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Dresden kann Winter

Ski laufen, Schlitten fahren, Iglus bauen: Am Wochenende erfreuten sich Kinder und Erwachsene an der weißen Pracht. Doch die dürfte nicht mehr lange halten.

Am Abhang an der Waldschlösschenbrücke waren viele Schlittenfahrer unterwegs.
Am Abhang an der Waldschlösschenbrücke waren viele Schlittenfahrer unterwegs. © Christian Juppe

Dresden. Es wäre ein trister Winter geworden, so ganz ohne Skiurlaub in den Alpen oder Ausflüge ins verschneite Erzgebirge. Der 15-Kilometer-Radius zwang die Dresdner, im eigenen Umkreis zu bleiben. Zum Glück hatte der Schnee ein Einsehen und legte sich in dieser Woche über die Elbhöhen bis hinunter in die Dresdner Innenstadt. Neun Zentimeter hoch lag der Schnee laut MeteoGroup Deutschland am Donnerstagmorgen in Dresden, am Sonntagmorgen waren davon noch sechs Zentimeter übrig.

Genug, um Parks und Wiesen in Ski- und Rodelpisten zu verwandeln. Im Schönfelder Hochland zogen Skilangläufer ihre Runden über die tief verschneiten Ackerflächen zwischen Gönnsdorf, Bühlau und Weißig. Den Wind am Samstag nutzten sogar einige Drachenflieger, um sich auf Skiern davonziehen zu lassen. Der Weißiger Hutberg war angesichts der Schneemengen der perfekte Rodelhang. Zeitweise war es dort allerdings sehr voll, ähnlich auch auf den Hängen im Süden von Pesterwitz nach Naußlitz. Polizei war nicht zu sehen.

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Manch einem kommen bei diesem Wetter Weihnachtsgefühle. Eine Frau mit Fahrrad erklärt ihrem kleinen Kind, das auf dem gefrorenen Weg vorwärts rutscht, was es mit dem Weihnachtsmann auf sich hat. Auch auf Facebook werden die Schneefreuden fleißig geteilt. "Ich finde, der Schnee kommt einen Monat zu spät", schreibt ein Nutzer zu einem Bild vom verschneiten Altmarkt. "Den Altmarkt habe ich noch nie so gesehen", kommentiert ein anderer.

"Schreiben Sie bloß nicht, ich wäre im Alaunpark Skifahren gewesen!"

Auch die Stadtparks waren am Wochenende gut besucht. Im Alaunpark hatten sich die Spazierwege in Rutschbahnen verwandelt. Auch viele Erwachsene zog es aus der Neustadt hinaus in den verschneiten Park. So auch Stephan Naue mit seinen drei Kindern Paul, Luise und Theodor, mit denen er nach erfolgreicher Rodelpartie ein kleines Schneepicknick mit heißem Früchtetee macht. Der fünfjährige Theodor erlebt das erste Mal Schnee in Dresden, erzählt Naue, in den letzten Jahren seien sie eigentlich immer in die Alpen gefahren. "Aber das ist schon schön, dass die Kinder diese Woche vor dem Homeschooling noch einmal raus in den Schnee konnten." Der 13-jährige Paul durfte im Kunstunterricht sogar eine Schneeskulptur bauen, das sei wirklich eine schöne Idee von der Lehrerin gewesen.

Luise, Theodor und Paul (v.l.) sind mit ihren Schlitten und Bobs im Alaunpark unterwegs.
Luise, Theodor und Paul (v.l.) sind mit ihren Schlitten und Bobs im Alaunpark unterwegs. © Christian Juppe

Als einzige Skifahrerin weit und breit quert Astrid Matterne den Alaunpark. "Schreiben Sie bloß nicht, ich wäre im Alaunpark Skifahren gewesen", mahnt sie. "Ich habe eine große Runde durch die Dresdner Heide gedreht und bin jetzt nur auf dem Rückweg nach Hause." Für die 46-Jährige ist es ein besonderer Tag. Als die das letzte Mal auf Langlaufskiern stand, gab es noch die DDR. Heute hat sie die Skier nach langer Zeit wieder hervorgeholt. "Entlang der Prießnitz war unglaublich viel los", berichtet sie, "aber oben in der Dresdner Heide war es in Ordnung. Besser wär's natürlich, wenn's noch gespurt gewesen wäre."

Astrid Matterne nutzte den Sonntag, um nach langer Zeit wieder die Langlaufskier rauszuholen.
Astrid Matterne nutzte den Sonntag, um nach langer Zeit wieder die Langlaufskier rauszuholen. © Christian Juppe

Nur an Hotspots Abstandsprobleme

Abstandsregeln schienen an diesem Wochenende nicht das größte Problem gewesen zu sein. Skifahrern und Schlittenfahrern standen so viele Strecken zur Verfügung, dass sich der Großteil der Menschen über das Stadtgebiet verteilte und der Alaunpark beispielsweise relativ leer wirkte. Einige Hotspots waren dennoch problematisch.

So beispielsweise der Abhang an der Waldschlösschenbrücke, der sich von der Bautzner Straße zum Elberadweg hinabsenkt. Dort standen Eltern der rodelnden Kinder zeitweise relativ dicht beieinander, vorbeikommende Radfahrer und Spaziergänger hatten oft keine Chance, genügend Abstand zu halten. Eine Mund-Nasen-Bedeckung trug kaum einer.

Am Sonntagmorgen war der steile Abhang noch größtenteils schneebedeckt, im Laufe des Tages kam jedoch die Sonne hervor und der Schnee schmolz trotz Minustemperaturen. Übrig blieb ein unansehnliches Gemisch von Schnee, Dreck und Gras. Die meisten Kinder störte das nicht. Fünf Kinder hatten besonderen Spaß, auf drei aneinander gebundenen Schlitten den Hang hinunter zu rutschen. "Auf die Plätze, fertig los!" Oben am Hang wirkt der Kombischlitten noch eher wie eine Raupe, die sich mühsam vorwärts bewegt. Doch dann nimmt er Fahrt auf, saust den Abhang hinunter, schlendert hin und her, kann die Richtung nicht halten, gerät in Querstellung - und die ganze Mannschaft stürzt in den Schnee. Oder das, was davon übrig geblieben ist. Immer wieder und wieder, nur der Steuermann kommt gelegentlich sitzend unten an.

Beeindruckender Sonnenuntergang als krönender Abschluss

Martin und Madlen Baller sind mit ihren drei Jungs derweil von der "langweiligen Piste" zu einer etwas fortgeschritteneren gewechselt. Ein steil abfahrender Fahrradweg ist so vereist, dass er sich als besonders rasante Schlittenabfahrt eignet. "Die Strecke ist echt gefährlich hier", gibt Madlen Baller zu. "Soll ich dich anschubsen?", ruft sie trotzdem dem neunjährigen Henri zu. Am unteren Ende der Bahn quert ein schneefreier Radweg, doch wer diesen heil erreicht, kann sich glücklich schätzen.

Davos und Thies fahren im Alaunpark Schlitten.
Davos und Thies fahren im Alaunpark Schlitten. © Christian Juppe
Die Syrerin May Alhares ist mit ihrem Hund Paul im Alaunpark unterwegs.
Die Syrerin May Alhares ist mit ihrem Hund Paul im Alaunpark unterwegs. © Christian Juppe
Seifenblasen steigen auf im Alaunpark.
Seifenblasen steigen auf im Alaunpark. © Christian Juppe
Senta, Lana, Aria (v.l. hinten) und Elvin (vorne) haben Spaß in einem etwas ramponierten Schneeiglu im Alaunpark.
Senta, Lana, Aria (v.l. hinten) und Elvin (vorne) haben Spaß in einem etwas ramponierten Schneeiglu im Alaunpark. © Christian Juppe
Kind mit Schlitten und Schneemann im Alaunpark.
Kind mit Schlitten und Schneemann im Alaunpark. © Christian Juppe
Selbst ein wenig Snowboardfahren war am Elbufer möglich.
Selbst ein wenig Snowboardfahren war am Elbufer möglich. © Christian Juppe
Ein Schneemann im Alaunpark.
Ein Schneemann im Alaunpark. © Christian Juppe
Ein Radweg vor der Waldschlösschenbrücke hat sich in eine spiegelglatte Schlittenpiste verwandelt.
Ein Radweg vor der Waldschlösschenbrücke hat sich in eine spiegelglatte Schlittenpiste verwandelt. © Christian Juppe
Auch am Elbufer haben Kinder eifrig Schneemänner gebaut.
Auch am Elbufer haben Kinder eifrig Schneemänner gebaut. © Christian Juppe
Ein schöner Sonnenuntergang krönt den Tag im Schnee.
Ein schöner Sonnenuntergang krönt den Tag im Schnee. © Christian Juppe

Am Sonntagabend wurden die Skifahrer, die vor allem auf der Altstädter Seite des Elbufers unterwegs waren, noch einmal mit einem besonders fulminanten Sonnenuntergang über der Dresdner Stadtkulisse beeindruckt.

Bis zum nächsten Wochenende werden die Winterfreuden wohl nicht mehr halten. Für die Nacht zum Montag sagt der Deutsche Wetterdienst zwar noch lokale Tiefstwerte von bis zu minus zehn Grad voraus, am Montagmorgen kann es auch noch einmal Neuschnee geben. Im Laufe der Woche steigen die Temperaturen dann aber allmählich, sodass der meiste Schnee zumindest in den tieferen Lagen bis zum nächsten Wochenende getaut sein dürfte.

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