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Gefährliche Nilgänse in Dresdens Großem Garten

Die invasive Tierart breitet sich in Dresden aus und kann für heimische Vögel zur Bedrohung werden.

Nilgänse sind im Großen Garten unterwegs.
Nilgänse sind im Großen Garten unterwegs. © SZ/Julia Vollmer

Dresden. Enten und Schwäne gehören zum tierischen Bild des Großen Gartens. Doch immer öfter sehen die Dresdner dort auch Nilgänse. Diese Tierart allerdings kann für die anderen gefährlich werden.

Nilgänse würden gegenüber anderen Vögeln ein ausgesprochen aggressives Verhalten zeigen, das besonders zur Brutzeit stark ausgeprägt ist, so das Umweltamt. "Sie können Brutplätze anderer Wasservögel besetzen, den Nachwuchs anderer Enten und Gänse töten, oder Nachbarn am Gewässer bei der Nahrungssuche behindern", beschreiben die Experten aus dem Amt die Gefahren. Selbst die Nester größerer Greifvögel seien schon von Nilgänsen besetzt worden.

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Man könne die Tiere in Dresden praktisch überall beobachten, insbesondere in Gewässernähe, also auch an der Elbe.

Seit 2010 brüten die Nilgänse in der Stadt, gegenwärtig schätzt diese den Bestand auf etwa 15 bis 20 Brutpaare. Der Große Garten sei reich an Gewässern und daher auch bei den Nilgänsen beliebt. Da es sich um eine mobile Tierart handelt, könne aber für den Park keine konkrete Zahlen an dort lebenden Vögeln genannt werden.

Das Umweltamt sagt klar: Dass sich in der Landeshauptstadt die Nilgänse angesiedelt haben, hat Auswirkungen auf die Bestände anderer betroffener Arten. Für Dresden liegen dazu aber keine Untersuchungen vor. Wie überall in Sachsen, ist aber auch hier die Anzahl der Nilgänse gestiegen. 2018 sprach die Stadt von mindestens zehn Brutpaare. Zum Vergleich: Die erste Brut einer Nilgans in Dresden wurde 2010 bekannt, 2013 waren es dann schon sieben Brutpaare.

Die Tiere zählen zu den „Zooflüchtlingen“. Also Tiere, die aus Zoos oder Wildgehegen ausgebrochen oder freigesetzt worden sind und sich nun hier ausbreiten. Entdeckt wurden sie 2018 etwa auf den Elbwiesen in Pillnitz und Hosterwitz.

Der Bestand von rund 15 000 Brutpaaren in Deutschland habe sich komplett aus den „Zooflüchtlingen“ aufgebaut. Ursprünglich stammen sie aus Afrika. Es sei damit zu rechnen, dass die Population weiter wächst, so das Umweltamt schon vor drei Jahren, da sich Nilgänse aufgrund ihres aggressiven und dominanten Verhaltens sehr schnell ausbreiten und gegen andere Tiere durchsetzen würden. Außerdem seien sie sehr anpassungsfähig und brüten sowohl in Nestern als auch am Boden oder in Höhlen.

Auch der Naturschutzbund Nabu sagt, dass die Ankunft von neuen Arten nicht immer unproblematisch ist, da sie dem über lange Zeit austarierten Gleichgewicht in der heimischen Natur erheblichen Schaden zufügen können und zum Aussterben regionaler und lokaler Arten führen können. Da die Jagd auf Nilgänse in derzeit neun Bundesländern erlaubt ist, müsse man, so der Nabu, davon ausgehen, dass jährlich etwa fünfzehn- bis zwanzigtausend Nilgänse in Deutschland geschossen werden. Dass sich die Nilgans weiter verbreitet, verhindere dieser Jagddruck jedoch nicht. Denn die reguläre Jagd habe bei sich dynamisch ausbreitenden Arten kaum einen Effekt auf die weitere Bestandsentwicklung.

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