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Das Rosenparadies am Elberadweg

Runter vom Rad, rein in die Rosen: Am Neustädter Elberadweg liegt ein duftendes Kleinod aus den 30er-Jahren. Das sind die Geheimnisse des Dresdner Rosengartens.

Im Rosengarten zwischen Carusufer und Elberadweg gehen die Uhren anders - der Duft und die Farbenpracht der Rosenstöcke zwingen zum Innehalten.
Im Rosengarten zwischen Carusufer und Elberadweg gehen die Uhren anders - der Duft und die Farbenpracht der Rosenstöcke zwingen zum Innehalten. © Sven Ellger

Dresden. Eine Katze mit langem weißen Fell und sehr hellen blauen Augen huscht durch die Rosenstöcke, verschwindet unter einer Bank, kommt auf der anderen Seite wieder hervor, springt schließlich sogar in eine Hecke und zwingt so der Frau, die über eine mehrere Meter lange Schleppleine lose mit ihr verbunden ist, einen kleinen Parkour quer durch den mittleren Teil des Rosengartens auf. Ein paar Menschen, die auf den Bänken im Steinpavillon Zuflucht vor dem stärker werdenden Regen gesucht haben, beobachten das Schauspiel amüsiert.

Das Tier hat es in der Wohnung einfach nicht mehr ausgehalten, erklärt die Besitzerin, das heute sei der erste Versuch der "Befreiung". Und welcher Ort wäre besser dafür geeignet, als der Rosengarten zwischen Carusufer und Elberadweg? Der Lärm der Straße dringt durch die dichten Hecken kaum in die grüne Anlage. In der Luft liegt Rosenduft, selbst bei Regen und Ende August, wenn die weißen, gelben, roten, pinken und lilanen Blütenblätter schon beinahe so häufig auf dem Boden liegen, wie noch an den Stöcken hängen. Das Gefährlichste, das einer Katze hier begegnen dürfte, sind Radfahrer, die, statt auf dem häufig überfüllten Asphaltweg nebenan zu fahren, den kleinen Umweg durch dieses Idyll nehmen.

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Der Weg, der den Mittelteil des Rosengartens vom sogenannten "Senkgarten" trennt, ist bepflanzt mit Rittersporn in den verschiedensten Blautönen. Vom Elberadweg aus kann man im Vorbeifahren einen Blick darauf erhaschen.
Der Weg, der den Mittelteil des Rosengartens vom sogenannten "Senkgarten" trennt, ist bepflanzt mit Rittersporn in den verschiedensten Blautönen. Vom Elberadweg aus kann man im Vorbeifahren einen Blick darauf erhaschen. © Sven Ellger

Und ist es nicht dasselbe, das auch die Menschen hierher lockt? Auf einer weißen Holzbank, etwas nach hinten versetzt inmitten einer Hecke am Rand des Gartens, hat eine Radfahrerin die Nase in ein dickes Buch gesteckt, unerschrocken über den Regen, der jeden Moment wieder einsetzen dürfte. Ein paar Bänke weiter stillt eine junge Mutter ihr Baby. An anderen Tagen sitzen oder flanieren hier verliebte Paare, Freundesgruppen, Schwestern der nahen Diakonissenanstalt und immer wieder auch Touristen, die Fotos von sich inmitten der Rosen machen. Der Pavillon dient Spaziergängern als Pausenort, Teenagern als wettergeschützte Feier-Location, Tanzgruppen als Freiluft-Ballsaal.

Ein Bild, das man eher selten sieht, aber auch dafür ist der Rosengarten offenbar bestens geeignet: Eine Gruppe von vier jungen Läufern, drei Frauen und ein Mann, joggt immer wieder ein kurzes Stück den Weg zwischen den Beeten entlang, während eine weitere Frau Fotos davon macht. Die fünf arbeiten für eine IT-Firma auf der Bautzner Straße ganz in der Nähe, erklären sie.

Sonja, Anne, Martin und Lisa bilden gemeinsam mit Fotografin Kerstin ein Team bei der anstehenden Rewe-Team-Challenge. Die Promo-Fotos dafür entstehen im Rosengarten.
Sonja, Anne, Martin und Lisa bilden gemeinsam mit Fotografin Kerstin ein Team bei der anstehenden Rewe-Team-Challenge. Die Promo-Fotos dafür entstehen im Rosengarten. © Sven Ellger

Die Fotos, die hier entstehen, sind Werbung für die in der nächsten Woche anstehende Rewe-Team-Challenge, an der sie teilnehmen - Sonja, Anne, Martin, Lisa, Kerstin. In der Nähe bellt aufgeregt Hündin Nala, die nicht mitrennen darf und deshalb vorübergehend an eine Bank gebunden wurde. Die Bilder werden später auf der Website des Unternehmens zu finden sein, wo es auch ein Gewinnspiel geben soll.

"Das hier beweist ja auch: Wir laufen bei Wind und Wetter", sagt HR-Managerin Sonja lachend, denn schon wieder setzt der Regen ein. Es ist nicht das erste Mal, dass Fotos für die Firma im Rosengarten entstehen, auch die Mitarbeiterporträts wurden hier gemacht. Warum ausgerechnet dieser Ort? Die Nähe, die Ruhe, erfährt man. Wenn so potenzielle neue Mitarbeiter angesprochen werden, umso besser.

Viele der heutigen Rosensorten wurden in der DDR gezüchtet. Es gibt aber auch Gehölze, die noch aus der Entstehungszeit des Parks stammen.
Viele der heutigen Rosensorten wurden in der DDR gezüchtet. Es gibt aber auch Gehölze, die noch aus der Entstehungszeit des Parks stammen. © Sven Ellger

Der dreiteilige Rosengarten wurde bereits Mitte der 30er-Jahre angelegt und steht heute, wie auch der nahe Staudengarten, unter Denkmalschutz. Auf der Website der "Freunde des Dresdner Rosengartens" erfährt man, dass auf rund 29.500 Quadratmetern zum Teil noch aus der Entstehungszeit stammende Gehölze neben derzeit ungefähr 120 verschiedenen Rosensorten und -arten zu finden sind.

Der damalige Stadtgartendirektor Heinrich Balke habe die Idee einer hochwasserfreien Uferpromenade so umgesetzt, dass dieses "Königsufer" mit seinen Sondergärten ein Gegenstück zur Altstädter Elbseite werden konnte, die bis an das Flussufer bebaut worden war. Das Königsufer gilt als die bedeutendste städtebauliche Maßnahme der 1930er-Jahre in Dresden. Aber schon 1910 gab es einen Wettbewerb, der dessen Gestaltung als Parkanlage und Pendant zur bebauten Altstadtseite vorsah. Bereits vor 111 Jahren wurde also der Grundstein gelegt für den heutigen Rosengarten.

Auch der "Senkgarten", an dessen Ende das "Kaffee Rosengarten" liegt, gehört zur Anlage. Die hier gepflanzten Rosen sollen in ihrer Anordnung eine Knospe darstellen.
Auch der "Senkgarten", an dessen Ende das "Kaffee Rosengarten" liegt, gehört zur Anlage. Die hier gepflanzten Rosen sollen in ihrer Anordnung eine Knospe darstellen. © Sven Ellger

Von Anfang an stand für diesen offenbar die Erlebbarkeit der Blumen im Vordergrund, denn in den Strauchrosenbereichen der Randstreifen gab es schon damals - und seit 2000 wieder - Schieferplattenwege, um den Blüten besonders nahekommen zu können. Ihre genaue Pflanzung ist natürlich kein Zufall, sondern stellt einen Farbverlauf dar - von weiß über orange zu rosa, dunkelrot, rot und gelb, besonders gut erkennbar an den über 70 Rosenbeeten der zentralen Mittelachse.

Wie die Anlage in den 30er-Jahren genau bepflanzt worden war, konnte nicht mehr rekonstruiert werden, da keinerlei Bepflanzungspläne aus dieser Zeit mehr vorhanden waren, wie die Freunde des Rosengartens erklären. Etliche der heute gezeigten Sorten wurden in der DDR gezüchtet. Diese sollen "den Gestaltungsgedanken aus der Entstehungszeit umsetzen und gleichfalls zeigen, welche hervorragende Arbeit die Rosenzüchter in der DDR geleistet haben".

Eine von mehreren Plastiken in und am Rosengarten, aber wahrscheinlich die eindrücklichste: "Genesung" von Felix Pfeifer befindet sich im Mittelteil der Anlage.
Eine von mehreren Plastiken in und am Rosengarten, aber wahrscheinlich die eindrücklichste: "Genesung" von Felix Pfeifer befindet sich im Mittelteil der Anlage. © Sven Ellger

Begrenzt werden diese liebevoll gepflegten Beete zum Carusufer wie zum Elberadweg hin von duftenden, rosa blühenden Bodendeckerrosen, die nicht nur Insekten, sondern auch Spaziergänger wie magisch anziehen. Daneben gibt es aber auch "Hochstammquartiere", die wie für Radfahrer geschaffen scheinen: Diese können die Rosen praktisch im langsamen Vorbeiradeln beschnuppern und müssen nicht einmal absteigen.

Alle Teile der Serie finden Sie hier.

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