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Fahrradgaragen made in Dresden: So stehen Räder sicher und trocken

Vor zweieinhalb Jahren hatten Anja Klett und Liv Nilsson eine Idee, die sie Velodepo nennen. Jetzt stellen sie ihre Miniparkhäuser auf der Dresdner Messe Karrierestart vor.

Von Nadja Laske
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Liv Nilsson und Anja Klett (v.l.) testen unter anderem auf dem Gelände der Dresdner Verkehrsbetriebe eine ihrer Fahrrad-Garagen. Bald sollen sie zum Stadtbild gehören.
Liv Nilsson und Anja Klett (v.l.) testen unter anderem auf dem Gelände der Dresdner Verkehrsbetriebe eine ihrer Fahrrad-Garagen. Bald sollen sie zum Stadtbild gehören. © Christian Juppe

Dresden. Wer in der kalten Jahreszeit schon auf einem nassen Fahrradsattel saß, weiß: Das ist widerlich. Er weiß aber auch: Das Fahrrad ist noch da. Nicht geklaut - was viel wert ist. Vor allem, wenn es sich um ein teures E-Bike handelt oder um ein Lastenrad. Laut einer Umfrage des Bundesverkehrsministeriums würden 13 Prozent der Deutschen häufiger mit dem Rad fahren, wenn sie es sicherer abstellen könnten. Der öffentliche Raum jedoch ist nun mal kein verlässlicher Ort für Fahrräder - und schon gar kein wettergeschützter.

Zahlen rund um die Nutzung von Fahrrädern haben Anja Klett und Liv Nilsson jederzeit parat. Sie sind wichtig für ihr Gründerprojekt, mit dem sie dafür sorgen, dass Räder künftig sicher und trocken parken - und das mitten in der Stadt, vor Hochschulen, Universitäten und Firmen oder in Wohnvierteln.

Anja Klett lebt als Architektin in Dresden, Liv Nilsson stammt von da und wohnt nun in Berlin. Beide sind Radfahrerinnen mit ihren eigenen Erfahrungen, die in den meisten Punkten allgemeingültig sind. Nachdem Liv ihren Beruf als Goldschmiedin aufgegeben und bei einem Hersteller für Kleingaragen gearbeitet hatte, kam sie zusammen mit ihrer Freundin Anja während einer Wanderung auf die Idee, die sie später "Velodepo" tauften.

Dahinter verbirgt sich das Konzept variabel zu stationierender, flexibel konfigurierbarer, attraktiv gestalteter und umweltfreundlicher Garagenmodule für Fahrräder, E-Bikes und Lastenräder. Sie sollen besonders langlebig und deshalb aus Metall und nicht aus Holz sein, ein begrüntes Dach haben, auf einen normalen PKW-Stellplatz passen und in Basic- bis Luxusausstattung zu haben sein.

Basic heißt vier stabile Wände, Tür mit Schloss. Luxus bedeutet Licht, Ladestation, buchbar über eine App, sprich versehen mit einem ganzen digitalen Verwaltungssystem. Zwischen 1.700 und 3.200 Euro wird ein Stellplatz in einer solchen Garage kosten. Erste gedankliche Skizzen machten sich die beiden Frauen vor zweieinhalb Jahren. Blicken sie heute zurück, schauen sie auch auf eine Menge Schwierigkeiten und Rückschläge.

Schon zu Beginn ihrer Ambitionen hatte sie die Dresdner Stadtverwaltung wissen lassen, dass ein solches Angebot für ihren Teil nie und nimmer Verwendung finden würde. Von Businessplan, gesetzlichen Regelungen, Genehmigungen, Anträgen und Absicherungen ganz abgesehen, wurde es auf der Zielgeraden zum Problem, einen Hersteller für die Velodepos zu finden. Zweimal traten die gewonnenen Metallbaufirmen vom Auftrag zurück, und die Suche begann von vorn.

Beitrag zum städtischen Klimaschutz

Zu der Zeit hatten Anja Klett und Liv Nilsson bereits den eku-Innovativpreis Sachsen gewonnen, damit Türen bei vielfältigen Interessenten geöffnet und sich Fördermitteltöpfe erschlossen. Sie waren viel zu weit mit ihrem Produkt und der Gründung ihrer Firma, als dass ein Aufgeben infrage gekommen wäre.

"Jetzt stehen wir an der Schwelle zum Markteintritt", sagt Anja Klett. Ein Metallbauunternehmen im Erzgebirge ist nun ihr Partner und wird die Fahrradgaragen anfertigen. "Aufbaubar im Stil eines Ikea-Schrankes." Es wird sie in vielen verschiedenen Farben geben, mit einem speziellen Lack versehen, von dem sich Graffiti leicht entfernen lässt. Oder Kunden geben die Flächen ganz bewusst für Sprayer frei.

Ein begrüntes Dach haben alle Garagen. Das ist ein Beitrag zum Klimaschutz. "Auf diese Weise lassen sich versiegelte Flächen ausgleichen und Regenwasser zurückhalten", so Liv. Außerdem sollen die Velodepos ohne Verankerung an Ort und Stelle stehen. Ihr Gewicht reiche aus, damit ihnen auch Sturm nichts ausmache.

Dass das so funktioniert, haben die beiden Gründerinnen bereits geprobt. Die Dresdner Wohnungsgenossenschaft GWG und die Dresdner Verkehrsbetriebe boten die Möglichkeit, Test-Garagen auf ihrem Gelände aufzubauen. Nun nutzen sie vorübergehend Mieter und Mitarbeiter. "Im Frühjahr beginnen wir eine weitere Kooperation mit der Zentralbibliothek. Dann stellen wir eine Garage hinterm Kulturpalast auf", erzählt Liv Nilsson.

Dass sie mit ihrer Lösung richtig liegen, daran haben sie keine Zweifel. "Viele ältere Bewohner der GWG-Wohnungen freuen sich über die Möglichkeit, ihre Fahrräder auf diese Weise zu parken", sagt Anja Klett. Gerade Senioren fahren zunehmend E-Bikes. Die sind zu schwer und zu groß, um sie in den Keller zu schleppen, wo gewichtige Brandschutztüren die Sache häufig noch komplizierter machen. Außerdem gibt es bereits rund 200 Anfragen von Interessenten. Seit kurzem ist auf der Velodepo-Website ein Konfigurator geschaltet. Damit können die verschiedenen Möglichkeiten der Garagenaufteilung ausprobiert werden. Auch er hat regen Zuspruch.

Anja Klett und Liv Nilsson sind auf der Zielgeraden. Das ist auch bitter nötig. Erfinden und Gründen verbraucht viel Kraft, Energie und Geld. Doch sie sind zuversichtlich. Am Wochenende stellen sie ihr Produkt auf der Messe Karrierestart* vor. Danach sollte die Karriere starten.

*Transparenzhinweis: Die Messe Karrierestart wird von der Ortec-Messegesellschaft veranstaltet. Sie ist Teil der DDV-Mediengruppe, zu der auch Sächsische.de gehört.

Messe Karrierestart, 20. bis 22. Januar im Messegelände, Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag, 10 bis 17 Uhr, Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Eintritt zwischen 3,50 und 5 Euro. Weitere Informationen unter www.messe-karrierestart.de

www.velodepo.de