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Dresdner Frauenhaus muss Betroffene abweisen

Die Fälle von Gewalt in Partnerschaften steigen, auch pandemiebedingt. Doch auf Hilfe warten in Dresden einige vergeblich.

Nicht jede Frau, die in Dresden im vergangenen Jahr Zuflucht in einem Frauenhaus suchte, konnte aufgenommen werden.
Nicht jede Frau, die in Dresden im vergangenen Jahr Zuflucht in einem Frauenhaus suchte, konnte aufgenommen werden. © Symbolbild: Sophia Kembowski/dpa

Dresden. Schläge ins Gesicht, Tritte in den Bauch: Gewalt in der Beziehung erleben immer mehr Dresdner, vor allem Frauen. Die Zahl steigen laut Polizei. Für das Jahr 2020 zählte die Dresdner Polizei 1.533 Fälle, erklärt Sprecher Stefan Grohme. Wieder ein Anstieg: 2019 mussten 1.227 Fälle von häuslicher Gewalt aufgenommen werden, 2018 waren es 1.105 Fälle. Zahlen für 2021 liegen noch nicht vor.

Wie viele Frauen und Männer haben sich an die Beratungsstellen gewandt?

Im Jahr 2020 hat die Dresdner Koordinierungs- und Interventionsstelle insgesamt 909 Personen unterstützt, davon 862 Frauen, die von häuslicher Gewalt und Stalking betroffen waren, antwortet Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf eine Anfrage von Linken-Stadträtin Pia Barkow. Von Januar bis April 2021 wurden 355 Frauen und 18 Männer von der Dresdner Koordinierungs- und Interventionsstelle begleitet und beraten.

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Auch Anne Dschietzig, Mitarbeiterin im Frauengesundheitszentrum Medea in der Neustadt blickt mit Sorge auf die Folgen des Lockdowns. "Es gibt eine steigende Rate häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder. Die Möglichkeiten, Gewaltsituationen im häuslichen Umfeld zu entgehen, werden durch die coronabedingten Einschränkungen zusätzlich begrenzt", sagt sie.

Auch Hilfetelefone könnten schlechter in Anspruch genommen werden, da die gewalttätigen Partner die Wohnung deutlich seltener verlassen und die betroffenen Frauen deshalb schwieriger unbemerkt Kontakt nach außen aufnehmen können.

In dieser Lage könne und dürfe die Hoffnung nicht sein, zum "Normalzustand" zurückzukehren. "Frauen ist nur dann langfristig geholfen, wenn sowohl ihr Schutz als auch ihre generelle Gleichstellung in Gesundheit und allen anderen Lebensbereichen zur klaren und selbstverständlichen Agenda der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger werden", betont Dschietzig.

Wie viele Frauen suchten seit Ausbruch der Pandemie Schutz im Frauenschutzhaus?

Die Zahl der Menschen, die so schlimme Erfahrungen mit Gewalt in der Partnerschaft machen, dass sie nicht mehr in der eigenen Wohnung wohnen können und in Schutzwohnungen flüchten, ist ungebrochen hoch. So natürlich auch während der kräftezehrenden Pandemie. Im Zeitraum vom März 2020 bis Dezember 2020 wurden 53 Frauen in das Frauenschutzhaus oder die Frauenschutzwohnung Dresden aufgenommen. In diesem Jahr wurden bis Ende April 21 Frauen aufgenommen. Von März 2020 bis zum 11. Mai wurden sieben Männer in die Männerschutzwohnung in Dresden aufgenommen.

Wie viele Schutzsuchende mussten aufgrund mangelnder Platzkapazitäten abgewiesen werden?

Es gibt nicht genügend Wohnungen für Betroffene von häuslicher Gewalt. Das muss Hilbert einräumen. Im Zeitraum vom März bis Dezember 2020 wurden 47 Frauen, davon 24 Dresdnerinnen, wegen Überfüllung abgewiesen. Im Zeitraum vom Januar bis April 2021 wurden zwei Frauen, darunter keine Dresdnerin, wegen Überfüllung abgewiesen. Abweisungen von Männern, die in der Männerschutzwohnung Zuflucht suchten, wurden nicht statistisch erfasst.

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