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Neustädter Markt: Wie geht es jetzt weiter?

Der Neustädter Markt in Dresdensteht unter Schutz. Sachsens oberster Denkmalschützer erklärt, was das bedeutet - vor allem für die geplante Umgestaltung.

Landeskonservator Alf Furkert erklärt im SZ-Gespräch, warum die Einstufung des Neustädter Marktes als Denkmal auch Chancen für die Umgestaltung bietet.
Landeskonservator Alf Furkert erklärt im SZ-Gespräch, warum die Einstufung des Neustädter Marktes als Denkmal auch Chancen für die Umgestaltung bietet. © SZ/Kay Haufe

Dresden. Am 31. Mai hat das Landesamt für Denkmalpflege den Neustädter Markt in die Liste sächsischer Kulturdenkmale aufgenommen. Zum neuen Schutzgut gehören die gesamte Platz- und Straßenanlage mit den DDR-Plattenbauten, den Grünanlagen, Brunnen, Kleinarchitekturen, Denkmalen, dem Mobiliar wie den transportablen Sitzgelegenheiten und den Pflanzgefäßen. Ist damit überhaupt noch eine Umgestaltung des Areals möglich? Landeskonservator Alf Furkert erklärt im SZ-Gespräch, was in Zukunft noch möglich ist.

Herr Furkert, warum kommt der Denkmalschutz gerade jetzt, nachdem es einen Wettbewerb zur Umgestaltung des Neustädter Marktes gegeben hat?

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Vor allem Bauten der Moderne, und der Neustädter Markt ist der klassischen Ostmoderne zuzurechnen, haben oft ein Zugangs- und Akzeptanzproblem. Es ist eine Frage der Zeit, dass sie neu bewertet und in anderem Licht gesehen werden. Wir können an den Beispielen Kulturpalast oder Robotron-Kantine sehen, dass diese Gebäude eine neue Wertschätzung erfahren. Es hat nach der Wende ein Prozess der Annäherung und Neubewertung stattgefunden. In Sachsen gilt für die Unterschutzstellung eine Richtschnur von rund 30 Jahren. Die passt hier, das Ensemble Neustädter Markt wurde 1979 fertiggestellt.

Anlass für die Unterschutzstellung war jedoch konkret eine Anfrage der Landeshauptstadt aus dem Jahr 2020. Wir haben uns zur Entscheidung auch mit externen Sachverständigen abgestimmt, in anderen Bundesländern umgeschaut und sind zur Erkenntnis gekommen, dass der Neustädter Markt ein bedeutendes Ensemble der DDR-Architektur ist, das es zu schützen gilt.

Warum haben Sie die Straßenanlage von Köpcke- und Großer Meißner Straße in das schützenswerte Gebiet einbezogen? Für diese Straßen sollen mit einer Untersuchung neue Verkehrslösungen gefunden werden, um die trennende Wirkung aufzuheben. Ist das jetzt vom Tisch?

Wir haben uns bei der Unterschutzstellung an den Grenzen des Plangebietes von 1979 orientiert, diese umfassen auch die Straßen. Der Neustädter Markt ist nun als Sachgesamtheit geschützt. Das heißt, er ist als Ensemble zu erhalten. Denkmalschutz ist aber nicht mit einer Veränderungssperre gleichzusetzen. Es gibt doch eine Vielzahl umgenutzter Denkmale, die über die Jahrhunderte oder Jahrzehnte auch ihr Aussehen verändert und Transformationsprozesse durchlaufen haben. Vielmehr sitzen die Denkmalschützer jetzt mit am Tisch, wenn es Veränderungen geben soll.

Wir vom Landesamt sind der Meinung, dass es für die Große Meißner und Köpckestraße eine Lösung in Form einer großräumig veränderten Verkehrsführung und damit Entlastung der Trasse geben sollte. Ein Tunnel, der auch im Gespräch ist, erscheint schwierig. Wo sollen die großen Rampenbauwerke hin, die Ein- und Ausfahrten? Vor das Japanische Palais oder das Finanzministerium?

Aber genau das soll Gegenstand der Verkehrsuntersuchung sein, zu der wir dem Baubürgermeister bereits unsere Zustimmung gegeben haben. Dabei könnte auch noch einmal über eine dritte Marienbrücke nachgedacht werden.

Wenn Denkmalschutz nicht Veränderungssperre heißt: Ist der Durchbruch zur Rähnitzgasse in den westlichen Plattenbauten weiter denkbar, den die Stadt schon lange verfolgt, um das Barockviertel besser sichtbar zu machen?

Ich finde, dass auch ein größerer Durchbruch vorstellbar ist, wenn die oberen Geschosse erhalten werden. Damit bliebe die Fernwirkung des Ensembles erhalten. Dazu müssten uns aber konkrete Pläne vorgelegt werden, um das zu bewerten.

Die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden fordert jetzt, den Neustädter Markt wieder komplett so herzustellen, wie er 1979 aussah. Damit müssten unter anderem bereits sanierte Plattenbau-Fassaden wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Was halten Sie davon?

Das ist eine eher abwegige und unbegründete Forderung. Ich sage: Es ist so gut wie nie ein denkmalpflegerische Ansatz, ein Denkmal wieder auf den Urzustand zurückzuführen. Das ist kaum möglich, wenn wir beispielsweise an barocke Gebäude denken, die immer wieder aktuellen Wohnsituationen angepasst wurden oder an Kirchen, die weitergebaut wurden. Vielmehr ist die Gesamtwirkung von Denkmalen unter Berücksichtigung ihrer Substanz von Bedeutung. Deshalb ist auch der Rückbau der veränderten Fassaden kein Thema.

Das heißt, dass auch die Ergebnisse des Wettbewerbes zum Königsufer und zum Neustädter Markt durchaus umsetzbar wären?

Der Dresdner Stadtrat hat sich bereits differenziert zu den Wettbewerbsergebnissen positioniert. Eine Bebauung des Neustädter Marktes wurde ausgeschlossen, stattdessen soll es darum gehen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Durchlässigkeit zur Elbe hin zu erhöhen. Das bietet eine gute Grundlage für weitere Diskussionen zur Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses und hat durch die Denkmaleigenschaft wahrscheinlich eine höhere Wertigkeit erlangt.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Platz so zu gestalten, dass man sich darauf gern aufhält?

Aus Fördermitteln für die Denkmalpflege ist vom Freistaat Sachsen Geld für zur Sanierung des zweiten Brunnens von Friedrich Kracht bereitgestellt worden, damit er auch wieder sprudelt. Man könnte über Baumschnitt der Platanen nachdenken oder darüber, wie man den freien Platz gestaltet, der durch die Zuschüttung des Fußgängertunnels entstanden ist. Die Symmetrie war ja damals anders. Es muss nicht zwingend alles genauso bleiben, wie es derzeit auf dem Neustädter Markt ist. Immerhin sind schon vor einigen Jahren Maßnahmen zur Barrierefreiheit um den Goldenen Reiter umgesetzt worden.

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Dann könnte auch die nachgestaltete Turmhaube des ehemaligen Neustädter Rathauses auf dem Platz aufgestellt werden, die die Gesellschaft Historischer Neumarkt als Infopavillon nutzen will?

Eine temporäre Nutzung des Stadtraumes ist vielfältig denkbar, hängt jedoch nicht nur von einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung ab.

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