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Wenige Schüler holen Schwimmunterricht nach

Rund 500 Zweitklässler haben in Dresden wegen Corona keinen Schwimmunterricht gehabt. Nur 29 holen ihn in den Herbstferien nach. Woran das liegt.

Bis zu 250 Kinder könnten an den Schwimmkursen verteilt auf Sommer-, Herbst- und Winterferien teilnehmen.
Bis zu 250 Kinder könnten an den Schwimmkursen verteilt auf Sommer-, Herbst- und Winterferien teilnehmen. © Sven Ellger

Dresden. Gabriel Dogaeas freut sich auf sein tägliches Schwimmtraining. "Ich stürze mich nur so ins Wasser", ruft der Achtjährige am Donnerstagmorgen, bevor es für ihn mit 13 anderen Kindern ins Schwimmbad am Freiberger Platz geht. "Allerdings nur mit Taucherbrille und Schwimmflügeln", ergänzt sein Vater Emil lachend, "bisher kann er sich gerade einmal über Wasser halten". 

Nachdem der Schwimmunterricht an der Schule des damaligen Zweitklässlers wegen Corona ausfiel, hat sein Vater ihn kurzerhand hierher gebracht. Jeden Ferien-Vormittag eine Stunde Schwimmunterricht, "damit er mehr Koordination und Selbstvertrauen kriegt." Nur am Wochenende hat er frei.

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Sebastian Halgasch leitet die Ferien-Schwimmkurse und hatte sich etwas mehr Andrang gewünscht. Für die laufenden Herbstferien-Kurse haben sich bei ihm 29 Kinder angemeldet, von drei geplanten Kursen finden nur zwei statt. In den Sommerferien waren es immerhin noch 75 Kinder in neun Kursen. 

Schwimmunterricht des Sohnes hat Priorität

Die Einladungen zu den kostenlosen Nachhol-Kursen hatte die Stadt erst in der letzten Schulwoche herausgegeben, das sei wohl etwas kurzfristig gewesen. Problematisch findet er auch, dass die Kurse vormittags stattfinden und sich das viele Eltern nicht einrichten könnten. Eine andere Lösung sieht er allerdings auch nicht. "Wenn mein Kind nicht schwimmen könnte, würde ich sehr viel dafür geben, dass es das lernt."

Therese Györi gibt viel dafür. Auch ihr achtjähriger Sohn Felix soll bei Halgasch schwimmen lernen. Ihren ganzen Berufsalltag hat sie um den vormittäglichen Schwimmunterricht ihres Sohnes herumgestrickt, denn dieser habe höchste Priorität. Allerdings hatte sie gehofft, dass die Schule sich mehr darum kümmere und nicht die Verantwortung an den Eltern hängen bliebe. 

Als vergangene Woche die Meldung der Stadt mit den kostenlosen Schwimmkursen in den Herbstferien kam, habe sie sofort zugeschlagen, denn bis zu den Winterferien wollte sie nicht warten: "Wenn Corona im Winter richtig schlimm wird, weiß ich nicht, ob die Kurse dann noch stattfinden können."

Bis zu 100 Kinder können sich für die Winterferien noch anmelden - wenn Corona es zulässt

Schwimmlehrer Halgasch sieht das anders: Im Wasser bestehe keine Ansteckungsgefahr mit Corona und er und seine zwei Kolleginnen achten sehr darauf, dass sich die Schwimmgruppen nicht begegnen. 

Sein Ziel ist es, von den 500 Zweitklässlern, die in diesem Jahr das Schwimmen nicht gelernt haben, wenigstens 150 bei sich im Kurs gehabt zu haben, lieber noch 250. "Das Potenzial im Winter ist am größten", sagt er, denn bis dahin hätten die Eltern mehr Zeit, sich darauf einzustellen. 

Und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten halten sich neben Skifahren auch in Grenzen. Bisher haben sich 26 Kinder für die Winterferien angemeldet, Halgasch rechnet noch mit bis zu 100 weiteren. "Wir könnten sechs Kurse mit je 20 Teilnehmern vollmachen", auch in der Schwimmhalle Prohlis könnten bei Bedarf Kurse angeboten werden.

Für Schwimmlehrer und Organisator der Ferienkurse Sebastian Halgasch ist es erst einmal wichtig, dass Kinder sich selbstständig aus dem Wasser retten können.
Für Schwimmlehrer und Organisator der Ferienkurse Sebastian Halgasch ist es erst einmal wichtig, dass Kinder sich selbstständig aus dem Wasser retten können. © Sven Ellger

"Für mich ist Schwimmen eine Art Grundrecht", sagt Halgasch. Erst einmal sei es wichtig, den Kindern die Angst vor dem Wasser zu nehmen und sie zu befähigen, sich im Notfall selbst aus dem Wasser retten zu können. 

Das gehört zu den "Grundfertigkeiten", die die Kinder bei ihm lernen und die etwa dem Seepferdchen-Abzeichen entsprechen. Rund 80 Prozent der Kinder schließen den Kurs erfolgreich ab. "Ich frage mich bloß, warum nicht auch andere Städte das so machen."

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Zwischen März und Juni konnten in Dresden keine schulischen Schwimmkurse stattfinden, weil die Schulen entweder ganz geschlossen waren oder sich - anders als sonst üblich - keine zwei Klassen im Schwimmunterricht begegnen durften. Wegen personalen Engpässen wurde dieser dann ganz abgesagt. 

Die Stadt hatte Ende Juni 45.000 Euro bereitgestellt, um kostenlose Schwimmkurse in den Ferien anzubieten. Diese können bis zum 11. April 2021, also noch in den Winter- und eventuell auch in den Osterferien nächsten Jahres, stattfinden. Weitere Informationen finden sich unter dresden.de/ferien-fuer-entdecker.

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