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"30.000 Euro büße ich monatlich ein"

Auch im zweiten Lockdown gilt ein Beherbergungsverbot. Für eine Betreiberin von Ferienwohnungen in Dresden ist der Verlust enorm. Eine Petition soll helfen.

Daniela Pohl darf ihre Dresdner Ferienwohnungen wie schon im ersten Lockdown auch jetzt nicht vermieten. Vom Staat bekommt sie keine finanzielle Unterstützung. Das will sie ändern.
Daniela Pohl darf ihre Dresdner Ferienwohnungen wie schon im ersten Lockdown auch jetzt nicht vermieten. Vom Staat bekommt sie keine finanzielle Unterstützung. Das will sie ändern. © Marion Doering

Dresden. Daniela Pohl vermietet in Dresden elf Ferienwohnungen. Wie schon im ersten Lockdown im Frühjahr kann sie in den Unterkünften derzeit aber niemanden unterbringen, es sei denn, der Gast ist geschäftlich in Dresden. Doch weder Theaterschauspieler noch andere Kulturschaffende oder Weihnachtsmarkthändler, die normalerweise zu ihren Gästen zählen, hätten derzeit einen Grund, in die sächsische Landeshauptstadt zu kommen. Das gesellschaftliche Leben ist auch im zweiten Lockdown völlig heruntergefahren. Wer schon bei Daniela Pohl gebucht hatte, musste nun stornieren, die Anzahlungen hat sie zurückgezahlt.

Die elf Wohnungen gehören Daniela Pohl nicht. Sie hat sie ganz normal angemietet, die monatlichen Ausgaben bezahlt sie weiter. Trotz angeordnetem Beherbergungsverbot gibt es in Sachsen für Betreiber von Ferienwohnungen keine Corona-Hilfen, die die fehlenden Einnahmen ausgleichen. Das kritisiert Daniela Pohl, denn der finanzielle Verlust sei enorm. "Ich habe das überschlagen: Etwa 30.000 Euro büße ich jetzt monatlich ein."

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Geld, das die 56-jährige Selbstständige auch für den Ruhestand zurücklegt, denn eine gesetzliche Rente bekomme sie nicht. Von den Rücklagen sei schon nach dem ersten Lockdown und dem damaligen Beherbergungsverbot nicht mehr viel übriggeblieben, nun droht die Altersvorsorge komplett zu platzen. "Ich lebe von diesem Geschäft, es stellt meine gesamte wirtschaftliche Existenz dar."

Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern

Mithilfe einer Online-Petition wollen Daniela Pohl und ihr Lebenspartner Peter Vogel nun auf die Situation in diesem Bereich der Vermietungsbranche, die von immer wechselnden Gästen lebt, aufmerksam machen. Sie fordern staatliche Hilfen für Betreiber von Ferienwohnungen. Zwar besitzen diese in der Regel einen Gewerbeschein, so wie auch Daniela Pohl. Die Vermietung und Verpachtung von Ferienwohnungen zählt aber nicht als gewerbliche Einnahme, kann also für Corona-Hilfen nicht geltend gemacht werden. Knackpunkt ist also die steuerliche Einordnung. Sobald sogenannte hoteltypische Zusatzleistungen vorliegen wie etwa eine Rezeption oder ein Frühstücksangebot, gilt das als Beherbergung. Ist das nicht der Fall, gilt es als Vermietung, erklärt Peter Vogel.

Dabei gibt es in Bezug auf das Überbrückungsgeld durchaus unterschiedliche Regelungen in Deutschland. So habe eine Petition in Schleswig-Holstein dazu geführt, dass private Vermieter von Ferienwohnungen und -häusern, die davon im Haupterwerb leben, nun zumindest in diesem Bundesland die Corona-Hilfen des Bundes in Anspruch nehmen können.

Das wollen Peter Vogel und Daniela Pohl auch für Sachsen erreichen. "Das ist doch bizarr: Ferienhausbesitzer im noblen Sylt werden unterstützt, während sie in Sachsen leer ausgehen." Rund 750 Unterstützer haben ihre Online-Petition mitgezeichnet, die jetzt dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages übergeben wurde. Dem soll nun eine weitere Petition an den Sächsischen Landtag folgen.

Ferienwohnungen in Dresden umstritten

Bei den elf Wohnungen von Daniela Pohl handelt es sich um möblierte Ein- bis Vierraumwohnungen, die sich vor allem in der Südvorstadt und im Stadtzentrum befinden. Dabei ist diese Art der Vermietung in der Landeshauptstadt derzeit nicht unumstritten. Die Kritik, dass die Nutzung von Dresdner Wohnungen als Urlaubsunterkünfte Folgen für den Wohnungsmarkt habe, kann Daniela Pohl nicht nachvollziehen. Eine neue Studie gibt ihr Recht.

Wie viele Wohnungen tatsächlich als Ferienwohnungen genutzt werden, wurde im Rahmen einer Studie ermittelt, die im Juni dieses Jahres vorgestellt wurde. Die Untersuchung des Wohnungsmarktes hat ergeben, dass rund 1.300 Wohnungen als Ferienwohnung genutzt und damit potenziell zweckentfremdet werden. Stadtweit gesehen sind das 0,4 Prozent, in der Altstadt ist der Anteil mit 3,6 Prozent allerdings deutlich höher.

Belege für nachteilige Folgen für den Dresdner Wohnungsmarkt fanden die Experten des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts Emperica aber nicht. Dennoch will die Stadt die Anzahl der so genutzten Wohnungen im Auge behalten. Sollte die Zahl weiter steigen, wird Dresden mit der Landesregierung über ein Zweckentfremdungsverbot sprechen, betonte Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) im Juni.

Daniela Pohl findet, dass dieses Angebot - nämlich voll möblierte Appartements mit einer richtigen Küche - für jede Stadt wichtig sei. Schon allein deshalb, weil sich viele Urlauber selbst versorgen und kochen wollen. In einem Hotel ist das nicht möglich. Außerdem gebe es mit Schauspielern, die längere Zeit in Dresden arbeiten, hier aber nicht dauerhaft wohnen wollen, aber auch Wissenschaftlern an den Hochschulen genug Gäste, die auf eine Ferienwohnung angewiesen sind, sagt Daniela Pohl. Deshalb will sie dieses Angebot auch weiterhin für Dresden aufrechterhalten. Das gehe aber nur, wenn sie jetzt finanzielle Unterstützung bekomme und die Vermietung der Ferienwohnungen im Januar wieder möglich sei.

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