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Dresden: Eine Klinik zieht um

Tatsächlich zieht die erste Klinik bereits von Neustadt nach Friedrichstadt. Wieso das passiert und was das für die Dresdner bedeutet.

Die Neurologie und die Neuroradiologie ziehen vom Krankenhaus Dresden-Neustadt ins Friedrichstädter Krankenhaus.
Die Neurologie und die Neuroradiologie ziehen vom Krankenhaus Dresden-Neustadt ins Friedrichstädter Krankenhaus. © Sven Ellger

Dresden. Die Zukunft des Neustädter Krankenhauses ist zwar weiter unsicher. Ob alle Stationen dort schließen und nach Friedrichstadt ziehen müssen, wird erst in den nächsten vier Jahren entschieden. Trotzdem packen die Neurologen und Neuroradiologen, die zum Beispiel Schlaganfallpatienten versorgen, voraussichtlich im Juli ihre Kisten, gehen nach Friedrichstadt und werden dort mit den Neurochirurgen das neue neurologische Zentrum aufbauen.

Wie kommt es zu dem Umzug und welche Vorteile hat eine Bündelung der stationären Versorgung an einem Standort überhaupt?

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Wie kommt es zu dem Umzug?

Der Umzug ist bereits lange geplant gewesen und im Januar einstimmig vom Gesundheitsausschuss beschlossen worden. "Es ergibt heute einfach keinen Sinn mehr, Fächer wie Neurologie, Neurochirurgie und Neuroradiologie an verschiedenen Standorten zu platzieren", sagt Privatdozent Dr. Jochen Machetanz, Chefarzt der Neurologie. Als Beispiel nennt er die Schlaganfall-Einheit. Die ganze Technik, die zur Versorgung von Schlaganfall-Patienten benötigt wird, könne man auf Dauer nicht an zwei Standorten auf einem hohen Niveau halten. Dasselbe gelte fürs Personal. In Friedrichstadt ergebe sich jetzt die Chance, beide Schlaganfall-Einheiten zusammenzulegen und eine große daraus zu machen. Eine, die elf Betten mehr zählen wird als bisher.

Die Versorgung funktionierte doch bisher auch getrennt auf beiden Elbseiten, oder?

Kompliziert ist es immer dann geworden, wenn alle drei Neuro-Bereiche für einen Patienten gebraucht wurden. "Viele Fälle, etwa Epilepsie, müssen sowohl neurologisch als auch neurochirurgisch behandelt werden", erklärt Professor Dr. Florian Stockhammer, Chefarzt der Neurochirurgie, die sich bereits in der Friedrichstadt befindet. "Das über beide Standorte zu gewährleisten, ist in den vergangenen Jahren sehr anstrengend und personalintensiv gewesen." So gab es für Neustadt eine Rufbereitschaft. Wurde ein Neurochirurg angefordert, musste er innerhalb von 30 Minuten auf der anderen Elbseite sein.

Nicht nur die Ärzte waren oft auf Achse. "Dass Patienten verlegt werden mussten, ist regelmäßig passiert", sagt Machetanz. "Hat jemand einen Krampfanfall erlitten und es sich herausgestellt, dass ein Hirntumor dahintersteckte, wurde er nach Friedrichstadt transportiert."

Wird sich auch die Notfallversorgung verbessern?

Das ist der Plan. Dafür hat das Haus C, in dem sich die Friedrichstädter Notaufnahme befindet, in den vergangenen eineinhalb Jahren sogar einen Anbau erhalten. Darin werden die Neuroradiologen im Sommer ihren Arbeitsplatz beziehen und die neue, modernere Angiografie-Anlage in Betrieb nehmen. Mit dieser können sich die Mediziner Blutgefäße im Gehirn anschauen und innerhalb kürzester Zeit erkennen, wo Gefäße verengt oder komplett verschlossen sind.

Neue Nachbarn: Privatdozent Dr. Jochen Machetanz, der die Neurologie am Städtischen Klinikum leitet, Oberarzt und Neuroradiologe Dr. Olaf Wunderlich und der Neurochirurg Professor Dr. Florian Stockhammer (v.l.) bauen am Friedrichstadt-Krankenhaus das neue
Neue Nachbarn: Privatdozent Dr. Jochen Machetanz, der die Neurologie am Städtischen Klinikum leitet, Oberarzt und Neuroradiologe Dr. Olaf Wunderlich und der Neurochirurg Professor Dr. Florian Stockhammer (v.l.) bauen am Friedrichstadt-Krankenhaus das neue © René Meinig

Dabei kommt es nicht nur darauf an, einen Schlaganfall zu diagnostizieren. Auch die Wiedereröffnung verschlossener Hirngefäße übernehmen die Neuroradiologen. Der Leiter der Abteilung, Dr. Olaf Wunderlich, erklärt, dass er und seine Kollegen mehr zu tun haben als früher. "Da man heute weiß, dass bestimmte Gefäßverschlüsse innerhalb eines kurzen Zeitfensters mit Katheter-Technik wieder freizubekommen sind, nimmt die Akutversorgung von Schlaganfällen auch jetzt noch zu."

Im Haus C wird damit die Notfallversorgung gebündelt. "Wir haben im Haus C alles, was für eine schnelle und akute Patientenversorgung benötigt wird – CT, Kernspintomografie, Angiografie, Operationssäle. All das ist unmittelbar vorhanden", sagt Machetanz. "Was schnell passieren muss, kann jetzt schnell passieren, weil die Wege ultrakurz sind." Die Neurologie zieht ins Haus R, dort wird auch die Schlaganfall-Einheit angesiedelt sein, die sich um die Weiterbehandlung der Patienten kümmert, nachdem diese in der Notaufnahme und der Neuroradiologie waren. Die Neurochirurgie bleibt im vollsanierten Haus N.

Nimmt die Zahl der Schlaganfall-Patienten wirklich zu?

Ja, aber nicht nur die Zahl der Schlaganfall-Patienten steigt. Überhaupt haben die Neuro-Mediziner mehr zu tun. "Früher hatten wir vergleichsweise wenige akute Fälle, heute ist das die überwiegende Mehrheit", so Machetanz. Die Leute würden älter und hätten mehrere Erkrankungen gleichzeitig. "Ein Riesenthema sind auch Demenzerkrankungen sowie Multiple Sklerose. Über den Altersmechanismus steigt auch die Zahl der Parkinson-Erkrankungen." Da viele neurologischen Erkrankungen jedoch zunehmend auch ambulant behandelt würden, sehe man im Krankenhaus vor allem schwerkranke und mehrfach erkrankte Patienten.

Was ändert sich bei den Operationen?

Das Haus C wird so etwas wie der Hightech-Knotenpunkt des Friedrichstädter Krankenhauses. In dem zweigeschossigen Anbau entsteht auch ein sogenannter Hybrid-Operationssaal, zu dessen Hauptnutzern die Neurochirurgen gehören werden. "Das heißt, wir haben im Operationssaal eine Angiografie-Anlage", so Stockhammer. "Dadurch haben wir die Möglichkeit, uns Gefäße vor Ort anzuschauen." Gefäßeingriffe im Kopf benötigten nach der Operation eine Standardkontrolle über eine Angiografie. Das finde normalerweise immer in einem anderen Raum an einem anderen Tag statt. "Wir können diese Kontrollen in Zukunft sofort durchführen und gegebenenfalls Korrekturen vornehmen." Der Anbau hat rund 12,5 Millionen Euro gekostet, wovon zehn Millionen Euro der Freistaat zahlt.

Wie funktioniert ein Klinik-Umzug? Was passiert mit den Patienten in dieser Zeit?

Für die Umzugswoche werden keine neuen Patienten einbestellt. "Wir werden nur Notfallpatienten aufnehmen und diese auch versorgen", sagt Machetanz. "Diejenigen, die sich dann in Trachau in stationärer Behandlung befinden, werden mit dem normalen Krankentransport oder im Bett nach Friedrichstadt transportiert, sofern medizinisch nichts dagegenspricht." Sie ziehen mit den Ärzten und Pflegekräften um. Die Neuroradiologie wird während des Umzuges 24 Stunden am Tag einsatzbereit sein, auch weil die alte Angiografie-Anlage in Neustadt bleibt und dort im Bedarfsfall jederzeit genutzt werden kann.

Anders sieht es bei den Pflegekräften aus. Nicht alle werden umziehen. "Natürlich ist es für einige Mitarbeiter, die im Neustädter Krankenhaus groß geworden sind, schwer", beschreibt Machetanz die Stimmung. "Die haben gesagt: Wir bleiben hier. Diese Möglichkeit gibt es für sie auch, wir zwingen niemanden, mit nach Friedrichstadt zu ziehen."

Insgesamt, so hoffen die drei Mediziner, wird der Umzug eher zu mehr als zu weniger Patienten beitragen. Auch, wenn manche Dresdner einen weiteren Weg haben dürften. "Wer in Trachau lebt und das Neustädter Krankenhaus nebenan hat, für den fühlt es sich vielleicht nicht gut an, wenn sich dort plötzlich das Angebot ändert", schätzt Stockhammer ein. "Andererseits liefern wir im Zusammenspiel eine Spitzenmedizin, wofür auch Menschen aus der Oberlausitz oder dem Zittauer Gebirge anreisen." Über die Elbe zu fahren, sollte seines Erachtens nicht das Problem sein. Und die wenigsten Schlaganfallpatienten würden zu Fuß kommen, sondern mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht.

Können in Neustadt keine Schlaganfall-Patienten mehr versorgt werden?

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Doch. "In Trachau werden Schlaganfall-Patienten auch in Zukunft gut versorgt werden. Dort wird es weiterhin einen neurologischen Konsiliardienst geben, die radiologische Diagnostik bleibt ebenfalls vorhanden", so Machetanz. Darüber hinaus sind die Neurochirurgen weiterhin abrufbereit und innerhalb einer halben Stunde an der Industriestraße. "Notfalloperationen sind ebenso möglich, etwa bei einer Hirnblutung, bei der Druck auf den Hirnstamm ausgeübt wird", erklärt Stockhammer. "So etwas muss innerhalb von einer Stunde versorgt werden. Patienten müssen sich somit keine Gedanken machen, in welches Krankenhaus sie gehen."

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