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Das sind die Pläne für den Fernsehturm in Dresden

Eine Betreibergesellschaft aus DDV-Mediengruppe, Tourist-Information und der Agentur Avantgarde übernimmt den Fernsehturm. Was dort möglich sein soll.

Die Aussichtsplattform im Dresdner Fernsehturm wird Besuchern in wenigen Jahren wieder zugänglich sein.
Die Aussichtsplattform im Dresdner Fernsehturm wird Besuchern in wenigen Jahren wieder zugänglich sein. © Sven Ellger

Dresden. Die Suche nach einem Betreiber für den Dresdner Fernsehturm hat ein glückliches Ende gefunden: Am Mittwochnachmittag stellte die Deutsche Funkturm GmbH, welcher der Turm gehört, zusammen mit der Stadt Dresden und dem Freistaat Sachsen die neue Betreibergesellschaft vor, die aus drei lokalen Akteuren besteht - der DDV-Mediengruppe, zu der auch Sächsische.de und die Sächsische Zeitung gehören, der Dresdner Tourist-Information (einer DDV-Tochter) und der Kommunikationsagentur Avantgarde Sales & Marketing mit Hauptsitz in München. Diese "teilen" sich den Turm zu je einem Drittel - und konnten mit ihrem Konzept für die Wiederbelebung ab 2025 überzeugen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

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Was haben die neuen Betreiber mit dem Dresdner Fernsehturm vor?

Das Konzept für den Fernsehturm fasst Carsten Dietmann, Geschäftsführer der DDV-Mediengruppe, unter "Ausblick und Ausstellung" zusammen. "Von dort oben hat man einen ganz anderen Blickwinkel auf Dresden, das wollen wir nutzen, um verschiedene Epochen sichtbar zu machen."

Durch die großen Turmfenster sollen die Besucher nicht nur die eigentliche Umgebung betrachten, sondern mittels eingebauter Screens, die ein der Wirklichkeit überlagertes Bild zeigen, zum Beispiel Dresden im 19. Jahrhundert oder zum Zeitpunkt der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg erleben können - immer aus der Perspektive des Fernsehturmes. Neben dieser Zeitreise soll es auch eine Reise in andere Orte geben: Besondere Ferngläser sollen Blicke in Dresdens Partnerstädte wie St. Petersburg und Hamburg ermöglichen.

Carsten Dietmann, Geschäftsführer der DDV-Mediengruppe, Lars Knüpfer, Geschäftsführer Dresden Information, Landeskonservator Alf Furkert, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer Deutsche Funkturm, und Robin Wenzel, E
Carsten Dietmann, Geschäftsführer der DDV-Mediengruppe, Lars Knüpfer, Geschäftsführer Dresden Information, Landeskonservator Alf Furkert, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer Deutsche Funkturm, und Robin Wenzel, E © Deutsche Funkturm

"Die Brause-Bar, die es früher gab, wollen wir wieder aufmachen", erklärt Dietmann weiter. Rund um den Kern des Turms soll es dort viele verschiedene Fernseher geben, die jeweils ein Porträt oder Interview eines Dresdner "Prominenten" zeigen - von August dem Starken bis Jan Josef Liefers.

Besonderen Nervenkitzel soll ein "Erlebnisbereich" bieten, der zum Beispiel einen Edge Walk ermöglicht, wie es ihn unter anderem auf Torontos CN Tower gibt. Dabei ist der Besucher von oben an einem Seil befestigt und kann auf einer Außenplattform ohne Brüstung einmal rund um den Turm herumlaufen. Der Boden dieses schmalen Balkons könnte aus Gitter oder Glas sein, je nachdem, was der Denkmalschutz ermöglicht, erklärt Dietmann, der betont, dass die Abstimmung mit der Behörde, mit dem Brandschutz und anderen Ämtern der konkreten Umsetzung des Konzepts natürlich vorausgeht.

Wird es auch Gastronomie im Fernsehturm geben?

Der Schwerpunkt des Konzepts für den Fernsehturm wurde nicht auf Gastronomie gelegt, erklärt Dietmann, schon weil es aus Brandschutzgründen im Turm selbst keine Küche geben darf. Ein gastronomisches Angebot soll es dafür am Fuß des Turms geben, traditionell mit sächsischer Küche. "Das Restaurant ist nicht mehr der Hauptgrund, um zum Fernsehturm zu fahren, wie es in DDR-Zeiten mal war", ergänzt Lars Knüpfer, Geschäftsführer der Dresden-Information.

Trotzdem werden die Dresdner fast 30 Jahre nach der Stilllegung des Fernsehturms und seines Turmcafés wieder in den Genuss von Essen mit Weitblick kommen: An bestimmten Tagen soll es oben ein "Sonnenaufgangsfrühstück" geben beziehungsweise ein Abendessen unter dem Arbeitstitel "Feines Dinner", das sich am Konzept des Münchner Fernsehturms orientiert: Nach einem Sundowner-Cocktail an der Brause-Bar wird einer bestimmten Anzahl von Gästen im Turm ein festgelegtes, mehrgängiges Menü serviert, das am Fuß des Turms zubereitet wird.

Das Fernsehturmcafé erstreckte sich über zwei Ebenen.
Das Fernsehturmcafé erstreckte sich über zwei Ebenen. © SZ-Archiv

Was sieht das Verkehrskonzept vor?

Vor allem bei Anwohnern umstritten ist das Verkehrskonzept für die Anreise zum Fernsehturm. Weil es in der Nähe keine geeigneten Flächen für Parkplätze gibt und der Bereich ohnehin im Landschafts- und Naturschutzgebiet liegt, sieht das Konzept keinen Individualverkehr, sondern eine Anfahrt über den Ullersdorfer Platz vor, wo ein Park-and-Ride-Platz eingerichtet wird. Von dort bringen Pendlerbusse die Besucher zum Turm. Die Bürgerinitiative Fernsehturm Dresden fürchtet jedoch einen "Todesstreifen", weil der Platz für so viel Verkehr, inklusive Zubringerbus, nicht da sei.

Carsten Dietmann erklärt, dass man mit der Vergabe von Timeslots, also Zeitfenster-Tickets, ein Verkehrschaos unbedingt verhindern will. "Falls man dann zu früh ankommt und noch eine halbe Stunde Zeit hat, kann man am Fuß des Fernsehturms noch etwas trinken." Die Gesellschafter rechnen mit 200.000 Besuchern jährlich.

Gibt es auch etwas, das an die DDR-Zeit des Turms erinnert?

Besucher, die den Fernsehturm noch aus seinen Anfangstagen kennen, werden sich gleich beim Betreten in diese Zeit zurückversetzt fühlen: "Wir versuchen, unten im Turm ein bisschen nostalgisch die 70er-Jahre zu spielen, was Kostüme, Waren und Raumdesign angeht", kündigt Dietmann an und Knüpfer ergänzt: "Wir beginnen die Zeitreise in der Zeit, als der Turm gebaut wurde: 1969."

So sah es damals im Fernsehturmcafé aus.
So sah es damals im Fernsehturmcafé aus. © Archiv: Bettina Klemm

Was kostet es, den Turm wiederzubeleben?

Rund 25,6 Millionen Euro kostet es, den Fernsehturm wiederzubeleben, die Hälfte der Kosten trägt dabei der Bund. Die restlichen 12,8 Millionen Euro stellen zu je 50 Prozent der Freistaat und die Stadt Dresden bereit. Das Verkehrskonzept zum Turm kostet noch einmal 43 Millionen Euro. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will 1,3 Millionen des 109-Millionen-Haushaltsüberschusses für zwei Projekte aus dem Konzept aufwenden: Eine Million Euro ist für den Ausbau des Oberwachwitzer Weges vorgesehen, rund 300.000 Euro für die Ertüchtigung der Wanderwege und neue Rastplätze.

Die neue Betreibergesellschaft selbst rechnet mit einer Investitionssumme von drei bis vier Millionen, erklärt Dietmann. Die Zahl sei deshalb noch so vage, da man nicht wisse, wie sich die technischen Möglichkeiten - und Kosten - bis zur Eröffnung des Turms noch verändern könnten. Der Pachtvertrag wurde auf 20 Jahre abgeschlossen und gilt ab dem Zeitpunkt, wenn der Turm fertig saniert ist.

Ab wann soll der Fernsehturm wieder öffnen?

Bisher war von 2025 die Rede, wenn es um ein Datum der Wiedereröffnung des Fernsehturmes ging. Auf diesen Termin lasse sich die Telekom aber nicht festnageln, erklärt Dietmann. Er selbst rechnet damit, dass die Sanierung vier bis fünf Jahre dauern könnte.

Was macht den Dresdner Fernsehturm so besonders?

Mit 252 Metern Höhe ist der Dresdner Fernsehturm einer der zehn größten Fernsehtürme Deutschlands. Bei seiner Eröffnung im Oktober 1969 diente er neben rein funktechnischen auch touristischen Zwecken, die Dresdner schätzten vor allem das zweistöckige Turmrestaurant in 142 bis 145 Metern Höhe. Es bot Platz für 132 Gäste, auf die darüber gelegene Aussichtsplattform passten 40 bis 50 Besucher. Jährlich besuchten etwa 200.000 Menschen den Turm.

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