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Debatte nach Verbot von Kletterwand für Behinderte

Nach der Entscheidung der Stadt Dresden fordert Linken-Politikerin Katja Kipping eine schnelle Alternative. Unterdessen gibt es eine erste gute Nachricht.

Beate Lange und Jost Hartmann kämpften vergeblich um ihre Kletterwand im Plauenschen Grund.
Beate Lange und Jost Hartmann kämpften vergeblich um ihre Kletterwand im Plauenschen Grund. © Sven Ellger

Dresden. Wo können Menschen mit Behinderung künftig im Dresdner Stadtgebiet klettern gehen? Über diese Frage könnte es in den kommenden Wochen und Monaten eine intensive Debatte geben.

Fest steht dabei: Die so genannte Prothesenwand im Plauenschen Grund wird nicht mehr zum Klettern zur Verfügung stehen. Die 15 Meter hohe Felswand war vor sieben Jahren durch 200 Griffe zu Deutschlands womöglich einziger Outdoor-Kletterwand speziell für Behinderte ausgebaut worden. Nachdem jedoch die Stadt das Areal von einem Privateigentümer übernahm, verbot sie auf Drängen des Umweltamtes ausdrücklich die weitere Nutzung. Das Klettern stehe im Widerspruch zum gebotenen Naturschutz, hieß es.

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Die Initiatoren des Projektes, die Dresdner Beate Lange und Jost Hartmann, fühlten sich dadurch vor den Kopf gestoßen, zumal es zunächst hieß, Hartmann müsse den Rückbau der Griffe durch eine Fachfirma aus eigener Tasche bezahlen.

Der Schnee ist zwar längst weg, doch die Hinweistafel am Kletterfelsen im Plauenschen Grund hängt noch.
Der Schnee ist zwar längst weg, doch die Hinweistafel am Kletterfelsen im Plauenschen Grund hängt noch. © Sven Ellger

Nun steht immerhin fest: Die Stadt wird die Kosten für den Rückbau übernehmen, wie das Umweltamt auf SZ-Anfrage mitteilte. Die Initiatoren selbst haben davon allerdings noch nichts gehört. "Das glaube ich erst, wenn es schriftlich ist", sagt Beate Lange, die selbst an Multiple Sklerose leidet.

Ihr Unmut über die Ablehnung jeglicher Kompromisse für den Plauenschen Grund hat sich noch nicht gelegt. Ihrer Ansicht nach widerspricht die Haltung der Stadt klar dem Sächsischen Inklusionsgesetz.

Auch Lutz Zybell, Vorsitzender des Deutschen Alpenvereins in Dresden, hatte sich zuletzt vergeblich im Umweltamt und bei Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) um eine Lösung für den Plauenschen Grund bemüht. Schon kommende Woche will er erneut im Rathaus vorsprechen. Wie allerdings die Suche nach Alternativen begonnen werden soll, ist bislang offen.

Die Dresdner Bundestagsabgeordnete Katja Kipping sieht beim Thema Kletterwand die Stadt in der Verantwortung.
Die Dresdner Bundestagsabgeordnete Katja Kipping sieht beim Thema Kletterwand die Stadt in der Verantwortung. © Sebastian Schultz

"Bezüglich der Ersatzmöglichkeiten hat die Stadtverwaltung von vornherein angeboten, einen anderen Standort für eine künstliche Anlage oder eine Anlage am Gebäude und gegebenenfalls eine Realisierungsmöglichkeit zu suchen und hält dieses Angebot weiterhin aufrecht", heißt es aus dem Umweltamt. Der gute Wille reicht Beate Lange aber nicht mehr: "Es heißt ja schon länger, man wolle sich um eine Lösung bemühen, aber wirklich passiert ist nichts."

Katja Kipping: "Herr Hilbert muss das Thema zur Chefaufgabe machen"

Kurz nach Erscheinen des SZ-Artikels hatte sich die Dresdner Bundestagsabgeordnete Katja Kipping (Linke) zu Wort gemeldet. Der Bericht habe sie "zutiefst betroffen gemacht", schrieb sie. "In Abwägung zwischen dem Schutz einer Schmetterlingsart und einer Kletteranlage für eine Gruppe von Menschen, die es besonders schwer haben, hat der Schmetterling gewonnen."

Zwar sei es wichtig, die Natur zu schützen. "Das eigentlich Unverständliche ist, dass dieses Problem seit über einem Jahr behandelt wurde und im Resultat keine Alternative gefunden wurde."

Außerdem sagte Kipping, Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) dürfe sich hier nicht hinter Bürokratie verstecken. "Herr Hilbert muss das Thema zur Chefaufgabe machen und eine Lösung finden, die sowohl dem Naturschutz entspricht und die zugleich ein adäquates öffentliches Kletterwandangebot für Menschen mit Beeinträchtigungen schafft."

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Beate Lange und Jost Hartmann sprachen vergangene Woche mit Linken-Stadträtin Margot Gaitzsch und hoffen nun, dass das Thema nicht erneut in Vergessenheit gerät. Beate Lange: "Ein schlauer Kopf hat mal gesagt: Wir Behinderten sind nicht behindert, sondern wir werden behindert."

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