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Kriegsschiff in Dresden wird gehoben

Nach der Havarie am Dienstag, als Öl in den Hafen austrat, steht fest, wie es mit dem Minensuchboot Atlantis weitergehen soll. Dieses beschäftigt auch die Polizei.

Das Minensuchboot Atlantis ist gesunken und es ist Öl ausgelaufen. Das Wrack soll gehoben werden.
Das Minensuchboot Atlantis ist gesunken und es ist Öl ausgelaufen. Das Wrack soll gehoben werden. © Archiv/Roland Halkasch

Dresden. 21 Jahre lang ist nichts passiert. Rettungsversuche für das Minensuchboot Atlantis, das im Alberthafen liegt, gab es mehrfach. Doch mit dem Schiff ging es unterdessen weiter bergab. Nun der Höhepunkt: Es ist gesunken und Öl in das Hafenwasser gelaufen. Alarm für Feuerwehr und Technisches Hilfswerk, auch die Polizei beschäftigt das ehemalige Kriegsschiff.

Der jämmerliche Zustand des Minensuchboots Atlantis im Alberthafen wird den Dresdnern allerdings vorerst erhalten bleiben. Das haben die Hafen-Verantwortlichen gemeinsam mit dem sogenannten Havariekommissar entschieden, der im Auftrag des Eigners über das ehemalige Kriegsschiff wacht.

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Nachdem es Ende 2020 gesunken war und am Dienstag Öl aus dem Schiff ins Elbwasser geraten ist, müssen die Verantwortlichen abwarten. Gehoben werden kann die Atlantis erst, wenn der Wasserstand bis auf die Deckslinie abgesunken ist, erklärt Hafensprecherin Mandy Hofmann. Im Augenblick passiert genau das Gegenteil: Der Elbepegel steigt.

Käufer sollte das Schiff verschrotten

Die Kosten für diese technisch aufwändige Aufgabe muss der Schiffseigner übernehmen, so Hofmann. Zu ihm hat der Hafen nur über das Havariekommissariat Kontakt. Wer das ist und wem die Atlantis derzeit gehört, sagt Hofmann nicht. Letzter bekannter Besitzer der Atlantis war das Militärhistorische Museum.

Im April 2000 hat das ausrangierte Kriegsschiff nach einer mehrtägigen Schlepp- und Schiebeaktion auf der Elbe im Alberthafen festgemacht. Es gehörte dem Militärhistorischen Museum, ehemalige Mannschaftsmitglieder und Schiffsfans kümmerten sich um die Atlantis. Sie reparierten es zum Teil, besorgten Ersatzteile, verpassten dem Rumpf einen neuen Farbanstrich.

Doch letztlich entschied sich die Museumsleitung, das Schiff zu verkaufen. Die VEBEG, eine Treuhandgesellschaft zur Verwertung von Eigentum des Bundes und anderer öffentlicher Auftraggeber, bekam den Verkaufsauftrag. Ende November 2017 kam die Atlantis schließlich unter den Hammer. Käufer sollte laut der Ausschreibung ein "leistungsfähiges Abwrackunternehmen" oder ein Schrotthandel werden und der Käufer sollte die Auflage bekommen, das Schiff tatsächlich zu verschrotten.

Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Eigentümer

Verkauft wurde es, verschrottet nicht. Die Atlantis sei seit 2018 nicht mehr im Museumsbestand, teilte MHM-Sprecherin Ann-Kathrin Nicolai mit. Das Museum habe deshalb aktuell weder Handlungsoptionen, noch könne es Auskunft über die geplante Verwendung des ausgemusterten Schiffs geben.

Der Hafen ist dennoch mit dem Museum und auch mit der VEBEG in Kontakt, berichtet Sprecherin Mandy Hofmann. Das galt auch schon für die Zeit vor den zwei Havarien im Dezember und Anfang Februar.

Auch die Wasserschutzpolizei, deren Dienststelle sich ebenfalls im Alberthafen befindet, hat sich inzwischen mehrfach mit dem Minensuchboot beschäftigt. Sie konnte es schon deshalb nicht übersehen, weil es im Hafen fast in Rufweite der Polizeidienststelle liegt.

Nachdem es vor knapp zwei Monaten gesunken ist, leiteten die Beamten ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Eigentümer ein. "Der Verdacht war, dass kein Aufsichtspflichtiger seitens des Eigentümers benannt wurde", erklärte die Pressestelle der Bereitschaftspolizei in Leipzig, zu der die Wasserschutzpolizei gehört.

Das Verfahren sei dann an die Bußgeldbehörde der Landesdirektion Sachsen übergeben worden. "Aktuell wurde ein Strafverfahren wegen des Verdachtes der Gewässerverunreinigung gegen den Eigentümer des Schiffes eingeleitet und befindet sich in Bearbeitung", heißt es weiter. Außerdem wird unter anderem geprüft, ob "Verstöße gegen abfallrechtliche Vorschriften" vorliegen.

Im Klartext: Die Ermittler haben den Verdacht, dass der Eigentümer gegen die Verschrottungs-Anordnung vom November 2018 verstoßen haben könnte.

Unterdessen liegt die Atlantis auf vorerst unbestimmte Zeit weiter im Alberthafen - in erbärmlichem Zustand. Einst ein voll einsatztaugliches Kriegsschiff, dann ein Museumsstück für das einzige deutsche Militärmuseum und heute nur noch ein Wrack.

Rückblick: Öl aus Schiffswrack läuft in Alberthafen

Als am Dienstag Öl auslief, mussten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk zum Alberthafen ausrücken. Die Spezialisten errichteten auf dem Wasser eine Ölsperre. Dabei handelt es sich um eine schwimmende, schlauchförmige Barriere, die das auf dem Wasser treibende Öl daran hindert, sich weiter auszubreiten.

Eine schwimmende Sperre soll verhindern, dass sich das Öl weiter verbreiten kann.
Eine schwimmende Sperre soll verhindern, dass sich das Öl weiter verbreiten kann. © Archiv/Roland Halkasch

Am späten Dienstagvormittag rückten die Helfer an und trugen zunächst die schwimmende Barriere zu dem Ponton, an dem das Boot im Dezember festgemacht worden war, um nach der Bergung nicht erneut unterzugehen. Geholfen hat das nicht, auf aktuellen Fotos ist zu erkennen, dass es wieder untergegangen ist.

Dann ließ die Feuerwehr ein Motorboot zu Wasser, das die Barriere in Position zog, bevor sie befestigt wurde. Nun muss noch das Öl abgesaugt werden.

Das Minensuchboot wurde 1967 gebaut und war bis 1995 im Einsatz. Derzeit gehört es einer Privatperson.

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