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Partnerschaft: Kreislauf der Gewalt?

Frauen sind in Dresden häufiger Opfer als Männer. Die Fallzahlen sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen.

Frauen sind besonders häufig Opfer von Gewalt in Partnerschaften. Zu zwei Dritteln handelt es sich um Wiederholungstaten.
Frauen sind besonders häufig Opfer von Gewalt in Partnerschaften. Zu zwei Dritteln handelt es sich um Wiederholungstaten. © Maja Hitij / dpa

Dresden. Eigentlich sollte in einer Beziehung Liebe, Wärme und gegenseitige Achtung im Vordergrund stehen. Doch nicht alle Menschen in Dresden erfahren das. Immer mehr Frauen und Männer erleben körperliche Gewalt und sexuelle Übergriffe in ihrer Partnerschaft. Die Zahlen sind erneut gestiegen. Im Jahr 2019 mussten 1.227 Fälle von häuslicher Gewalt aufgenommen werden, so Lukas Reumund, Sprecher der Dresdner Polizei, auf Anfrage. Ein Anstieg zum Vorjahr, als 1.105 Fälle in Dresden registriert wurden.

Was sind die Ursachen für häusliche Gewalt?

Die Entstehungsformen von häuslicher Gewalt sind sehr vielfältig, erklärt die Dresdner Polizei. Wenn sie zu einem Fall von häuslicher Gewalt gerufen werde, sei das meist nicht der erste "Übergriff", der stattgefunden habe. Typisch für die häusliche Gewalt sei der sogenannte Gewaltkreislauf, der es den Betroffenen auch so schwer mache, aus ihr auszubrechen. Täter haben es oft nicht gelernt, Konflikte anders als mit Gewalt zu lösen. Viele haben das in ihrer Kindheit selbst so erlebt.

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Gewalt gegen Frauen findet in erster Linie zu Hause, zum überwiegenden Teil durch die männlichen Partner statt, so der Sowieso-Verein, der Frauen in Dresden unter anderem zu diesem Thema berät. Mindestens jede vierte Frau habe wenigstens eine Form von Gewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner erlebt. Bei den Gewalthandlungen handelt es sich überwiegend, zu zwei Dritteln, um Wiederholungstaten.

Häusliche Gewalt dauert oft über Jahre an und nimmt in der Regel mit Dauer der Paarbeziehung an Häufigkeit und Intensität zu, sagt der Sowieso-Verein. Gibt es Kinder in der Beziehung, ökonomische Abhängigkeit sowie ein gesellschaftliches Umfeld, das häusliche Gewalt bagatellisiert, dauert die Lösung aus der toxischen Beziehung oft noch länger.

Hinzu komme, dass bei Trennung oder Trennungsabsicht die Gefahr einer Eskalation der Gewalt bestehe, so die Sozialarbeiter. Betroffene benötigen Beratung, Stärkung und praktische Hilfe, um eine Veränderung ihrer Lebenssituation zu bewirken.

Welche Maßnahmen ergreift die Polizei, wenn sie von einem Opfer in einem akuten Fall gerufen wird?

"Die Polizei nimmt in der Regel Straftaten wegen Körperverletzung oder Bedrohung auf und hat dann die Möglichkeit, bei Vorliegen der Voraussetzungen, den Täter bis zu 14 Tage aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen", so der Polizeisprecher. Diese Zeit gebe den Opfern die Möglichkeit, sich beim zuständigen Familiengericht einen Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz zu holen und damit ein sogenanntes Annäherungs- und Kontaktverbot zu erwirken. Ein Verstoß dagegen ist eine Straftat.

In Fällen häuslicher Gewalt besteht laut Polizei aufgrund von Kooperationsvereinbarungen die Möglichkeit, die Opfer, mit deren Zustimmung, direkt an eine Beratungsstelle zu vermitteln. In Dresden besteht diese Vereinbarung der Polizei mit der DIK, der Dresdner Interventions- und Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt. Diese würde sich dann proaktiv mit dem Opfer in Verbindung setzen, es beraten und auch begleiten.

"Seitens der Polizei raten wir immer dazu, dass die Opfer sich Hilfe in einer derartigen Beratungsstelle holen, da es erfahrungsgemäß sehr schwer oder nicht möglich ist, aus eigener Kraft aus einem Gewaltkreislauf wieder auszubrechen", sagt Polizeisprecher Reumund.

Eine Option für die Betroffenen, egal ob Männer oder Frauen, sind Schutzwohnungen. In Dresden gibt es aktuell 36 Plätze in Frauenschutzhäusern und drei in Männerschutzwohnungen. Viel zu wenige, wenn man sich die Fallzahlen anschaut.

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Laut einer aktuellen Landtagsanfrage an Justizministerin Katja Meier (Grüne) wurden 2020 in Dresden, Leipzig und Chemnitz vorsorglich im Hinblick auf eventuelle Quarantänemaßnahmen in den Schutzeinrichtungen oder eine Zunahme von Gewaltvorfällen im Zusammenhang mit den Kontakt- und Bewegungseinschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie zusätzliche Kapazitäten in Frauen-und Männerschutzwohnungen bereitgestellt. In diesen lnterimseinrichtungen gibt es insgesamt 56 zusätzliche Schutzplätze.

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