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Dresden: Hunderte Menschen ohne Wohnung

Die Zahl der Obdachlosen ist auch in diesem Corona-Winter hoch. Wo den Menschen geholfen wird.

In den Nachtcafés und der Wärmehalle bekommen die Menschen einen warmen Tee.
In den Nachtcafés und der Wärmehalle bekommen die Menschen einen warmen Tee. © dpa-Zentralbild

Dresden. Die Nächte sind bitterkalt in Dresden in dieser Woche zwischen den Jahren. Doch nicht alle Dresdner können die Tage und Nächte in ihrem warmen Zuhause verbringen. Viele Menschen besitzen keine eigene Wohnung.

Wie viele obdachlose Menschen gibt es aktuell?

Zunächst muss man unterscheiden. Als wohnungslos gilt, wer keine eigenen vier Wände hat, sondern in einer Unterkunft der Stadt lebt. Als obdachlos gelten Menschen, die im Freien oder in Abrisshäusern schlafen. Das Sozialamt erfasst nur die wohnungslosen
Menschen statistisch, die in einem städtischen Übergangswohnheim oder einer Wohnung der Stadt leben. Zur Zeit sind das 302 Personen.

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Ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2019 , damals waren es 287 Personen. Die untergebrachten Menschen kommen unter anderem aus Deutschland, Afghanistan, Indien, dem Irak, dem Iran, den Niederlanden, aus Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, der Russische Förderation, der Slowakischen Republik, aus Somalia, Syrien, der Tschechischen Republik, Tunesien, der Türkei, der Ukraine und Ungarn.

Derzeit sind 15 Kinder und 56 Frauen durch das Sozialamt untergebracht. Laut Stadt werden Kinder nur im Familienverband in den Unterkünften aufgenommen. Gründe für die Wohnungslosigkeit von Familien können Trennung, der Verlust der Arbeitsstelle oder Verschuldung sein.

Ein Grund ist sicher auch Scham, die Familien daran hindert, rechtzeitig Hilfen anzunehmen. Etwa, bevor sie wegen Mietschulden ihre Wohnung verlieren. Die Kinder stammen meist aus Deutschland, so die Stadt. Es werde versucht, den betroffenen Familien so schnell wie möglich eine eigene Wohnung zu suchen.

Eine offizielle Zahl zu Obdachlosen gibt es nicht, da sich Betroffene nicht bei den Behörden melden müssen. Die freien Träger wie Diakonie und Treberhilfe schätzten ihre Zahl anhand der Menschen, die ihre Angebote nutzen, auf rund 1.000.

Welche Angebote sind gerade trotz Lockdown offen?

Die Begegnungsstätten vom Diakonischen Werk - Stadtmission Dresden e.V. auf der Mohnstraße 43, der Heilsarmee auf der Reicker Straße 89 und Mathildenstraße 15 sind auch während des Lockdowns geöffnet. Die Angebote dort reichen von Duschmöglichkeiten über die Essens- und Kleidungsausgabe bis hin zum Wäschewaschen.

Die tatsächliche Begegnung etwa mit anderen Bedürftigen oder Sozialarbeitern ist aufgrund der Hygieneauflagen sehr eingeschränkt, so die Stadt. Erstmals in diesem Winter bis Ende März 2021 öffnet die Heilsarmee täglich ab 10 Uhr eine Wärmehalle auf der Reicker Straße. Dort können sich Obdachlose aufwärmen sowie frühstücken und zu Mittag essen. Ebenso steht durchgängig heißer Tee bereit

Ebenso sind die Straßensozialarbeiter der Heilsarmee für die Menschen da. In der Wintersaison ist sie eine Kältestreife der Heilsarmee in Dresden unterwegs und bietet Obdachlosen auf der Straße warme Getränke und Suppe sowie Gesprächsmöglichkeiten an. Sie ist im gesamten Stadtgebiet tätig.

Sind die Nachtcafés geöffnet

Auch die Nachtcafés der evangelischen Kirche werden gut angenommen, auch, wenn - corona-bedingt - jede Nacht nur etwa die Hälfte an Plätzen zur Verfügung steht. Das bestätigt Sprecherin Mira Körlin. "Es scheint sich in der Szene schnell herum zu sprechen, dass die Kapazitäten begrenzter sind. Insofern passen Angebot und Nachfrage einigermaßen übereinander."

Wie viele Plätze es genau gibt, sagt Körlin nicht. 2019 gelangte das Angebot erstmals an seine Kapazitätsgrenzen. Im November 2019 haben 547 Menschen die Ruheplätze der Nachtcafés in Anspruch genommen, das sind fast doppelt so viele wie in den Vorjahren. Im November 2018 kamen 240 Gäste.

Mehr als 200 Ehrenamtler engagieren sich in den Nachtcafés, die unter anderem in der Dreikönigskirche und der Ev. Zionskirche / Nähe Nürnberger Ei geöffnet haben, unterhalten sich mit den Übernachtungsgästen, bereiten Getränke und Essen vor und räumen auf, wenn die Gäste in den Tag starten.

Diese werden zwischen 19 und 20 Uhr täglich in die Unterkunft gelassen, aufgrund der Corona-Regelungen müssen sie nun vorher aber in Augenschein genommen werden. Unterschlupf bekommt jeder Wohnungslose - unabhängig von seiner Nationalität. "Die Gäste aus Osteuropa sind in der Mehrzahl.

Das ist ein Eindruck, der sich verstetigt", so Körlin. Weil die beiden beteiligten katholischen Gemeinden von den Räumlichkeiten her die Corona-Auflagen nicht erfüllen konnten, übernimmt die Zionskirche in der Südvorstadt zwei Abende, sagt die Sprecherin weiter.

Zum Hygienekonzept in den Nachtcafés gehört unter anderem, Abstände einzuhalten - bei den Mahlzeiten und in den Schlaf- und Sanitärräumen. Dort stehen auch mobile Plexiglasscheiben oder Ähnliches, was trennt.

Viele der Helfer tragen FFP2-Masken und die Wohnungslosen erhalten am Einlass jeden Abend eine neue Einwegmaske. Der Verbrauch an Desinfektionsmitteln sei enorm und "schlucke" viel Geld, sagt Körlin. Die Räume werden regelmäßig intensiv gelüftet.

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