden, häufiger verdrängt werden. „Denn sie könnten Raubtiere anlocken, die dann die ganze Familie finden.“

Thomas Eißer ist der Herr der Schwäne in Dresden: Er beringt und wiegt die Jungtiere.
Thomas Eißer ist der Herr der Schwäne in Dresden: Er beringt und wiegt die Jungtiere. © Archiv: Christian Juppe

Im Regierungsbezirk Dresden wird der Lebensweg der Schwäne mittels Metallringen nachverfolgt, Thomas Eißer ist deutschlandweit wohl der einzige Beringer, der dieser Aufgabe noch so intensiv nachkommt. Und das erfordert ganzen Körpereinsatz, denn die erwachsenen Tiere können nicht nur bis zu 15 Kilogramm schwer werden, sondern sind auch sehr kräftig und könnten mit einem beherzten Flügelschlag sogar einem Kleinkind den Arm brechen.

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