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Dresden: Hier baut Vonovia neu

Der Großvermieter zieht Bilanz aus dem Corona-Jahr. Wie groß die Probleme der Mieter sind und was in diesem Jahr geplant ist.

Großvermieter Vonovia schließt auf seinen Dresdner Grundstücken etliche Baulücken - wie zuletzt hier in Laubegast an der Salzburger Straße. Die ersten Mieter sind bereits eingezogen.
Großvermieter Vonovia schließt auf seinen Dresdner Grundstücken etliche Baulücken - wie zuletzt hier in Laubegast an der Salzburger Straße. Die ersten Mieter sind bereits eingezogen. © Marion Doering

Dresden. Mit 38.500 Wohnungen ist das Bochumer Unternehmen Vonovia Dresdens größter Vermieter. Knapp 15 Prozent der Dresdner, insgesamt 80.000 Menschen, leben in einer Wohnung des Immobilienkonzerns. Damit ist Vonovia einer der wichtigsten Akteure auf dem Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt. Und will das auch bleiben.

Tatsächlich sind vor allem Geringverdiener auf das Angebot angewiesen: Der durchschnittliche Mietpreis einer Vonovia-Wohnung liegt mit 6,34 Euro unter der Dresdner Durchschnittsmiete von 6,76 Euro. An diesem Donnerstag zog Regionalbereichsleiterin Martina Pansa Bilanz aus dem vergangenen Jahr, das auch beim Thema Wohnen von Corona geprägt war, und gibt einen Ausblick, was in in diesem Jahr passieren soll.

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Martina Pansa ist als Regionalbereichsleiterin für die Dresdner Vonovia-Wohnungen zuständig. Eines der letzten Projekte: In der Hochschulstraße wurden rund 800 Wohnungen modernisiert.
Martina Pansa ist als Regionalbereichsleiterin für die Dresdner Vonovia-Wohnungen zuständig. Eines der letzten Projekte: In der Hochschulstraße wurden rund 800 Wohnungen modernisiert. © Vonovia SE/Frank Grätz

"Kein Mieter hat seine Wohnung verloren"

Die Corona-Krise macht sich auch auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar, allerdings nicht so stark wie befürchtet, sagt Vonovia-Sprecher Matthias Wulff. Deutschlandweit hätte es sich bei gut zwei Prozent der Anrufe beim Kundenservice um ein Problem mit der Mietzahlung gehandelt. "Für Mieterinnen und Mieter mit Schwierigkeiten bei Zahlungen für Miete oder Nebenkosten haben wir individuelle Lösungen gefunden", sagt Martina Pansa. So wurden in 79 Fällen Mieten in Höhe von insgesamt 376.000 Euro gestundet, zum Teil sei sogar auf die Mieteinnahme verzichtet worden.

Damit habe Vonovia in der Pandemie gezeigt, dass das Unternehmen ein zuverlässiger Partner ist. Kein Mieter hat wegen Corona seine Wohnung verloren, betont Martina Pansa. "Und das soll auch so bleiben."

Hart habe es indes die Gewerbetreibenden in Dresden getroffen - auch, wenn bisher niemand sein Geschäft aufgegeben hat. "Aber es war für viele unserer Gewerbekunden eng." Auch hier wurden große Mietrückstände akzeptiert und Stundungen vereinbart, erklärt die Regionalchefin. Wie sich die Lage weiterentwickelt, sei noch nicht abzuschätzen. Da Vonovia vor allem an Einzelhändler und Gastronomen vermietet, ist die Situation weiter herausfordernd, denn noch ist nicht absehbar, wann sie wieder in vollem Umfang öffnen dürfen.

Bauprojekte: 300 neue Wohnungen für Dresden

Im vergangenen Jahr hat Vonovia rund 87 Millionen Euro in die Modernisierung der Bestandshäuser, in neue Wohngebäude und für den Klimaschutz investiert. In diesem Jahr sollen es 104 Millionen Euro sein. Rund 39 Euro Millionen werden in weitere Modernisierungen, darunter von Gebäuden in Leuben, Prohlis und Gorbitz, fließen. Die Landeshauptstadt ist und bleibe ein zentrales Standbein für Vonovia, betont Pansa.

Alle derzeit geplanten Neubauprojekte umfassen insgesamt 300 neue Wohnungen für Dresden. Im vergangenen Jahr haben die Bauarbeiten an fünf Gebäuden an der Seidnitzer Straße begonnen. Bis Sommer 2022 entstehen dort insgesamt 132 Wohnungen. Außerdem arbeitet Vonovia künftig mit den Johannitern zusammen, die in dem Quartier ambulante Pflege anbieten und eine Niederlassung des Kinder- und Jugendtrauerzentrums "Lacrima" einrichten.

An der Freiberger Straße entstehen zudem Wohnungen für 27 Familien. Dort hatte sich der Baustart etwas verzögert, sagt Pansa. Fünf Projekte sind inzwischen fertig, unter anderem am Großen Garten, an der Reicker Straße in Prohlis und am Jägerpark in der Radeberger Vorstadt. Die Kaltmieten liegen bei diesen Wohnungen zwischen 9,19 Euro in Prohlis und 9,80 Euro an der Comeniusstraße. Mit zehn Euro kalt sind die zuletzt fertiggestellten acht Wohnungen an der Salzburger Straße in Laubegast zwar etwas teurer - im Vergleich zu anderen Neubauwohnungen liegt dieser Preis dennoch im unteren Bereich.

Zu weiteren Bauprojekten in Dresden hält sich Martina Pansa bedeckt. Es gebe zwar Gespräche mit dem Stadtplanungsamt, etwa zu einem Grundstück an der Dreikönigskirche in der Inneren Neustadt. "In diesem und im nächsten Jahr ist aber nichts geplant."

Am Neustädter Markt will Vonovia eigentlich 120 Wohnungen modernisieren. Die unsanierten Plattenbauten am Goldenen Reiter sollen zunächst innen erneuert werden - um die Gestaltung der Fassaden wird an dieser Stelle des Dresdner Stadtzentrums allerdings seit Jahren gerungen. So liege auf dem Areal ein Ensembleschutz, der berücksichtigt werden muss, sagt Martina Pansa. Immerhin: "Es gibt bereits Entwürfe und wir sind mit dem Stadtplanungsamt im Gespräch."

Bislang kein Thema bei den Stadtplanern sind die Pläne für das ehemalige Sternhäuser-Areal an der Dohnaer Straße gegenüber vom Kaufpark Nickern. Dafür wird zunächst ermittelt, welchen Bedarf an Wohnungen es dort gibt, dann müsse ein Bebauungsplan für das Gebiet aufgestellt werden, so Pansa.

Projekt für Wohnungslose

Mithilfe des Projektes "Housing first" ist es drei Dresdner Wohnungslosen gelungen, wieder eine eigene Wohnung anzumieten. Der Vermieter: Vonovia. Das Konzept des Projektes verfolgt einen neuen Ansatz, indem der Wohnungslose nicht wie üblich in einer städtischen Gemeinschaftsunterkunft untergebracht und dort mit Beratungsangeboten unterstützt wird, sondern direkt eine eigene Wohnung über das Sozialamt vermittelt bekommt.

"Zunächst schließen die Betroffenen einen eigenen Mietvertrag und werden dann im eigenen Zuhause über die Sozialarbeit mit verschiedenen Maßnahmen unterstützt", erklärt Martina Pansa. Damit soll vermieden werden, dass Wohnungslose lange Zeit in den Gemeinschaftsunterkünften leben und nur noch schwer auf dem Wohnungsmarkt eine neue Bleibe finden. Zwei weitere Dresdner sollen demnächst ihre Mietverträge unterschreiben, stellt Pansa in Aussicht.

Zudem wolle Vonovia weiterhin beim Thema soziales Wohnen ein verlässlicher Partner für die Landeshauptstadt bleiben. Mit der Stadt ist vereinbart, dass für rund 10.000 Wohnungen sogenannte Belegungsrechte bestehen. Das heißt, deren Mietpreis darf die Unterkunftskosten, die das Sozialamt für Bedürftige übernimmt, nicht überschreiten. Diese Regelung gilt bis 2026, kann dann aber von der Stadt um weitere zehn Jahre verlängert werden.

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Und der Bedarf wird steigen: Anfang März hat der Freistaat beschlossen, die Einkommensgrenze zu erhöhen. Bislang galt für Ein-Personen-Haushalte ein jährliches Nettoeinkommen von maximal 13.800 Euro, künftig steigt die Grenze auf 16.800 Euro. In Dresden können nun 27.500 Haushalte zusätzlich zu den bereits berechtigten 54.800 Haushalten einen Wohnberechtigungsschein WBS gMW beantragen.

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