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Das ist Dresdens neuer Ballsaal

Auf einem ehemaligen Fabrikgelände wurde jetzt ein alter Ballsaal eröffnet. Er soll das neue Zentralwerk in Dresden bekannter machen.

Der Ballsaal im Zentralwerk wurde renoviert und soll nun für Veranstaltungen genutzt werden. Auch auf der umlaufenden Empore haben Zuschauer Platz.
Der Ballsaal im Zentralwerk wurde renoviert und soll nun für Veranstaltungen genutzt werden. Auch auf der umlaufenden Empore haben Zuschauer Platz. © René Meinig

Dresden. Knapp 80 Jahre nach seiner ersten Eröffnung wird im Ballsaal des Zentralwerks wieder gefeiert. Mit ihm bekommt Dresden einen neuen Kultur- und Veranstaltungsort, der aufgrund seiner Lage - direkt an den Bahngleisen in der Riesaer Straße in Pieschen - wohl vielen Dresdnern noch unbekannt sein dürfte. Das soll sich aber ändern. Musikkonzerte, Kunstausstellungen, Performances - Ideen, den Saal zu bespielen, gibt es viele. Und einige wurden sogar schon umgesetzt. Denn eigentlich herrscht im Ballsaal schon längere Zeit wieder kreatives Leben.

Das Zentralwerk ist ein Gebäudekomplex auf der Riesaer Straße 32, der von der Zentralwerk Kultur- und Wohngenossenschaft Dresden eG saniert und betrieben wird. Die Genossenschaft hat ein Erbbaurecht für 99 Jahre mit der Stiftung Trias, der das Gelände samt Gebäuden gehört. Inzwischen leben und arbeiten hier rund 200 Menschen, es gibt Ateliers, Probenräume und andere Produktionsstätten.

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2019 trafen sich im großen Ballsaal, der behutsam saniert wurde, rund 400 Künstler. Es war die erste große Veranstaltung in dem Saal, der 1942 unter den Nationalsozialisten eröffnet wurde. Von außen sind das Hauptgebäude und der Ballsaal, zwischen denen sich der grüne Innenhof erstreckt, eher unscheinbar, die Fassaden noch unsaniert. Auch im Inneren wurde nicht viel verändert, an der Decke blättert die Farbe ab, der Parkettfußboden ist nur dort erneuert, wo es unbedingt nötig war.

Zuletzt fehlte es auch am Geld, weil auf dem Gelände belastetes Material gefunden wurde, das teuer entsorgt werden musste. Allein die Lüftungsanlage, die eingebaut wurde, damit der Saal als Veranstaltungsort genehmigt werden konnte, kostete 40.000 Euro. Die Summe wurde unter anderem über eine Crowdfunding-Aktion gesammelt.

Die Geschichte des Areals ist bis heute in den Gebäuden spürbar, sie haben ihren Industriecharakter auch nach der Sanierung bewahrt. Anfang der 1920er-Jahre wurde die erste Produktionshalle gebaut, bis zu seiner Stilllegung 1932 entstanden im Werk Nähmaschinen und Großschreibmaschinen. Sieben Jahre später nutzte die Rüstungsindustrie den Standort, es wurden hauptsächlich Flakzünder, aber auch Zünder für Wasserbomben und Aufschlagzünder für Brandschrapnells hergestellt.

Die Dresdner Zeiss Ikon Werke, die das Werk damals betrieben, waren während des Zweiten Weltkriegs mit insgesamt rund 6.000 Mitarbeitern größter Hersteller von Rüstungsgütern in der Stadt. Im Laufe des Krieges wurden zunehmend Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge beschäftigt, darunter auch das jüdische Mädchen Henny Brenner, die 1924 als Henny Wolf in Dresden geboren wurde und im vergangenen Jahr verstarb. Nach ihr soll der neue, alte Baalsaal, den sie wahrscheinlich nie von innen gesehen hat, nun benannt werden.

Nach 1945 wurden die Produktionsgebäude von der Druckerei Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft genutzt, hier entstand etwa die Kinderzeitschrift Frösi. Auch im Ballsaal wurde weitergefeiert: Der Karl-Herrmann-Saal war eine der wenigen und wohl die wichtigste Kulturstätte im Dresden der DDR-Zeit. Seit 1996 stand das Areal leer und blieb ungenutzt - nun entwickelt sich das Zentralwerk zu einer Kulturfabrik. Sie soll auch zur Begegnungsstätte für die Dresdner werden - mit dem Ballsaal ist auf dem Weg dahin ein wichtiger Schritt gemacht. Die Stadt unterstützt das Projekt jährlich mit 22.000 Euro.

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