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Statue von Dresdner Fliegergrab gestohlen

Zwei Männer demontierten die rund 100 Kilo schwere Figur von Jagdflieger Max Immelmann. Aber sie hatten nicht mit einem Anwohner gerechnet.

Polizeibeamten suchen Spuren der Täter an der gestohlenen Statue vom Urnenhain Tolkewitz.
Polizeibeamten suchen Spuren der Täter an der gestohlenen Statue vom Urnenhain Tolkewitz. © Tino Plunert

Dresden. Sie kamen in der Nacht zum Sonntag, brachen das Friedhofstor auf und gingen direkt zu einer Statue, an der fast jeder Besucher des Friedhofs vorbeikommt. Sie hatten einen Handwagen und Werkzeug bei sich und kamen nicht mit guten Absichten.

Zwei Männer aus dem Umkreis von Löbau haben vom Urnenhain Tolkewitz eine geschätzt 100 Kilo schwere Statue gestohlen. Sie gehörte zu einem der Gräber, die in allen Veröffentlichungen zu dem Friedhof erwähnt ist. Das Grab, auf dem sie stand, ist das von Max Immelmann, einem der bekanntesten Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg.

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Die 36 und 59 Jahre alten Männer wussten genau, was sie taten. Ihr Schraubenschlüssel passte zu den Schrauben, mit denen die Figur auf einem Sockel befestigt war. Sie lösten diese und wuchteten die etwa zwei Meter hohe Bronzestatue auf ihren Wagen. Dann zogen sie ihn zurück zu ihrem Transporter, den sie vor dem Friedhofseingang geparkt hatten.

Nicht viel mehr als 100 Meter mussten sie dabei zurücklegen, denn das Immelmann-Grab befindet sich am Hauptweg zum alten Krematorum, links, kurz bevor man das Wasserbecken vor dem Gebäude erreicht.

Die Figur weist nur wenige Beschädigungen auf, sagt die Polizei.
Die Figur weist nur wenige Beschädigungen auf, sagt die Polizei. © Tino Plunert
Jens Börner, Fachbereichsleiter im Urnenhain, neben dem Sockel, auf dem die Figur festgeschraubt war.
Jens Börner, Fachbereichsleiter im Urnenhain, neben dem Sockel, auf dem die Figur festgeschraubt war. © Tino Plunert
Das ist das geschändete Grab des Weltkriegspiloten.
Das ist das geschändete Grab des Weltkriegspiloten. © Tino Plunert

Es war kurz vor Mitternacht, als sie die Bronzefigur in ihr Auto wuchteten. Dabei hatten sie nicht mit einem Anwohner gerechnet, der sie entdeckt hat und sofort die Polizei alarmierte. Die Beamten stellten die Diebe noch vor dem Friedhof. In ihrem Transporter lagen drei weitere Skulpturen, deutlich kleiner als die Statue vom Immelmann-Grab, deren Herkunft noch unklar ist. Diese 20 bis 30 Zentimeter hohen Kunstwerke könnten ebenfalls vom Urnenhain Tolkewitz stammen, aber auch von einem anderen Friedhof, sagte Polizeisprecher Marko Laske.

Die Polizei prüft jetzt den Hintergrund der Tat. Der Zustand der Figur vom Immelmann-Grab spricht aus Sicht der Beamten nicht dafür, dass es den Tätern um den Metallwert der Figur ging. "Es gibt nur wenige Beschädigungen im Bereich des Sockels", sagte Laske. Das spreche eher dafür, dass die Diebe an der Figur selbst interessiert waren. "Buntmetalldiebe gehen robuster vor, sie flexen oder reißen so etwas ab oder kippen so eine Figur einfach um", erklärt Laske diese Einschätzung.

Ob allerdings der Hintergrund der Statue auch der Hintergrund für den Diebstahl war, ist noch unklar. Das will die Polizei jetzt prüfen.

Die Figur hat den Namen "Der Adler von Lille". So nannten Gegner den gebürtigen Dresdner, der unter anderem Einsätze in der Nähe der französischen Stadt Lille geflogen ist. Er starb Mitte Juni 1916 bei einem Kampfeinsatz. Die Statue, ein Junge mit einem Schwert, der auf einer Erdkugel steht, soll die Jugend des im Alter von knapp 26 Jahren verstorbenen Piloten symbolisieren. Sie wurde anlässlich seines zwölften Todestags 1928 aufgestellt.

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