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Digitale Hilfe für Dresdner Gastronomen

Die Rückkehr ins normale Leben ist nur unter Auflagen möglich. Wo letzten Sommer noch Zettelwirtschaft angesagt war, geht vieles jetzt leichter.

Steak-Wirt Steffen Zuber und seine Tochter Alisa (m.) lassen sich von Kathleen Parma in das gar nicht so große Geheimnis der Corona-App Pass4All einweihen.
Steak-Wirt Steffen Zuber und seine Tochter Alisa (m.) lassen sich von Kathleen Parma in das gar nicht so große Geheimnis der Corona-App Pass4All einweihen. © Sven Ellger

Dresden. Hochkonzentriert schaut Steffen Zuber auf den Bildschirm. Nur eine gläserne Kugel könnte dem Wirt lieber sein. Dann würde er darin vielleicht sehen, ob der Wetterbericht wirklich hält, was er verspricht - kein super Sommerwetter, doch immerhin Terrassentemperaturen. Oder er wüsste, wie viele Pfingstgäste er in seinen Estancia Steakhäusern empfangen wird.

In die Zukunft blickt Zuber in gewisser Weise jedoch auch, wenn er sich in die Website auf Kathleen Parmas Laptop vertieft. Die Mitgründerin der digitalen Lösung für Kontaktrückverfolgung ist zu ihm gekommen, um ihm mit ihrer App beim coronasicheren Neustart zu helfen.

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Der Palais Sommer - Ein fairer Arbeitgeber

Denn seit Mittwoch dürfen Gastronomen ihre Gäste zumindest an der frischen Luft bedienen. Allerdings unter strengen Auflagen: Wer in Biergärten oder auf Terrassen Platz nehmen will, muss entweder vor maximal einem halben Jahr von Corona genesen, vor längerer Zeit genesen und einmal geimpft oder vollständig geimpft sein - mit einem Sicherheitsabstand von zwei Wochen, um den Schutz wirklich zu garantieren.

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Gäste, die all das nicht vorweisen können, aber trotzdem mit Freunden oder befreundeten Familien an einem Tisch sitzen wollen, dürfen mit einem Negativtest mit einer Gültigkeit von 24 Stunden einkehren. Während Steffen Zuber noch nicht genau weiß, wie er Impf- und Genesenennachweise abfordern soll und darf, muss er Testergebnisse kontrollieren und Daten für die Kontaktrückverfolgung sichern.

Im vergangenen Sommer führte allein letzteres zu Warteschlangen vor Lokalen. Denn bis jeder Ankömmling seine Kontaktinformationen auf Zettel eingetragen hatte, verging Zeit. Papier musste gesammelt, verwaltet und wieder vernichtet werden. Das alles kann sich Steffen Zuber jetzt sparen.

"Warum ich mich für die App entschieden habe? Weil ich Gastronom bin und Zeit für meine Gäste haben will", sagt er. Die Dresdner Entwicklung Pass4All biete ihm da alles, was er brauche. Sachsens Corona-Schutzverordnung besagt, dass Unternehmen und Institutionen im Kundenbetrieb nach Möglichkeit digitale Lösungen mit Schnittstelle zu den Gesundheitsämtern nutzen sollen.

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Doppelter Nutzen für Arbeitgeber und Mitarbeiter

Die Stadt Dresden hat sich entschieden, das regionale Produkt Pass4All zu unterstützen. "Bisher haben sich fast 100 Gastronomen bei uns angemeldet, um die App zu nutzen", sagt Kathleen Parma, die zum Entwicklerteam gehört und dieser Tage noch mehr als sonst zu tun hat. Bei Bedarf hilft sie Kunden beim Einrichten der technischen Grundlagen. Unternehmen und Einrichtungen der Landeshauptstadt sind drei Monate lang von den Lizenzgebühren befreit.

Per App lassen sich nicht nur Kontakte und Coronatestergebnisse verwalten. Sie ermöglicht es Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter in sogenannten betrieblichen Minitestzentren testen, außerdem, ihnen ihre Testergebnisse sozusagen mit auf den Weg zu geben. Damit können sie dann vor Ende der 24-Stunden-Frist zum Beispiel zum Friseur, zum Sport, zum Shoppen oder eben in einen Biergarten gehen.

Steffen Zuber hat mit seinem Team die Terrasse des Estancia Beef Clubs auf der Forststraße hergerichtet und für kurze Regenhuschen mit Zeltdach gerüstet. Auch das Estancia in Klotzsche wird er draußen öffnen. Nur in Striesen müssen sich seine Steak-Fans noch gedulden. Dort ist nicht genügend Platz, um regensicher draußen zu sitzen.

Neben Gastronomen arbeiten Theater, Hotels, Sportclubs künftig mit der App. Auch sie sehen darin einen Beitrag, Unannehmlichkeiten, die Corona mit sich bringt, möglichst so in den Alltag zu integrieren, dass sich Normalität bald normal anfühlt.

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