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Sollen sich die Dresdner gegen Grippe impfen lassen?

Die Grippezeit steht bevor. Doch wer braucht tatsächlich eine Schutzimpfung und verträgt sich diese mit dem Corona-Impfstoff? Die wichtigsten Antworten.

Für wen ist die Grippeschutzimpfung in diesem Jahr sinnvoll?
Für wen ist die Grippeschutzimpfung in diesem Jahr sinnvoll? ©  dpa/Sebastian Gollnow (Symbolfoto)

Dresden. Oktoberzeit ist Impfzeit. Alljährlich werben Dresdens Hausarztpraxen im Herbst für Grippeschutzimpfungen. Doch ist dieser überhaupt nötig, nachdem die letzte Grippewelle regelrecht ausgefallen ist? Und kann es dem Körper nicht sogar schaden, wenn er sich bereits mit dem Corona-Vakzin auseinandersetzen muss? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sind schon Dresdner an der Grippe erkrankt?

Die Grippezahlen in Dresden sind derzeit fast verschwindend gering: "2021 gab es weniger als fünf übermittlungspflichtige Influenza-Fälle und keinen Todesfall", sagt Frank Bauer, Leiter des Dresdner Gesundheitsamtes. Das Robert-Koch-Institut (RKI) definiert als Influenzasaison den Zeitraum zwischen Anfang Oktober und Mitte Mai des Folgejahres. Demnach habe es in Dresden in der Influenza-Saison 2019/2020 2.574 Erkrankungsfälle und elf Todesfälle gegeben. In der Influenza-Saison 2020/2021 waren es neun Fälle und kein Todesfall. Das dürfte auch am coronabedingten Lockdown sowie der Maskenpflicht gelegen haben.

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Sollten sich die Dresdner impfen lassen?

Die Sächsische Impfkommission empfiehlt die Grippeschutzimpfung generell Menschen aller Altersgruppen. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut rät vor allem Risikogruppen zu einer Impfung. In diesem Jahr ist der Appell der Ärzte besonders laut. Befürchtet wird, dass sich nach einer äußerst schwachen Grippe-Saison 2020/21 dieses Jahr wieder mehr Menschen anstecken, da es diesmal keinen Lockdown gibt, der Infektionen effektiv verhindert. Zusammen mit der vierten Corona-Welle könnten die Krankenhäuser in ähnliche Schwierigkeiten geraten wie zur zweiten Corona-Welle im vergangenen Winter, so die Befürchtung.

"Ich würde in diesem Jahr eine großzügige Impfung gegen Grippe empfehlen", sagt Antje Nordwig, Leitende Oberärztin und Kinder-Pneumologin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Dresden. "Wir erwarten hier ähnlich wie bei dem RS-Virus eine größere Verbreitung, und Kinder bringen die Viren aus Schule und Kita mit." Entsprechend den Empfehlungen des RKI sollten Kinder ab sechs Monaten mit kardiologischen, pneumologischen und neurologischen Vorerkrankungen sowie Kinder, die als Kontaktpersonen im selben Haushalt lebende Risikopersonen gefährden können, gegen die saisonale Grippe geimpft werden.

Verträgt der Körper Corona- und Grippeschutzimpfung?

Im Prinzip können sich Patienten gegen Corona und Influenza an ein und demselben Tag impfen lassen, sagt Klaus Lorenzen, Allgemeinarzt in Langebrück. Medizinisch spreche nichts dagegen. Ein zeitlicher Abstand sei nicht nötig. Gerade in der Reisemedizin sei es üblich, dass Vakzine gegen Gelbfieber, die Japanische Enzephalitis, Typhus, Cholera oder Hepatitis oft an einem Tag verabreicht werden. Nur der Oberarmmuskel sollte das mitmachen, weshalb es sich empfiehlt, die Impfungen auf beide Arme zu verteilen, so Lorenzen.

Wie hoch ist die Nachfrage nach einer Grippeschutzimpfung?

Klaus Lorenzen impft in seiner Praxis seit der zweiten Septemberhälfte gegen die Grippe. Er selbst sei einer der ersten gewesen, der sich hat schützen lassen. "Als gutes Beispiel sozusagen." Über eine mangelnde Nachfrage nach der Schutzimpfung könne er sich nicht beschweren. Er bietet sogar an drei Samstagen im Oktober Sondersprechzeiten an, zu denen ausschließlich gegen Grippe geimpft wird. Zu den ersten beiden Terminen kamen insgesamt etwa 110 Patienten. Ein Impfstoffmangel sei aktuell nicht in Sicht. "Ich habe aber auch genügend Dosen bestellt."

Wie wird die Influenza übertragen?

"Influenza ist sehr ansteckend. Beim Niesen, Husten oder Sprechen gelangen kleinste, virushaltige Tröpfchen des Nasen-Rachen-Sekrets von Erkrankten in die Luft und können von anderen Menschen in der Nähe eingeatmet werden", so das Dresdner Gesundheitsamt. Auch über die Hände würden die Viren weitergereicht, wenn diese mit virushaltigen Sekreten in Kontakt gekommen sind. Werden anschließend Mund, Nase oder Augen berührt, können die Viren über die Schleimhäute in den Körper eindringen.

Wer gehört zu den Risikogruppen?

Laut Gesundheitsamt seien insbesondere ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen des Herzens, der Lunge, des Stoffwechsels, des Immunsystems und des Nervensystems gefährdet. Auch Fettleibige, Schwangere - vor allem im fortgeschrittenen Stadium - sowie Rauchen gehörten zu den Risikogruppen für schwere Grippeverläufe.

Wie lassen sich Influenza, Erkältung und Corona unterscheiden?

Die Symptome der Influenza lassen sich gut von denen einer Erkältung unterscheiden, die Symptomatik von Influenza und Covid-19 ähnele sich dagegen stark, so das Gesundheitsamt.

Influenza zeichnet sich über eine Infektion der unteren Atemwege aus. Bronchitis und Lungenentzündung sind möglich. Darüber hinaus gehört hohes Fieber zu den häufigsten Symptomen. Oft beginnt eine Influenza sehr plötzlich mit einem starken Abgeschlagenheitsgefühl, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Fieber. "Es handelt sich um eine ernsthafte, mitunter auch eine lebensbedrohliche Erkrankung", so das Gesundheitsamt weiter.

Erkältungen würden dagegen von anderen Erregern verursacht. Der Verlauf sei milder, oftmals ohne Fieber und allgemeinem Schwächegefühl. Die Symptome treten weniger plötzlich auf als bei der echten Grippe. Niesen und eine laufende oder verstopfte Nase seien typisch. Der grippale Infekt erfordere keine Einweisung ins Krankenhaus. Gegen eine Erkältung kann nicht geimpft werden.

Fieber und andere Symptome treten bei Covid-19 weniger plötzlich auf als bei Influenza, können aber auch zu den Krankheitszeichen gehören, genauso wie allgemeine Schwäche. Niesen und eine laufende Nase seien seltener als bei einer Erkältung. Typisch für eine Corona-Infektion sei dagegen ein Geruchs- und Geschmacksverlust.

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