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Dresden hat Afghanistan-Geflüchtete aufgenommen

Die Situation für die Menschen vor Ort spitzt sich zu. In Dresden bekommen sie sofort eine Aufenthaltserlaubnis. Eine fünfköpfige Familie ist schon hier.

Die Menschen müssen aus ihrer Heimat flüchten.
Die Menschen müssen aus ihrer Heimat flüchten. © Symbolbild: Swen Pförtner/dpa

Dresden. Die Lage in Afghanistan, wo die Taliban die Macht an sich gerissen haben, ist dramatisch für die Menschen vor Ort. Viele Ortskräfte, die auch der Bundeswehr in den vergangenen Jahren behilflich waren, hoffen das Land verlassen zu können und in Deutschland unterzukommen.

Sind bereits Ortskräfte in Dresden angekommen?

In Dresden wurde bisher eine fünfköpfige Familie aufgenommen und untergebracht, teilt das Sozialamt mit. "Benannte Familie wurde in einer Gewährleistungswohnung der Stadt untergebracht, die ihnen bis zur erfolgreichen Anmietung einer eigenen Wohnung zur Verfügung gestellt wird", so die Stadt.

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Laut Landesdirektion müssen afghanische Ortskräfte der Bundeswehr und deren Angehörige nicht das Asylverfahren durchlaufen. "Sie erhalten eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen, vorerst befristet für drei Jahre – ausgestellt durch den Bund", so Sprecher Holm Felber auf SZ-Anfrage.

Wie viel Platz für Flüchtlinge hat Dresden aktuell?

Ende Juli waren in den Wohnungen für Geflüchtete der Stadt 159 Plätze frei, in Heimen 79. Das sind zusammen 238 Plätze, so das Sozialamt. Doch drei Übergangswohnheime müssen Ende September aufgegeben werden: die Einrichtungen an der Gustav-Hartmann-Straße 4 mit 94 Plätzen, an der Trachauer Straße 9 mit 54 Plätzen und an der Großenhainer Straße 92 mit 49 Plätzen. Dadurch verringert sich die Kapazität um insgesamt 197 Plätze. Rechnerisch verbleiben 41 belegbare Plätze.

"Die Stadt wird das kostenintensive Objekt auf der Gustav-Hartmann-Straße abmieten, nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Möglichkeit zur Selbstversorgung im Hinblick auf die Zubereitung von Speisen", so die Stadt. Bei der Trachauer Straße habe der Eigentümer gekündigt. Eine Neuanmietung von Heimen sei derzeit nicht geplant.

Die Stadt will aber die zuletzt zur Unterbringung von wohnungslosen Menschen genutzte Einrichtung auf der Bauhofstraße für Geflüchtete nutzen.

In Dresden gibt es insgesamt 588 Wohnungen zur Unterbringung von Geflüchteten und 697 Plätze in Wohnheimen.

Sind die Erstaufnahmeeinrichtungen vorbereitet?

Landesdirektion-Sprecher Holm Felber betont, der Freistaat Sachsen treffe aktuell Vorsorge für die Aufnahme auch bei steigenden Zugangszahlen. "Über die Anzahl der Personen, die der Freistaat Sachsen aus den jüngst zurückliegenden Evakuierungsmaßnahmen aufnehmen wird, liegen uns momentan noch keine Angaben vor."

In den Erstaufnahmeeinrichtungen in Dresden, also auf der Hamburger und der Bremer Straße sowie der Stauffenbergallee, gebe es derzeit rund 600 belegbare Plätze. Davon seien rund drei Viertel belegt. Das heißt, rund 150 Plätze sind frei.

Wie viele Geflüchtete sind 2021 schon nach Dresden gekommen?

Bis zum 31. Juli dieses Jahr sind bereits 1.102 Geflüchtete in den Dresdner Erstaufnahmeeinrichtungen aufgenommen worden. Viele von ihnen sind im Anschluss aber nicht nach Dresden gekommen.

So sind der Stadt bis Juni dieses Jahres 313 Menschen zugewiesen worden. 2020 waren es 515 Personen, im Jahr davor 703. Die meisten Geflüchteten kamen aus der Russischen Föderation, aus Afghanistan, Irak und Syrien. Insgesamt bringt Dresden gerade 2.315 Geflüchtete unter. Davon befinden sich 1.770 Personen in Wohnungen und 545 Menschen in Wohnheimen.

Aktuell liegt Dresden genau im Budget, das für die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung steht. Laut Sozialamt wurden 2021 bis Juni sieben Millionen Euro ausgegeben, das Gesamtbudget für dieses Jahr liegt bei 16,5 Millionen Euro.

Was fordern Flüchtlingsinitiativen?

Zora Ruhla von der Initiative Seebrücke Dresden betont, Deutschland habe die Kapazitäten, umgehend hilfsbedürftige Menschen aus Afghanistan zu evakuieren. "Über 250 Städte und Kommunen haben sich zum 'Sicheren Hafen' erklärt und somit für eine sofortige Aufnahme geflüchteter Personen ausgesprochen. Auch wir haben Platz", sagt sie.

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