merken
PLUS Dresden

Corona: Was Dresdens Jugend sich wünscht

Die Aktion "Gelbe Zettel" lässt Kinder und Jugendliche gegenüber der Politik zu Wort kommen - mit klarer Kante und langem Atem.

Antje Skupin und Lukas Jänichen von der mobilen Jugendarbeit "Mole" in Leuben öffnen im übertragenen Sinn ein Fenster zur Welt junger Leute in Dresden.
Antje Skupin und Lukas Jänichen von der mobilen Jugendarbeit "Mole" in Leuben öffnen im übertragenen Sinn ein Fenster zur Welt junger Leute in Dresden. © Sven Ellger

Dresden. Antje und Lukas beobachten es jeden Tag: Leute bleiben vorm Schaufenster stehen, angelockt von den vielen gelben Zetteln, die hinter Glas angepinnt sind. Das Fenster gehört zum Treff des Vereins Mobile Jugendarbeit Leuben. Was die Vorbeikommenden neugierig werden lässt, sind Wünsche, die Kinder und Jugendliche aufgeschrieben haben - Dinge, die sie sich für ihr Leben erhoffen.

Ein Lächeln huscht über die Gesichter der Passanten oder sie nicken nachdenklich. Manche schütteln den Kopf. Dass Teenager gern straffrei kiffen wollen, muss nicht jeder verstehen. Aber die Sehnsucht nach Freunden und unbeschwertem Zusammensein, das können wohl die meisten nachvollziehen.

Anzeige
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!

Mit einem Crowdfundingprojekt unterstützt die Volksbank Dresden-Bautzen eG gemeinnützige Projekte.

Die Pandemie und ihre Folgen hat vor jungen Menschen nicht Halt gemacht. Wie sehr sie davon betroffen sind, nimmt die Öffentlichkeit erst seit einigen Wochen stärker war. Begleitet von medialer Aufmerksamkeit, richten politische Entscheider endlich ihren Blick mehr auf Schüler, Azubis und Studenten, die monatelang sozial ausgeknockt sind.

Was passiert mit unseren Forderungen?

Diesen Fokus nutzen auch die Teams verschiedener Vereine und Initiativen der Kinder- und Jugendarbeit. Seit Jahren setzen sich viele von ihnen dafür ein, dass junge Dresdner mehr an politischen Entscheidungen beteiligt sind. Sie sollen ihre Stadt und die Gesellschaft aktiver mitprägen. Dafür müssen sie bereit sein, aber auch wahrgenommen werden.

Deshalb hat der Stadtjugendring als Dachverband von rund 40 Vereinen und Verbänden der Kinder- und Jugendarbeit die Aktion "Gelbe Zettel" gestartet. Junge Leute waren zunächst aufgerufen, bezogen auf die Pandemie Wünsche auf kleine gelbe Zettel zu schreiben und gut sichtbar im öffentlichen Raum zu platzieren.

"Die erste Frage, die uns die Kids stellen, ist die, was denn mit ihren Forderungen passieren wird", sagt Sören Bär, erster Vorsitzender des Stadtjugendrings e. V. Jugendbeteiligung sei schon länger ein viel besprochenes Thema. "Paragraf 47a der sächsischen Gemeindeordnung empfiehlt die Teilhabe junger Menschen an allen wichtigen Entscheidungen der Stadtverwaltung", so der Sozialarbeiter.

Das wünschen sich die Jugendlichen.
Das wünschen sich die Jugendlichen. © Sven Ellger

Die Frage sei nur, wie das praktisch funktioniere. Kinder an die Macht, aber wie? Per Kinder-Stadtratsfraktion? So einfach ist es nicht. Trotzdem haben Kinder und Jugendliche bereits an einigen Stellen ihre Stadt mitgestaltet. "Gut klappt das inzwischen, wenn Spielplätze entstehen", sagt Sören Bär.

Während der Lockdowns jedoch war es beinah unmöglich, die Jugend zu Wort kommen zu lassen. Einen Anfang haben die gelben Zettel gemacht. Nun geht das Projekt in die nächste Phase über. In der Zeit zwischen dem Kindertag am 1. Juni und dem 5. Juni, dem Tag der Umwelt, sind sie aufgerufen, sich intensiv mit den bisherigen Forderungen zu befassen und in ihren Einrichtungen und Jugendgruppen zu diskutieren.

Über die drei wichtigsten, schon benannten Fragen, Wünsche, Erwartungen soll sich jeder persönlich klar werden oder auch neue Themen benennen. Als konkrete Frage oder Aufforderung an Politiker formuliert, nehmen die Initiatoren sie dann bis spätestens zum 7. Juni per Mail an [email protected] entgegen.

Das Wichtigste zum Thema Corona:

Fokus auf U18- und Bundestagswahl

Der Stadtjugendring leitet die Einsendungen direkt an die zuständigen Politiker und Politikerinnen weiter - mit der Bitte um Antwort. Ziel ist es, aus all den Forderungen die zehn häufigsten Themen herauszufiltern und anlässlich der U18-Wahl im September über die Dringlichkeit der einzelnen Punkte abzustimmen.

"Ab der Woche vor der Bundestagswahl wollen wir dann offensiv damit an die Öffentlichkeit gehen und uns für die Umsetzung einsetzen", sagt Sören Bär. "Allerdings gern mit den jungen Leuten zusammen." Denn das zeige die Erfahrung: Richtig anstrengend wird es erst, wenn es wirklich daran geht, Wünsche umzusetzen. Dafür brauche es in politischen Prozessen langen Atem - auch den der Jugend.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden