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Kommentar zu Schäden im Dresdner Bellevue-Park: Die Stadt lässt sich vorführen

Der Zeltaufbau im denkmalgeschützten Park des Dresdner Bellevue beschert nicht nur dem Hotel einen großen Imageschaden, sondern zeigt auch, dass die städtischen Behörden keine Durchsetzungskraft haben. Ein Kommentar.

Von Kay Haufe
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Die Dresdner Stadtverwaltung hat sich vom Hotel Bellevue vorführen lassen, findet Sächsische.de-Reporterin Kay Haufe.
Die Dresdner Stadtverwaltung hat sich vom Hotel Bellevue vorführen lassen, findet Sächsische.de-Reporterin Kay Haufe. © René Meinig

Dresden. Nicht eine, sondern gleich zwei Ablehnungen hat der Direktor des Bellevue-Hotels ignoriert. Ganz klar haben die städtische Denkmalschutzbehörde und das Landesamt für Denkmalpflege ein Nein zum geplanten Zeltaufbau im denkmalgeschützten Park des Bellevues ausgesprochen. Der Brief mit dem Baustopp wurde am vergangenen Freitag sogar persönlich übergeben. Doch selbst dieses letzte Stoppschild haben die Hotelverantwortlichen nicht akzeptiert, sondern weiter aufbauen lassen.

Nun ist es ist eine Sache, dem Hoteldirektor Ignoranz und fehlende Weitsicht zu bescheinigen. Dass er sich an diesem Mittwoch für sein Vorgehen entschuldigt und den Park als "Juwel" bezeichnet, scheint nicht glaubhaft angesichts seiner Reaktionen in den vergangenen Tagen, als er schwere Baumaschinen in den Park schickte. Er hat dieses Statement erst unter dem Druck der Öffentlichkeit und nach einem weiteren Termin mit Landesdirektion und Stadt herausgegeben.

Bedauernswertes Eigentor allererster Güte

Die andere Sache ist das Agieren der Stadt in dieser Angelegenheit. Sie lässt sich vorführen und unterbindet den, wie sie selbst sagt "rechtswidrigen" Zeltaufbau nicht. Jeder Falschparker wird zeitnah abgeschleppt, aber gegen dieses ungenehmigte Errichten eines riesigen Zeltes, das öffentlichkeitswirksam mehrere Tage zu beobachten war, geht die Stadt nicht konsequent vor und versteckt sich hinter Formulierungen wie "man habe nur begrenzte Mittel". Und dann darf die Veranstaltung im Bellevue auch noch fortgesetzt werden.

Hier hätte es einen Paukenschlag an Reaktionen geben müssen, um zu demonstrieren, dass niemand in denkmalgeschützten Anlagen Dresdens machen kann, was er will. Denn genau dieser Eindruck ist jetzt entstanden. Allein ein Bußgeld ist nicht das Signal, dass auf diese Aktion folgen sollte.

Bedenklich ist in dieser Frage auch die Haltung der Landesdirektion, bei der das Hotel Widerspruch gegen die Ablehnung seines Vorhabens eingelegt hat. Statt angesichts des drängenden Problems schnell zu entscheiden und die Stadt zu unterstützen, muss man dort mehrere Tage prüfen. Der Eindruck, der damit bei der Bevölkerung geweckt wird, dass rechtswidriges Verhalten offenbar geduldet wird, ist fatal.

Am Ende hat nicht nur der Park extrem gelitten und muss mit großem Aufwand wieder hergerichtet werden. Auch dem Bellevue ist ein riesiger Imageschaden entstanden. Den denkmalgeschützten Park für eine einwöchige Veranstaltung zu opfern, war ein bedauernswertes Eigentor allererster Güte. Die Stadt muss sich nun ernsthaft Gedanken machen, wie sie solche Aktionen künftig konsequent und beispielgebend ahndet.