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Immer mehr Corona-Fälle an Dresdner Schulen

Über 60 Einrichtungen sind aktuell betroffen. Noch in diesem Jahr will die Stadt mobile Luftfilter kaufen. Wo sie zum Einsatz kommen sollen.

Das Coronavirus breitet sich wieder stärker an Dresdens Schulen aus.
Das Coronavirus breitet sich wieder stärker an Dresdens Schulen aus. © dpa/Christian Charisius (Symbolfoto)

Dresden. Die Liste der Schulen wächst, an denen sich Schüler und Lehrer mit Corona infiziert haben. Eine Auswertung der Fallzahlen zeigt, dass sich derzeit besonders Grundschüler anstecken. Im SZ-Gespräch kündigt Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) nun an, dass der Infektionsschutz dort verbessert werden soll - noch in diesem Winter. Die Details.

Wie viele Schulen sind aktuell von Infektionen betroffen?

Das Gesundheitsamt verzeichnet seit Beginn dieser Woche einen stärkeren Anstieg bei den Corona-Fällen an Schulen. Mit Stand vom Mittwochmorgen sind 64 Schulen betroffen, was im Vergleich zum Dienstag einem Zuwachs von elf Einrichtungen entspricht. In Quarantäne befinden sich mindestens 137 Schüler beziehungsweise Lehrer, unter Beobachtung stehen mindestens 273 Personen.

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"Mindestens" deshalb, weil das Gesundheitsamt für 46 Schulen - also fast drei Viertel - noch keine näheren Angaben dazu gemacht hat, wie viele Kinder und Lehrer zu Hause bleiben müssen oder am Unterricht teilnehmen dürfen, aber einer strengeren Testpflicht unterliegen.

Warum fehlen Angaben zu so vielen Schulen?

"An erster Stelle steht die Bekanntmachung, dass ein Fall an einer Gemeinschaftseinrichtung aufgetreten ist", sagt Frank Bauer, Leiter des Gesundheitsamtes. Für diese Schulen wird der Status "in Ermittlung" angegeben. "Parallel beginnen die Kolleginnen und Kollegen zu ermitteln und setzen sich mit den Einrichtungsleitungen zur weiteren Kommunikation mit den Eltern in Verbindung. Es werden Quarantänen und Beobachtungen abgesprochen sowie Testungen organisiert."

Erst an dritter Stelle stehe die Information der breiten Öffentlichkeit durch Einpflegen der Beobachtungs- und Quarantänezahlen in das Online-Dashboard der Stadt, auf das sich auch die SZ in ihrer Berichterstattung stützt. "So kann es an der einen oder anderen Stelle im Einzelfall zu Verzögerungen kommen, je nach Komplexität der Fallermittlung."

Und wie viele Kinder und Lehrer sind nun infiziert?

Viele Kinder und Lehrer sind von Infektionen an ihrer Schule unmittelbar betroffen, indem sie unter Beobachtung oder Quarantäne stehen. Wie viele Schüler und Lehrer haben sich aber infiziert? Das lässt sich aus dem Dashboard nicht herauslesen. Frank Bauer erklärt, dass es Schulen gebe, an denen es nur eine einzige Person gibt, für die Quarantäne angeordnet wurde - den infizierten Schüler oder Lehrer. "Wenn wir dies darstellen, verstoßen wir gegen den Datenschutz, sodass wir seit der letzten Überarbeitung des Dashboards die betroffenen Personen, nicht aber den Indexfall mit abbilden." Indexfall meint die zuerst infizierte Person an dieser Einrichtung.

Mehr Licht ins Dunkel über die Zahl der infizierten Schüler in Dresden bringt das Robert-Koch-Institut, das die vom Gesundheitsamt gemeldeten Fälle nach Altersgruppen veröffentlicht. Demnach ist die Gruppe der Sechs- bis Elfjährigen aktuell am stärksten in Dresden von Infektionen betroffen. In der vergangenen Woche gab es hier 184 neue Fälle pro 100.000 Einwohner. Danach folgen die Zwölf- bis Siebzehnjährigen mit 101 Fällen pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Bei den über 60-Jährigen lag die Kalenderwochen-Inzidenz in der vergangenen Woche bei 40.

Wie viele Lehrer infiziert sind und damit keinen Dienst leisten können, ist unklar. Das zuständige Landesamt für Schule und Bildung konnte am Dienstag keine genauen Zahlen nennen.

Wer entscheidet über Beobachtung und Quarantäne?

Das Gesundheitsamt schätzt ein, wer einen so engen Kontakt zu einem Infizierten hatte, dass er zu Hause bleiben muss. In der Regel sind das die unmittelbaren Sitznachbarn. Dabei richtet sich das Gesundheitsamt nach einem Leitfaden des Sozialministeriums, wonach es das Ziel ist, nicht mehr die gesamte Klasse in Quarantäne zu schicken, wenn es einen Corona-Fall gegeben hat. Damit soll der Regelbetrieb aufrechterhalten werden, heißt es. Rechtsgrundlage dafür bildet wiederum das deutsche Infektionsschutzgesetz, dass sogenannte Beobachtungen bis zu einem vertretbaren Maß zulässt. Beobachtung heißt in diesem Fall, dass sich die Schüler einer betroffenen Klasse häufiger testen müssen. Außerdem müssen alle Schüler im festen Klassenverband unterrichtet werden, solange die Beobachtungsphase dauert. Das gilt auch für Lehrer.

Werden den Schülern noch Impfangebote unterbreitet?

Schüler, die zwölf Jahre und älter sind, dürfen sich gegen Corona impfen lassen - die jüngeren unter ihnen nur mit Zustimmung der Eltern. Bisher sind in Dresden 9.757 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis siebzehn Jahren erstmalig geimpft worden, 7.588 von ihnen haben bereits den vollständigen Impfschutz. Geimpft wird bei den niedergelassenen Ärzten, aber auch die Schulen haben bereits Impfangebote unterbreitet - mit unterschiedlichem Erfolg.

"Neben Testen und Lüften ist das Impfen eine wichtige Säule im Kampf gegen Corona", betont Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU). Doch die Impfung der Schüler laufe schleppend an. "Ich bin nicht zufrieden. Etwa 2.000 Schüler haben sich auf die Impfabfrage in der ersten Schulwoche zurückgemeldet", sagt er.

In Dresden gebe es nun 13 Impfstützpunkt-Schulen, dort könnten sich auch schulfremde Personen impfen lassen. Das Tschirnhaus-Gymnasium und das Marie-Curie-Gymnasium gehören zum Beispiel dazu. Dort wird am 15. Oktober zwischen 12 und 15 Uhr geimpft. Doch schon mit diesem Angebot rennen Schulverwaltung und Kultusministerium mitunter gegen Wände: "Die Rückmeldungen sind sehr verschieden, es gibt auch Eltern, die wollen partout keine Impfung für ihre Kinder und auch keine Informationen darüber", so Donhauser.

Gerne hätte der Bürgermeister in Dresden ein zentrales Impfangebot unterbreitet, etwa am Städtischen Klinikum. Aber dort werden nun doch nur Volljährige geimpft.

Wie kommt die Stadt bei den Luftfiltern voran?

Laut Donhauser sollen möglichst schon am 1. Dezember mobile Luftfilter für Schulen in Dresden angeschafft werden. "Wir sind in der Vorbereitung der Ausschreibung und wollen mindestens 50, vielleicht sogar mehr mobile Filter bestellen", sagt er. Diese sollen vor allem an Grundschulen eingesetzt werden und dort hauptsächlich in den schlecht belüfteten Speiseräumen.

Aktuell liege das Budget für diese Filter bei rund 200.000 Euro. Neben den mindestens 50 Stück für die Schulen sollen auch 13 Filter für Kitas gekauft werden. Am vergangenen Freitag wurden außerdem drei Filter verschiedener Fabrikate an der 144. Grundschule getestet. "Das Dresdner Institut für Luft- und Kältetechnik hat auf Lautstärke, Wirtschaftlichkeit und Wirkungsgrad geprüft", so Donhauser. Nun warte er auf Ergebnisse, bevor er sich für ein oder mehrere Fabrikate entscheidet.

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