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Lösung für Dresdner Erzieher in Sicht

Sie sollten einen Tag in der Woche weniger arbeiten. Bildungsbürgermeister Jan Donhauser erklärt, warum und wie es nun für sie weitergeht.

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser räumt Fehler bei der Stundenkürzung für Dresdens Erzieher ein.
Bildungsbürgermeister Jan Donhauser räumt Fehler bei der Stundenkürzung für Dresdens Erzieher ein. © Archivbild: Rene Meinig

Dresden. Dresdens Erzieher sind verängstigt und sauer. Rund ein Drittel von ihnen hat in der vergangenen Woche Post vom Arbeitgeber bekommen, der Stadtverwaltung. Der Inhalt: Die Wochenarbeitszeit wird ab 19. Oktober herabgesetzt auf 32 Stunden. Auch deshalb waren sie am Freitag auf der Straße, um zu demonstrieren. Sie fürchten, ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu können. Was steckt hinter dem Plan des Kita-Eigenbetriebs? Die SZ hat mit Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) über den Konflikt gesprochen, der sich ausgerechnet jetzt zuspitzt, wo Erzieher ohnehin schon für mehr Lohn die Arbeit niederlegen.

Herr Donhauser, viele Dresdner Erzieher sind schriftlich informiert worden, dass sie ab übernächster Woche nur noch 32 Stunden in der Woche arbeiten dürfen. Warum?

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Es sind die Leiterinnen und Leiter angeschrieben worden. Die Verträge, die 32 Wochenstunden vorsehen und flexibel weitere Stunden ermöglichen – je nach dem aktuellen Bedarf in den Kindertageseinrichtungen –, gibt es seit 2006. Wer so einen Vertrag hat, hat ihn auch so unterschrieben. Das sind 35,5 Prozent der rund 4.000 Pädagogen.

Trotzdem sind doch bisher nie alle Erzieher mit diesen Verträgen gleichzeitig auf 32 Stunden gesetzt worden. Was ist passiert?

Kita-Kinder, die in die Schule wechseln, verlassen die Kita in den Sommermonaten. Neue Kinder kommen, allerdings nicht alle sofort am 1. September. Somit ist in Zeiten mit weniger Kindern immer wieder von der Flexibilität der Verträge Gebrauch gemacht worden. In den vergangenen zwei Jahren konnte darauf aufgrund anderer Bedarfe weitestgehend verzichtet werden. In diesem Sommer haben wir festgestellt, dass weniger Kinder angemeldet wurden als gedacht. Gleichzeitig haben es einige Kita-Leiter nicht so gut hinbekommen, die Stundenzahl ihrer Pädagogen eigenverantwortlich an diese Veränderung anzupassen. Genauer gesagt, haben wir ausgerechnet, dass ein Personalüberhang von 100 Stellen entstanden ist und bezahlt werden müsste, gemessen an dem, was an Stundenumfang der Betreuungsverträge notwendig ist. Da hat der Kita-Eigenbetrieb die Notbremse gezogen.

Warum haben Sie das den Erziehern und vor allem den Kita-Leitern nicht einfach so gesagt?

Ich verstehe, dass die Pädagogen unzufrieden sind. Das hätte man vorher erklären können, anstatt eine E-Mail zu verschicken. Glücklich ist das nicht gelaufen, das weiß der Kita-Eigenbetrieb von mir. Besser wäre es gewesen, alle Kita-Leiter einzuladen und die Notsituation zu erklären.

Wie kann das sein, dass plötzlich so viel weniger Kinder angemeldet werden? Stimmt die Vorhersage nicht mehr?

Hier gibt es viele Gründe. Das werden wir uns anschauen. Wir haben auch ein neues System eingeführt, in dem die Kita-Anmeldungen erfasst werden. Es kann sein, dass diese Software nicht schnell genug alle neuen Betreuungsverträge anzeigt. Das schauen wir uns jetzt genau an und zählen nach. Sollte es doch mehr Anmeldungen für die nächsten Wochen und Monate geben, würde das dazu führen, dass wir mehr Stunden bei den Pädagogen brauchen und weniger reduzieren. Auch sonst ist es nicht so, dass Pädagogen, die jetzt möglicherweise auf 32 Stunden gesetzt werden, bis zum nächsten Herbst nur 32 Stunden die Woche arbeiten. Das kann schon im Dezember wieder anders sein, wenn der Bedarf da ist. Wir bekommen außerdem Mitte November eine neue Bevölkerungsprognose, heruntergebrochen auf die Stadtteile. Diese werden wir uns auch anschauen.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis zum nächsten Dienstag werden die Mitarbeiter des Eigenbetriebes nun über Excel-Listen erfassen, wie der tatsächliche Stand ist, also wie viele Stunden insgesamt in den Betreuungsverträgen mit den Eltern vereinbart sind. Sicher ist jetzt schon, dass es nicht pauschal alle Pädagogen betrifft. Das ist schon mal vom Tisch. Gleichzeitig wird überprüft, in welchem Umfang die Stunden reduziert werden. Wer zum Beispiel 40 Stunden hatte, wird möglicherweise nicht auf 32 Stunden, sondern etwas mehr gesetzt.

Und wenn sich die Software nicht geirrt hat?

Egal was wir machen, wir müssen den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs vollziehen. Ich kann aber auch nicht plötzlich eine Million Euro mehr ausgeben, die ich nicht habe. Das müsste ich mir vom Stadtrat genehmigen lassen. Das ist nicht realistisch. Was garantiert ist: Der Betreuungsschlüssel wird eingehalten, er muss eingehalten werden – selbst wenn die Stundenreduzierung in diesem Umfang käme.

Will die Stadt an den flexiblen Verträgen festhalten?

Die 32-Stunden-plus-X-Verträge waren damals sicherlich richtig, um flexibel zu bleiben. Andererseits kann man nach so vielen Jahren auch auf den Prüfstand stellen, was verbessert werden könnte und ob die aktuelle Vertragsgestaltung noch zeitgemäß ist. Das sehe ich unter dem Aspekt der Attraktivität als Arbeitgeber gegenüber Fachkräften und Nachwuchs. Wir werden erstmal die Tarifverhandlungen abwarten. Ende des Jahres wollen wir uns dann in einer Gruppe mit den Gewerkschaften Verdi und GEW zusammensetzen und alles auf den Tisch legen – auch, wie andere große Städte ihre Verträge mit Pädagogen gestalten. Wenn es eine Möglichkeit gibt, bin ich durchaus bereit, etwas zu ändern. Ich habe ein höchstes Interesse – das hört sich jetzt vielleicht sarkastisch an –, dass wir die Qualität in den Kitas sichern müssen. Um diese sichern zu können, müssen wir uns auch bewegen. Neben dem Gehalt gehören aber auch andere Sachen dazu, moderne Gebäude zum Beispiel.

Ist es schwierig, Erzieher zu den aktuellen Konditionen und Verträgen zu gewinnen?

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Diesen Sommer hat es gut geklappt. Das wird jetzt wiederum kritisiert: Hättet ihr mal lieber niemanden eingestellt, dann müssten jetzt nicht die Stunden reduziert werden. Ja, das hat sicherlich zur jetzigen Situation beigetragen. Aber es war wichtig, die Pädagogen dann einzustellen, wenn sie zur Verfügung stehen, damit sie nicht woanders hingehen. Trotzdem bleibt es eine Daueraufgabe, für die Erzieher-Ausbildung und für uns zu werben.

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