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Dresden: Millionengeschäfte mit Schrottautos?

Ein 38-Jähriger soll im großen Stil Steuern hinterzogen haben. Er sitzt schon seit einem Jahr in Haft. Seine Anwälte kritisieren die Ermittlungen.

Vladimir L. (hier mit seinem Verteidiger Jürgen Saupe) steht seit Mittwoch wegen Steuerhinterziehung im großen Stil vor dem Landgericht Dresden.
Vladimir L. (hier mit seinem Verteidiger Jürgen Saupe) steht seit Mittwoch wegen Steuerhinterziehung im großen Stil vor dem Landgericht Dresden. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Mehr als 300 Polizisten, darunter schwer bewaffnete Spezialkräfte, waren vor etwas mehr als einem Jahr an der Razzia gegen einen mutmaßlichen Dresdner Autohändler in der Hamburger Straße beteiligt. Dort seilten sich Uniformierte sogar aus einem Hubschrauber ab, um die Geschäftsräume möglichst wirkungsvoll zu sichern.

Das Interesse und der spektakuläre Auftritt galten offenbar den Geschäften, die seit mehreren Jahren über einen Autohandel abgewickelt worden sein sollen. Doch die Beamten durchsuchten auch Dutzende weitere Objekte in Dresden, darunter auch mehrere Bordelle. Einer der Verdächtigen war Vladimir L., ein 38-jähriger Moldawier, der seit jenem Tag in Untersuchungshaft sitzt. Mit Verweis auf das Steuergeheimnis hatte die Staatsanwaltschaft damals zu den Details des „großen Wirtschaftsverfahrens“ geschwiegen.

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USA – Lettland – Dresden

Nun lichtet sich der Schleier etwas. Am Mittwoch hat der Prozess gegen L. vor dem Landgericht Dresden begonnen. Es geht um Steuerhinterziehung. Der Angeklagte steht im Verdacht, mit krummen Geschäften Millionen verdient zu haben, wie aus der Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden hervorgeht. Er soll ein Firmengeflecht aufgebaut haben, über das Schrottautos in den USA aufgekauft worden seien. Diese Fahrzeuge seien in Litauen und Lettland aufgebaut oder aufgehübscht worden, ehe sie schließlich in Deutschland verkauft wurden, heißt es da. Auch von einem Mittäter in Moldawien ist die Rede.

Der Staatsanwalt beziffert den Gesamtschaden, der dem Fiskus an nicht gezahlter Einkommens-, Gewerbe- und Umsatzsteuer entstanden ist, auf rund 2,9 Millionen Euro. Es geht unter anderem um mehr als 650 US-Autos und einige kleinere Nutzfahrzeuge, die der Angeklagte seit 2015 über verschiedene Wege in Dresden vertrieben und im Schnitt für 24.000 Euro verkauft haben soll. Das allein ergäbe Umsatzerlöse von mehr als 15,6 Millionen Euro.

Die Frage nach seiner letzten Tätigkeit beantwortete L., der keinen Beruf erlernt habe, mit „Aushilfstätigkeiten“ – und war eine Steilvorlage für die Anträge seiner Verteidiger Ines Kilian und Jürgen Saupe. Sie forderten die Aussetzung der Verhandlung und die Entlassung ihres Mandanten aus der U-Haft. Die Staatsanwaltschaft habe höchst einseitig und schon gar nicht „entlastend“ ermittelt, kritisierten sie. Eine vernünftige Beweisaufnahme sei ohne Blick auf die importierten Autos nicht möglich – doch darauf habe die Staatsanwaltschaft bewusst verzichtet. Der Staatsanwalt erwiderte, Ermittlungen im Baltikum seien für den Sachverhalt nicht notwendig.

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Auch L.s Ehefrau sitzt mit auf der Anklagebank. Die 30-Jährige lebt inzwischen im spanischen Valencia. Ihr wird vorgeworfen, Schenkungssteuer für ein angeblich ihr übertragenes Grundstück in Höhe von 83.000 Euro hinterzogen zu haben. Dieser Vorwurf sei weder halt- noch nachweisbar, so ihr Verteidiger Hansjörg Elbs.

Dass das Gericht die Verhandlung aussetzt, ist unwahrscheinlich. Es bat die Beteiligten, sich auf weitere Verhandlungstage bis Ende Oktober einzustellen.

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