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Dresden

Mit Messer am Hals verletzt

Ein 37-Jähriger attackiert einen Libyer mit einem Messer. Das habe nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun gehabt, sagt er in seinem Prozess in Dresden.

Prozessauftakt am Landgericht Dresden. Wachtmeister haben den 37-jährigen Beschuldigten (l. neben seinem Verteidiger Andreas Gumprich) in den Saal gebracht.
Prozessauftakt am Landgericht Dresden. Wachtmeister haben den 37-jährigen Beschuldigten (l. neben seinem Verteidiger Andreas Gumprich) in den Saal gebracht. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Er hat schnell etwas bei seiner Mutter in Striesen abgeholt, dann habe er nach Hause fahren wollen. Dort kam der 37-jährige Sebastian G. nie an. Am Straßburger Platz kam es zu einer Auseinandersetzung mit zwei Syrern und einem Libyer. G. verletzte Letzteren mit einem Messer am Hals. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Am Donnerstag hat der Prozess gegen G. begonnen, er ist Beschuldigter in einem sogenannten Sicherungsverfahren vor dem Landgericht Dresden. Das Gericht muss prüfen, ob der 37-Jährige schuldfähig ist und falls nicht, welche Gefahr von ihm ausgeht. G. könnte also freigesprochen werden und dennoch bis auf Weiteres in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

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In der sogenannten Antragsschrift wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine gefährliche Körperverletzung vor. Er habe zumindest billigend in Kauf genommen, den Libyer lebensbedrohlich zu verletzen oder gar zu töten. Der Mann leide an Schizophrenie. Am Montag, 9. März, sei er nach 14 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle am Straßburger Platz zunächst mit zwei Syrern in Streit geraten.

Als sich dann der 26-jährige Libyer eingemischt habe, um zu schlichten, habe G. ihm einen etwa zehn Zentimeter langen Schnitt am Hals zugefügt. Es sei Zufall gewesen, dass keine Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der 37-Jährige habe die anderen als „Scheiß-Araber“ und eine Begleiterin als „Hure“ beschimpft.

Angeblich Diebstahl befürchtet

Der Beschuldigte sagte in seiner Einlassung, dass er zunächst davon ausgegangen sei, dass einer der beiden Syrer ihm die Tasche stehlen wollte, die G. auf einem Sitz der Haltestelle abgelegt hatte. Der Fremde habe sich direkt vor die Tasche gestellt, sodass er sie schnell hätte greifen und in eine Bahn springen können. Es habe keinen anderen Grund gegeben, sich dahin zu stellen.

Er selbst sei ein paar Meter weg gewesen, so G., um vor der VW-Manufaktur einen dieser neuen Elektro-Golfs anzusehen. Dann sei er zu seiner Tasche gegangen. Als die beiden Syrer in die Bahn gestiegen seien, habe er gehört, wie sie einen arabischen Begriff für „Dummkopf“ benutzt hätten. Er habe daher gefragt, warum sie ihn so nennen.

"Ich habe den Notarzt gerufen"

Daraufhin sei es laut geworden, er sei beschimpft und angespuckt worden. In der Folge der Auseinandersetzung in der Bahn sei dann der 26-Jährige hinzugekommen. „Ich wollte ihm ein Messer an den Hals halten“, so G. Dabei habe er ihn schwer verletzt. „Ich habe dann selbst den Notarzt angerufen.“

Neben dieser Einlassung - G. betonte, er sei weder Nazi noch Rassist - erzählter er allerhand, was auf seinen angespannten psychischen Zustand schließen lässt, darunter seltsame Theorien, wie man die Erde retten könne und Ähnliches mehr. G. stammt aus einem Elternhaus, das sich nicht besonders um ihn gekümmert hat.

Nachdem er schon in der ersten Grundschulklasse erhebliche Probleme hatte, lebte er die nächsten Jahre bei seiner Großmutter. Nach der 7. Klasse brach er die Schule ab, schaffte nach einer abgebrochenen Lehre als Gebäudereiniger dann immerhin eine Maurer-Ausbildung. In dem Beruf habe er jedoch nicht gearbeitet, sondern in der Produktion und im Lager, wie er sagte. Zuletzt war G. arbeitslos und lebte in einem Übergangswohnheim in Klotzsche.

Das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen soll Aufschluss über den Zustand des Beschuldigten geben und wohl auch die Frage beantworten, welche Rolle G.s Drogenerfahrungen dabei spielen. Der 37-Jährige spricht offenbar gerne über Wiedergeburt, Telepathie und anderes Transzendentes. Er habe unter anderem Marihuana konsumiert, Amphetamin und Crystal sei aber definitiv ein Fehler gewesen. Dem Vernehmen nach soll sich der Mann jedoch weigern, seine Medikamente zu nehmen.

Zeugen schwänzen - Ordnungsgeld

Die beiden Syrer, die am Donnerstagnachmittag als erste Zeugen zum Tatgeschehen vernommen werden sollten, fehlten unentschuldigt. Sie erhielten ein Ordnungsgeld von 100 Euro, wahlweise zwei Tage Ordnungshaft, aufgebrummt. Das nächste Mal werden sie von der Polizei gebracht. Erst im Januar soll auch der Geschädigte aussagen.

Mit einem Urteil der Kammer ist Ende Januar zu rechnen.

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