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Dresden

Schnelles Ende eines Youtuber-Verfahrens

Ein Dresdner hat vor einem Denkmal einen Videorekorder gesprengt – doch die Böllerei ging für den 27-Jährigen gründlich schief.

Der Angeklagte David P. versteckt zum Auftakt des Berufungsprozesses am Landgericht Dresden sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Dahinter Carsten Brunzel, der Verteidiger des Dresdner Youtubers.
Der Angeklagte David P. versteckt zum Auftakt des Berufungsprozesses am Landgericht Dresden sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Dahinter Carsten Brunzel, der Verteidiger des Dresdner Youtubers. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Keine fünf Minuten und die Sache war vorbei. Der Vorsitzende Richter Jürgen Scheuring hatte kaum die Beteiligten dieses Berufungsverfahrens am Landgericht Dresden vorgestellt und kurz in den Fall eingeführt – da erklärte Verteidiger Carsten Brunzel schon, sein Mandant nehme die Berufung zurück. Gründe dafür nannte er nicht.

Es ist ein überraschendes Ende in einem eher ungewöhnlichen Strafverfahren gegen David P., einen 27-jährigen Dresdner. Jüngeren Anhängern von Anarcho-Blödel-Videos auf Youtube-Basis ist der Angeklagte besser als „Inkognito Spastiko“ bekannt. Kurz umrissen verbraucht der Selbstdarsteller allerhand digitale Ressourcen mit sinnfreien Dingen, von denen sich jedoch vor allem männliche Teenager gut unterhalten fühlen. Gerne geht der „Spaß“ auf Kosten wahlloser Opfer.

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Im Juni 2017 etwa traf es das Moreao-Denkmal auf der Räcknitzhöhe in Dresden. Spastiko hatte von einem „Fan“ offenbar einen Videorekorder geschenkt bekommen. Für die jüngeren Leser: Videorekorder sind so etwas ähnliches wie ein Youtube-Vorläufer, Elektrogeräte, mit denen Filmkassetten mit elektromagnetischen Bändern abgespielt werden können.

Spastiko war keine andere Verwendung für das Geschenk eingefallen, als es an einem sonnigen Nachmittag zwischen zwei Zaunsstäbe des Denkmals zu klemmen und unter großem Gejohle in die Luft zu sprengen. Mutmaßlich hatte er für die Sprengung einen illegalen Böller verwendet. Zwei metallene Zaunstäbe waren durch die Wucht der Explosion erheblich deformiert worden, der Schaden wurde mit 960 Euro beziffert.

Waterloo am Moreau-Denkmal

Das Denkmal erinnert an den französischen General Jean-Victor Moreau, der dort 1813 bei einer Schlacht gegen Napoleons Truppen beide Beine verloren hatte. Auch Spastiko hat nach dieser dämlichen Idee sein persönliches Waterloo erlebt. Mehr als 20.000 User hatten sich angeblich das Explosionsvideo angesehen, darunter jedoch auch einige Polizisten. Denen gelang es mit allerlei Raffinesse, „Inkognito“ tatsächlich ausfindig zu machen.

Im April 2019 wurde er am Amtsgericht Dresden wegen versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gemeinschädlicher Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte die Sprengung gestanden und von einer „doofen Idee“ gesprochen. Als Auflage sollte er den Schaden ersetzen und 250 Euro an einen Verein zahlen, der sich um das Denkmal kümmert.

Allerdings hatte der Youtuber sein Urteil nicht akzeptiert. Und so kam es zu der Hauptverhandlung am Montag, der ersten im Jahr 2021 vor der Berufungskammer von Richter Scheuring. Verteidiger Brunzel hatte sich schon einen Schlachtplan zurechtgelegt.

So habe das Berufungsgericht Nachermittlungen in Auftrag gegeben, sagte der Anwalt, doch er sei als Verteidiger davon weder informiert worden, noch habe er die Möglichkeit gehabt, dazu Stellung zu nehmen. Das genüge laut Brunzel für einen Befangenheitsantrag.

Die Folgen seien auch ohne diese empfindliche Bewährungsstrafe für seinen Mandanten erheblich. So habe der gelernte Werkzeugmechaniker nach der erstinstanzlichen Verurteilung seine Festanstellung in der Qualitätskontrolle eines Dresdner Luftfahrtunternehmens verloren. Was der Mann heute neben seinen Filmchen macht, dazu musste er nichts mehr sagen. P. habe sich laut Brunzel kurzfristig umentschieden und auf einen erneuten Prozess verzichtet. Das Urteil ist jetzt rechtskräftig.

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