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Nur ein Kurierfahrer - oder Betrüger?

Ein 53-Jähriger soll zu einer Bande gehören, die vor einigen Jahren in Dresden von Firmen auf die Schnelle 100.000 Euro ergaunert hatte.

In den Umzugskisten hinter der Staatsanwältin befindet sich das gesammelte Material rund um den Betrugsfall.
In den Umzugskisten hinter der Staatsanwältin befindet sich das gesammelte Material rund um den Betrugsfall. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Bereits Anfang 2019 wurden zwei Betrüger am Landgericht Dresden für ihre Masche verurteilt. Die Männer hatten innerhalb weniger Wochen mehr als 100.000 Euro von Firmen ergaunert. Nun hat der Prozess gegen ein weiteres Mitgliede dieser Bande begonnen. Der Mann hat zum Auftakt seiner Hauptverhandlung gestanden, der Fahrer der Gruppe gewesen sein. Doch der Reihe nach.

Bei diesen krummen Geschäften geht es vor allem um Schnelligkeit. Über Änderungen von Firmeninformationen im Handelsregister informieren die öffentlichen Stellen wie es sich gehört. Allerdings: In Sachen Rechnungslegung sind die Behörden nicht ganz so schnell. Und hier setzt die Masche der Betrüger an.

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Sie schicken den Firmen fingierte Rechnungen und stellen die Leistungen für Firmenan-, -ab- und -ummeldungen, Namensänderungen und dergleichen mehr in Rechnung ohne solche Dienstleistungen je erbracht zu haben. Viele Betroffene zahlen diese Gebühren der Justizkassen von Land und Bund eilig – und schwupps, wer seine Gebührenbescheide nicht aufmerksam prüft, zahlt doppelt.

Eine Betrügergruppe hat eine Briefkastenfirma im Dresdner Seidnitz-Center eröffnet und anschließend unter falschen Namen und Daten solche Rechnungsfakes im großen Stil verschickt. Rund 500 echte Unternehmen wurden im Frühjahr 2018 angeschrieben, mehr als 120 haben die in Rechnung gestellten Beträge, meist Summen zwischen 800 und 900 Euro anstandslos und vor allem ungeprüft bezahlt.

Sie überwiesen die Gelder auf Konten, die von der Bande unter falschen Namen bei verschiedenen Banken und Sparkassen deutschlandweit eröffnet worden waren. Kaum war das Geld eingegangen, schon wurden die Beträge abgeräumt. Insgesamt nahmen die Täter so in rund einem Monat 107.000 Euro ein.

Erste Urteile 2019

Vor zwei Jahren wurden ein 59-Jähriger wegen Betruges zu zwei Jahren und vier Monaten Haft und ein 62-jähriger Kubaner wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Noch während der laufenden Hauptverhandlung war damals bekannt geworden, dass zwar der Dresdner Standort verbrannt gewesen sei – die Gruppierung mit ihrer Masche jedoch noch immer Firmen abgezockt hatte.

Wie vom Erdboden verschluckt waren neben den Hauptdrahtziehern dieses Bluffs ein gewisser "Ari" aus Nordrhein-Westfahren. Das war ganz offensichtlich der Spitzname von Aristeidis K., einem 53-jährigen Griechen. Seine Verteidigerinnen trafen mit dem Gericht eine Verfahrensabsprache, nach der K. für ein umfassendes Geständnis mit einer Strafobergrenze von maximal drei Jahren und sechs Monaten rechnen kann.

Nach Spanien abgesetzt

Aristeidis K. hatte zuletzt einige Jahre bei Henkel in Düsseldorf als Reinigungskraft im Labor gearbeitet, bis er irgendwann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte. In einer Arztpraxis sei er dann von Komplizen angesprochen worden, ob er Interesse habe, sich an einem Geschäft zu beteiligen. Ja, sagte der Mann, er habe sich wohl denken können, dass die Sache nicht ganz legal gewesen sei. Er sei aber keiner der Hintermänner, er sei nur ein Kraftfahrer gewesen. Ein Kurier.

Im Jahr 2019 habe er sich damals nach Spanien abgesetzt, offenbar um einer Entdeckung zuvorzukommen. Mit seinem Vorhaben, Armbänder an Touristen zu verkaufen, sei er jedoch nicht erfolgreich gewesen und so kehrte er nach wenigen Monaten zurück. Zuletzt hatte er mit griechischen Baustoffen gehandelt, seit Juni sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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