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Wie Weihnachtsdeko in Corona-Zeiten hilft

In diesem Advent legen die Dresdner offenbar besonders viel Wert auf festliche geschmückte Fenster und Vorgärten. Eine Psychologin erklärt, warum das wichtig ist.

Auf diesen Balkonen auf der Bodenbacher Straße in Dresden wurde an Weihnachtsdekoration nicht gespart.
Auf diesen Balkonen auf der Bodenbacher Straße in Dresden wurde an Weihnachtsdekoration nicht gespart. © Sven Ellger

Dresden. Es leuchtet und glitzert überall, die ersten haben ihr Zuhause bereits in der Woche vor dem ersten Advent dekoriert. Die Stadt, so scheint es, ist diesen Dezember noch stärker als in anderen Jahren von ihren Bewohnerinnen und Bewohnern geschmückt worden.

Die SZ sprach mit der Psychologin Anne Gärtner von der TU Dresden darüber, welche Emotionen die Weihnachtsdekoration bei uns auslöst und warum Kontrolle gerade jetzt eine große Rolle spielt.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Frau Gärtner, Ihr Forschungsgebiet sind Emotionen. Hat diese massive Weihnachtsdekoration etwas mit unserer Gefühlswelt zu tun?

Sehr viel sogar. Es ist ein schönes Ritual, den Weihnachtsschmuck aus dem Keller zu holen und in der Wohnung aufzustellen. Wir unterbrechen damit die Routine des Alltags und es vermittelt uns ein Gefühl der Kontrolle. Das ist wichtig für uns.

Der Kontrolle? Was hat die damit zu tun?

Wir leben gerade in einer Zeit, in der vieles unsicher ist. Das Virus ist da, aber wir sehen es nicht, es ist nicht greifbar. Doch es verändert unser Leben gravierend. Und es bringt vieles mit sich, was wir nicht kontrollieren können. Menschen verlieren ihren Job, bald sind die Schulen und Kitas wieder geschlossen und Eltern wissen nicht, wie sie die Kinderbetreuung absichern sollen. Das alles erzeugt ein Gefühl von Chaos und damit können wir nicht gut umgehen. Deshalb brauchen wir Situationen, die für uns kontrollierbar sind.

Und das kann uns die Weihnachtsdeko vermitteln?

Ja, hier wirkt unter anderem der Nostalgiefaktor. Das Aufstellen von weihnachtlichem Schmuck ist ein gemeinsames Ereignis in der Familie und holt Kindheitserinnerungen bei uns hoch, die schön sind. Eine wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass das Abrufen schöner Erinnerungen auf neurobiologischer Ebene Aktivitäten in unserem Belohnungszentrum im Gehirn auslöst. Das ist vergleichbar, als würden wir Geld bekommen.

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Eine andere Studie, sie stammt bereits aus den 1980er-Jahren, hat die Wirkung von dekorierten Häusern und Vorgärten untersucht. Im Ergebnis wurden die Bewohner von stark geschmückten Häusern als sozialer, offener und freundlicher wahrgenommen als die der Gebäude mit weniger Deko.

Anne Gärtner forscht zum Thema Emotionen.
Anne Gärtner forscht zum Thema Emotionen. © Philippe Jawinski

Licht spielt wahrscheinlich in dieser Jahreszeit auch eine große Rolle.

Natürlich, Licht hat generell eine positive Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere Stimmung. Im klinischen Kontext konnte gezeigt werden, dass es hilft, saisonalen Depressionen vorzubeugen. Auch zur Wirkung verschiedener Farben gibt es Studien. Während weiß-blaues Licht für unsere Produktivität unterstützend wirkt, wollen wir zu Hause runterkommen. Dafür eignet sich warmes Licht , das dem Körper signalisiert, dass er sich entspannen kann. Töne in Gelb und Rot, die an die Morgen- und Abenddämmerung erinnern, eignen sich gut. Wie Kerzenlicht eben, das wir besonders in der Weihnachtszeit anzünden.

Lenken wir uns durch eine geschmückte Wohnung also von den beängstigenden Corona-Nachrichten ab?

Ja, Ablenkung ist eine gute Strategie, wenn man sich der Wirkung der ganzen Zahlen nicht zu sehr aussetzen möchte. Ein schön geschmücktes Zuhause hilft uns dabei. Also darf es ruhig in diesem außergewöhnlichen Jahr etwas mehr sein. Auch ich habe mehr geschmückt als sonst. Das liegt aber daran, dass ich in eine neue Wohnung gezogen bin.

Haben Sie Tipps für uns, wie wir mit der Corona-Situation gut umgehen können?

Indem wir uns generell mehr auf das Positive konzentrieren. Anstatt uns zu ärgern, was man gerade alles nicht machen kann, sollten wir uns freuen, mehr Zeit für den engsten Kreis der Familie zu haben und diese auch intensiv mit ihm verbringen. Wir können neue Traditionen einführen wie Spiele- und Filmabende, oder wir probieren mal, ganz anderes Essen zu kochen als bisher. Wir können uns auch zusammen Fotos von vorherigen Urlauben anschauen.

Für die Akzeptanz der jetzigen Situation können sich Interessierte wissenschaftliche Podcasts zum Beispiel von Virologen anhören, um besser nachvollziehen zu können, warum es jetzt diese Einschränkungen gibt. Sehr ängstlichen Personen sei dies aber nicht empfohlen.

Generell gilt: Viel rausgehen! Tageslicht wirkt sehr positiv auf unsere Psyche. Nicht die Mittagspause durcharbeiten, sondern die Zeit draußen verbringen. Und am späten Nachmittag können wir uns bei einem Spaziergang an den schön geschmückten Fenstern und Gärten erfreuen.

Anne Gärtner (30) ist promovierte Psychologin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Psychologie der TU Dresden.

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