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Gut verstecktes Einbruchswerkzeug

Zwei mutmaßliche Autoschieber stehen seit Montag in Dresden vor dem Richter. Ein dritter ist offenbar untergetaucht. Die Staatsanwaltschaft "stochere" im "Nebel".

Drei mutmaßliche Autodiebe sollten sich am Montag in Dresden vor Gericht verantworten. Es kamen aber nur zwei. Nach dem dritten wird nun gefahndet.
Drei mutmaßliche Autodiebe sollten sich am Montag in Dresden vor Gericht verantworten. Es kamen aber nur zwei. Nach dem dritten wird nun gefahndet. © Marion Doering

Dresden/Zeithain. Für eine Bande im strafrechtlichen Sinne braucht es drei Komplizen. So gesehen könnte es die auf internationale Autoschieber spezialisierte Fahndungsgruppe der Polizei schon mit einer Bande zu tun gehabt haben, als sie am 27. November vergangenen Jahres einen vielversprechenden Fang gemacht hatte.

Die Beamten stellten in den frühen Morgenstunden an einem Bahnübergang in Wülknitz bei Zeithain drei Männer in einem Golf – mit allem, was man braucht, um Autos und Baumaschinen zu knacken. Ein Großteil der Utensilien entdeckten die Polizisten in einem Hohlraum unter dem Armaturenbrett, wo sich der Beifahrer-Airbag befindet. Eigentlich ein gutes Versteck.

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Am Montag begann der Prozess gegen das polnische Trio vor dem Amtsgericht Dresden. Es kamen aber nur noch zwei Angeklagte zu ihrer Hauptverhandlung. Die Männer waren im März aus der Untersuchungshaft entlassen worden mit der Auflage, sich regelmäßig zu melden und auch zu ihrem Prozess zu erscheinen. Doch die Spur von Krysztof Z. (32) verlor sich im Juli.

Fahndung läuft

Seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von dem Polen, jedenfalls kein gerichtsbekanntes. Auch sein Verteidiger Robert Zukowski musste ahnungslos mit den Schultern zucken. „Ich hatte keinen Kontakt mehr mit meinem Mandanten“, sagte der Strafverteidiger, durfte seine Akten zusammenpacken und die Verteidigerbank verlassen. Das Schöffengericht trennte das Verfahren gegen Z. ab und schrieb den Mann zur Fahndung aus.

Anders als Z. haben seine mutmaßlichen Mittäter gute Chancen, auf freiem Fuß zu bleiben. Die Vorwürfe sind nicht ganz so gravierend, was an der frühen Entdeckung der mutmaßlichen Täter liegt. Sie waren noch gar nicht zum Stehlen gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen daher Verabredung zu einem Verbrechen und Urkundenfälschung vor.

Die Männer sollen laut Anklage Mitglieder einer international operierenden, polnischen Bande sein, die sich auf die illegale Beschaffung von Kraftfahrzeugen und Baumaschinen in Deutschland und die arbeitsteilig begangene Wertschöpfung der gestohlenen Ware spezialisiert habe. Sie seien im Raum Zeithain/Wülknitz unterwegs gewesen, um Fahrzeuge zu stehlen

Im VW Golf der Angeklagten fanden die Ermittler – nach einer kleinen Verfolgungsfahrt – Sturmhauben, Dutzende Fahrzeugschlüssel, Kennzeichentafeln und Werkzeug zum Aufbrechen von Autos. Das Auto der Angeklagten war mit einem Nummernschild bestückt, das nicht zu dem Golf gehörte. Der Golf sei in der Nacht zunächst durch den Einsatz eines automatischen Kennzeichenerfassungssystems aufgefallen, wie ein Ermittler als Zeuge berichtete.

Als sie das Fahrzeug dann bei Zeithain beobachteten, fiel den Beamten auf, dass die Fahrer sehr langsam unterwegs waren, als ob sie etwas suchten - dann gaben sie plötzlich Gas. Als die Verdächtigten bemerkt hätten, dass sie kontrolliert werden sollten, hätten sie versucht, zu entkommen. Die Verfolgung endete schließlich an einem Bahnübergang in Wülknitz. 

Verteidiger nennen Anklage "Nebelstochern"

Ob auch die Hintermänner dieser Bande bekannt sind, ist unklar. Zwar liest sich die Anklage so, doch Namen werden nicht genannt. Möglich, dass nur die Vorstrafe des Hauptbeschuldigten Rafal M. (47) ein Hinweis ist. Er stand wegen Diebstahls von Autos und Baumaschinen im Polizeisystem.

Die Verteidiger kritisierten unter anderem, dass die Staatsanwaltschaft ihren Mandanten einiges unterstelle, wofür es angeblich keine Belege gebe. "Nebelstochern" nennen sie das. Auch der Ermittlungsrichter hätte mit den wenigen bekannten Anhaltspunkten niemals einen Durchsuchungsbeschluss unterschreiben dürfen. Zum Fortsetzungstermin soll daher nun auch der Ermittlungsrichter als Zeuge geladen werden. Bislang schwiegen die Angeklagten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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