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Geld oder Liebe? Lieber Geld!

Eine 40-jährige Betrügerin hatte es auf einsame Dresdner Rentner abgesehen. Mit immer neuen Geschichten erbeutete sie Tausende von Euros.

Eine 40-jährige Betrügerin hat Dresdner Rentner um ihre Ersparnisse gebracht. Am Amtsgericht Dresden hat sie nun einen Großteil der Vorwürfe eingeräumt. Doch das meiste Geld ist wohl weg.
Eine 40-jährige Betrügerin hat Dresdner Rentner um ihre Ersparnisse gebracht. Am Amtsgericht Dresden hat sie nun einen Großteil der Vorwürfe eingeräumt. Doch das meiste Geld ist wohl weg. © René Meinig

Dresden. Für den freundlichen Herrn war Olga E. eine Zufallsbegegnung an seiner Haustür. Als er das Hochhaus betrat, huschte die Frau mit durch und tischte dem Rentner eine dramatische Geschichte auf. Sie werde von ihrem Freund geschlagen.

Sicherheitshalber nahm der heute 92-jährige Rentner die Frau mit in seine Wohnung. Es sollten sehr, sehr teure Monate werden für den hilfsbereiten Mann, denn Olga E. nahm ihn aus wie eine Weihnachtsgans. Auch andere Männer sind der Betrügerin im Sommer 2019 auf den Leim gegangen.

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Am Montag saß die Frau, eine 40-jährige Slowakin mit einschlägiger Vergangenheit, vor dem Amtsgericht Dresden wegen Betruges in Dutzenden Fällen. Olga E. soll dem 92-Jährigen immer wieder Geld aus der Tasche gezogen haben. Mal für die Miete im Frauenhaus, mal als Kaution für ihre Wohnung, für Nebenkosten, zur Abwendung eines Haftbefehls oder um ihr angeblich gesperrtes Konto freizugeben, damit sie ihre geliehenen Beträge endlich zurückzahlen könne. Olgas Fantasie war grenzenlos.

25 Taten wirft die Anklage der Betrügerin vor. Unter anderem habe die 40-Jährige auch die EC-Karte des Rentners gestohlen und damit am Geldautomaten weitere Summen ohne dessen Wissen abgehoben. Geschädigt wurden auch drei weitere Männer im Alter von 97, 81 und 44 Jahren.

Von der Spielhalle ins Hotel

Bei dem 81-jährigen war E. sogar eingezogen, er habe sich mit ihr verlobt, ehe ihm klar geworden sei, dass sie nur an seinem Geld interessiert gewesen sei. Ihrem jüngsten Opfer muss Olga E. andere Geschichten erzählt haben. Er hatte sie mitten in der Nacht in einer Dresdner Spielothek kennengelernt, die Frau ins tschechische Děčín gefahren und ihr dort die offene Hotelrechnung bezahlt.

Praktischerweise verbrachte er mit ihr gleich den Rest der Nacht dort, und als er aufwachte, habe Olga schon sein Konto geplündert – mit der Pin, die sie wenige Stunden zuvor ausgespäht hatte, als der Mann Geld für die Hotelrechnung abgehoben hatte. Eine andere Erklärung jedenfalls hatte der Geschädigte nicht dafür, wie die Frau an seine Geheimnummer gekommen sein könnte. Der Mann aus der Nähe von Altenberg beziffert seinen Schaden auf insgesamt 2.000 Euro, nur etwa 200 Euro habe sie ihm bislang zurückgezahlt.

Zwischen Scham und Hoffnung

Wie viele Tausend Euro der 92-Jährige verloren hat, das ist bis heute unklar. Angeklagt ist ein Schaden von rund 11.000 Euro, möglich sind auch 17.000 Euro, sagt Kriminalhauptkommissar Christoph V. Der Geschädigte habe den Überblick verloren. Der Ermittler beschrieb die Situation der Geschädigten zwischen Scham, dass ihnen das passiert sei, und Hoffnung, noch etwas zurückgezahlt zu bekommen. Doch das Geld sei weg: Die Spirale dreht sich so lange, bis nichts mehr da ist“, sagte der Ermittler nüchtern.

Als Zeuge sagte der 92-Jährige im Gerichtssaal, er habe anfangs Mitleid mit der Frau gehabt. Dann sei sie immer wieder gekommen, immer sei es um Geld gegangen. Er habe sie nicht in die Wohnung lassen wollen, doch dann habe sie drin gestanden. Er habe ihr auch noch Geld gegeben, nachdem sie mit der gestohlenen EC-Karte von ihm Geld zweckentfremdet hatte. Und er habe ihr weitere Summen gegeben, manchmal nur, um Ruhe zu haben.

Das Schöffengericht hat der Angeklagten, die zurzeit in Lübeck eine Freiheitsstrafe für ganz ähnliche Betrügereien absitzt, in einem Rechtsgespräch mit der Verteidigerin ein Angebot gemacht: bis zu zwei Jahre und acht Monate Haft für ein Geständnis. Die spiel- und drogensüchtige Frau gab die Vorwürfe zu. Ein Urteil wird Mitte Februar erwartet.

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