merken
PLUS Dresden

Die jüngste und der älteste Zwingerbauer

Während Lydia Zbanek stolz auf ihre ersten Arbeiten für das barocke Bauwerk ist, ist Hans-Christoph Pampel längst ein Meister seines Fachs. Ein Wunsch verbindet beide.

Hans-Christoph Pampel und Lydia Zbanek sichern mit ihrer Arbeit für die Zwingerbauhütte den Erhalt der barocken Pracht.
Hans-Christoph Pampel und Lydia Zbanek sichern mit ihrer Arbeit für die Zwingerbauhütte den Erhalt der barocken Pracht. © René Meinig

Dresden. Auf ein Talent ist der Meister ja schon ein wenig neidisch. Seine Auszubildende Lydia Zbanek kann mit beiden Händen gleichermaßen den Sandstein bearbeiten, nachdem sie als Kind von der linken auf die rechte Hand umgelernt wurde. "Das ist im Handwerk Gold wert", sagt Hans-Christoph Pampel.

Bei ihrer Entscheidung für die Ausbildung zur Steinmetzin und Steinbildhauerin spielte diese Gabe allerdings keine Rolle. Stattdessen inspirierte ein Schulprojekt die 18-Jährige, bei dem Schüler Denkmale adoptieren und pflegen können. In ihrem Fall handelte es sich dabei um Grabmale in Tolkewitz. Zum Projekt gehörte damals auch ein Besuch der Zwingerbauhütte - dem Ort, der vor allem einem großen Ziel verpflichtet ist: dem Erhalt des Dresdner Zwingers mit all seiner barocken Pracht.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

1924 gegründet, wurde die Zwingerbauhütte 1968 zunächst aufgelöst, 1991 neu gegründet, und gehört heute zum Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. Neben Steinmetzen arbeiten hier, auf einem recht versteckten Gelände an der Packhofstraße unweit des Zwingers, auch Steinbildbauer und Restauratoren, dazu Gesellen und Lehrlinge. Seit Kurzem gehört die Zwingerbauhütte zum Immateriellen Weltkulturerbe.

"Am Bock ist bei uns jeder ein Einzelkämpfer": Mit traditionellen Handwerkzeugen bringt Lydia Zbanek den Sandstein in Form.
"Am Bock ist bei uns jeder ein Einzelkämpfer": Mit traditionellen Handwerkzeugen bringt Lydia Zbanek den Sandstein in Form. © René Meinig

Lydia Zbanek ist im zweiten Lehrjahr und stellt gerade ihr Zwischenprüfungs-Lehrstück fertig. Ein Sandsteinblock muss mit sechs Seiten so behauen werden, dass am Ende jeder Winkel passt. Maschinen sind dabei tabu. Stattdessen hat sie dieselben Werkzeuge zur Verfügung, die bereits die Steinmetze in den Jahrhunderten vor ihr nutzten: Eisen, Fäustel und einen Knüpfel aus Holz für die Feinarbeiten. Auch der Sandstein kommt noch aus Brüchen in der Sächsischen Schweiz, wie schon zur Bauzeit des Zwingers im 18. Jahrhundert.

"Genau diese Traditionen machen für mich den großen Reiz aus", sagt Lydia Zbanek. "Mein Herz schlägt für den Barock und der Zwinger war für mich schon immer der Inbegriff dieser Pracht." Alles, woran sie hier an ihrem eigenen Arbeitsplatz in der Hütte arbeitet, findet auch seinen Platz im Zwinger und wird dort wahrscheinlich viele Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, überdauern.

"Am Bock ist bei uns jeder ein Einzelkämpfer", sagt Lehrausbilder Hans-Christoph Pampel. Jeder sei für jeden Arbeitsschritt selbst verantwortlich, von der technischen Zeichnung bis zum fertigen Stück. "Das geht bei uns am ersten Tag der Lehre los. Mit der Zeit ist dann immer weniger Hilfe nötig."

Pampel selbst lernte ab 1967 beim VEB Elbe Naturstein Werksteinfacharbeiter und wirkte als Steinmetz bis Ende der 70er-Jahre unter anderem am Wiederaufbau der Semperoper mit. 1981 schloss er seine Bildhauer-Ausbildung an, machte nach der Wende seinen Meister und war bis 2003 in den Sächsischen Sandsteinwerken angestellt, bevor er zur Zwingerbauhütte kam.

"Genau dafür macht man das"

Gerade arbeitet er unter anderem an der Kopie eines Brunnens mit Fischköpfen, der nach Fertigstellung seinen Platz in einem Becken auf dem westlichen Zwingerwall finden soll. Eine monatelange Feinarbeit nach einem Gipsmodell, bei der aus einem einzigen Sandstein-Block Dutzende filigraner Formen und Figuren herausgearbeitet werden.

"Ich bin froh, dass meine sieben Enkel eine Vorstellung davon haben, was der Opa macht", sagt Pampel. Das sei ja heute längst nicht mehr bei allen Jobs der Fall.

Seit drei Jahren sind die Dresdner Sandstein-Experten (und die, die es werden wollen) vor allem mit dem Bereich rund um den Französischen Pavillon beschäftigt. Handläufe und Sockel, die sie selbst bearbeitet hat, konnte Lydia Zbanek schon stolz ihren Schwestern und Eltern zeigen. "Das ist schon ein wahnsinniges Gefühl", sagt sie. "Genau dafür macht man das ja."

Hans-Christoph Pampel sieht die Sache nach 55 Jahren in der Branche etwas weniger emotional. Er betrachtet sich als Handwerker, der das macht, was gemacht werden muss. "Mit der Zeit bin ich immer weniger zufrieden mit meiner eigenen Arbeit", sagt der 61-Jährige. Der geübte Blick auch für die kleinsten Fehler kann Fluch und Segen zugleich sein.

An diesem Brunnen mit Fischköpfen arbeitet Hans-Christoph Pampel seit Monaten. Das verwitterte Original wurde derweil im Depot eingelagert.
An diesem Brunnen mit Fischköpfen arbeitet Hans-Christoph Pampel seit Monaten. Das verwitterte Original wurde derweil im Depot eingelagert. © René Meinig

In etwa drei Jahren wird Pampel das Fäustel zur Seite legen. "Man darf nicht vergessen, dass das eine körperlich schwere Arbeit ist", sagt er.

Diese Erfahrung hat auch Lydia Zbanek längst gemacht. Im dritten Lehrjahr wird sich ihre Spezialisierung entscheiden. Am liebsten würde sie Steinbildhauerin werden, aber das wollen die meisten, wie Pampel mit einem Lächeln bemerkt. Während Steinmetze für ihre Arbeiten vor allem messen, mit Winkeln und Schablonen arbeiten, sind die Bildhauer für das Figürliche zuständig.

Weiterführende Artikel

Immer was zu tun am Dresdner Zwinger

Immer was zu tun am Dresdner Zwinger

Einst Ort fürstlicher Repräsentation ist der Zwinger heute Kunstdomizil und Touristenmagnet. Das barocke Juwel hat seit 30 Jahren eine eigene Bauhütte.

Was Archäologen im Zwingerhof entdeckt haben

Was Archäologen im Zwingerhof entdeckt haben

Mehrere Köpfe, ein früherer Garten und ein beschrifteter Findling: Bei den Grabungen im Dresdner Zwingerhof kommen einige Überraschungen zutage.

Zwinger Xperience: Der erste Blick ins Innere

Zwinger Xperience: Der erste Blick ins Innere

Die lang ersehnte Ausstellung im Dresdner Zwinger ist fast ganz installiert. Wir geben exklusive Vorab-Einblicke und zeigen Ihnen jetzt schon die Highlights.

Als Dresdens Zwinger bloß "Vorgarten" war

Als Dresdens Zwinger bloß "Vorgarten" war

Sachsens berühmtestes Bauwerk, der Dresdner Zwinger, bekommt eine eigene Ausstellung. Für Besucher soll das ein Erlebnis wie im 3-D-Kino sein.

Und nach der Ausbildung? So weit will die 18-Jährige noch nicht denken. Vielleicht wird sie auf Wanderschaft gehen, vielleicht auch ein Jahr ins Ausland. "Ich könnte mir gut vorstellen, in Paris zu helfen", sagt sie. Bei der Sanierung der Kathedrale Notre-Dame werden noch viel geübte Hände gebraucht.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden