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Corona: "Die Kunden buchen, aber verhaltener"

Friseure und Kosmetiker in Dresden dürfen nur an Kunden arbeiten, die einen negativen Test vorlegen. Wie sich das aufs Geschäft mit der Schönheit auswirkt.

Bereit, der Haut Gutes zu tun: Franziska Gerber ist Chefin in Gerbers Kurbad und darf Kosmetikkunden nur behandeln, wenn sie sich auf das Coronavirus testen lassen. Das hat Folgen fürs Geschäft.
Bereit, der Haut Gutes zu tun: Franziska Gerber ist Chefin in Gerbers Kurbad und darf Kosmetikkunden nur behandeln, wenn sie sich auf das Coronavirus testen lassen. Das hat Folgen fürs Geschäft. © Sven Ellger

Dresden. Franziska Gerber muss erst einmal rechnen. Wann durfte sie in ihrem kleinen Gesundheitszentrum in Dresden-Laubegast wieder Kosmetiktermine anbieten? Zuletzt, nach dem zweiten Lockdown? Während die Physiotherapie in Gerbers Kurbad an der Leubener Straße immer geöffnet war, und Kunden auch zur medizinischen Fußpflege kommen durften, musste Franziska Gerber das gesamte Wellnessprogramm in den vergangenen zwölf Monaten schon zweimal von der Liste ihrer Angebote streichen.

Wer ohne Rezept eine Massage brauchte oder seiner Haut eine wohntuende Behandlung gönnen wollte, musste in Zeiten der harten Lockdowns mehrere Wochen darauf verzichten. Seit dem 8. März kann Franziska Gerber dafür zwar wieder Termine vergeben - doch das läuft längst nicht so gut, wie erhofft. Denn auch für Kosmetiksalons gilt: Wer eine Behandlung will, muss sich vorher auf das Coronavirus testen lassen.

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Welche Regeln gelten derzeit in den Salons?

Friseure und Kosmetiker dürfen nur am Kunden arbeiten, wenn sich die Salonbetreiber an ein strenges Hygienekonzept halten. Einige der Regeln galten bereits im vergangenen Jahr: Abstand halten - deshalb dürfen weniger Kunden gleichzeitig im Salon sein, Maskenpflicht für jeden, die Terminvergabe ist nur telefonisch oder online möglich. Die Kunden und Mitarbeiter müssen im Geschäft eine OP- oder FFP2-Maske tragen. Außerdem ist nun vorgeschrieben, dass sich die Salonbetreiber und alle Mitarbeiter regelmäßig auf das Coronavirus testen lassen.

Die Tests müssen zweimal wöchentlich erfolgen, die Kosten für die Selbsttests tragen die Salonbetreiber selbst. Oder die Mitarbeiter nehmen den kostenlosen Schnelltest in einem der Testzentren in Anspruch.

Für alle Kunden gilt: Ein Termin ist nur mit einem tagesaktuellen, negativen Testergebnis möglich. Der Test darf nicht älter als 24 Stunden sein. Vorgelegt werden muss der Nachweis auch für den Friseurbesuch und weitere körpernahen Dienstleistungen, sofern sie nicht medizinisch notwendig sind.

Buchen Kunden aufgrund der Regeln weniger Termine?

Bei Kosmetikerin Ina Branitz aus dem Kosmetikstudio Touch of Nature auf der Böhmischen Straße in der Neustadt ist der Start nach dem letzten harten Lockdown gut angelaufen. Doch die Testpflicht bremste den Kundenstrom zunächst, bis heute hat sie Auswirkungen auf das Geschäft. "Die Kunden buchen, aber etwas verhaltener als vorher", sagt sie. Eine deutlichere Verbesserung habe es gegeben, als seitens der Politik Anfang April klar gestellt wurde, dass sich die Dresdner mehrfach in der Woche kostenlos auf Corona testen lassen können.

"Als die meisten Kunden noch dachten, nur ein Test pro Woche sei kostenlos, gab es weniger Buchungen, da sich die Leute ja einteilen wollten, wofür sie sich testen lassen", sagt Ina Branitz. Inzwischen kämen wieder viele Stammkunden und buchen auch Folgetermine. Nur die spontanen Kunden seien aktuell weniger. "Und ich merke auch, dass die Dresdner weniger Kosmetikprodukte bei mir im Laden kaufen, denn auch dafür bräuchten sie einen Test", so Branitz. In den großen Drogerie-Märkten wie Rossmann oder DM dagegen können die Kunden weiter ohne Test einkaufen.

Auch Franziska Gerber erinnert sich an die ersten Öffnungstage im März. "Es gab noch keine kostenlosen Tests. Wer einen wollte, musste dafür fast soviel bezahlen, wie für die Kosmetikbehandlung." Klar, dass vielen Kunden das zu teuer war. Doch auch, als die ersten kostenlosen Bürgertest angeboten wurden, hielt sich die Nachfrage nach Terminen im Laubegaster Kurbad in Grenzen.

Das hatte einen guten Grund: Bislang ist dieser Teil des Dresdner Ostens auf der Überblickskarte zu den Dresdner Testzentren ein weißer Fleck. In Tolkewitz, Laubegast und Kleinzschachwitz gibt es keine Möglichkeit, sich per Schnelltest kostenlos einen Nachweis zu holen. Die nächstgelegenen Standorte sind die Igel-Apotheke in Leuben und dass XXL-Sportzentrum an der Breitscheidstraße.

Doch Besserung ist in Sicht. In der Laubegaster Werft in der Österreicher Straße 95 eröffnet das TKF-Testzentrum, Termine werden dort ab kommendem Montag vergeben. Im XXL ist der Schnelltest auch ohne Terminbuchung möglich.

Die erweiterten Testmöglichkeiten wirken sich mittlerweile langsam in den Salons aus. Noch sei das Kosmetikgeschäft zwar weit entfernt vom Vor-Corona-Niveau, sagt Franziska Gerber. Das liege auch daran, dass in der Weihnachtszeit, anders als üblich, kaum Geschenkgutscheine für Wellnessbehandlungen verkauft wurden. Aber die Kunden arrangieren sich zunehmend mit der Testpflicht - auch, weil viele die Schnelltests inzwischen ohnehin für ihren Job machen müssen. "Einige nehmen den Testnachweis dann auch gleich noch mit, um damit Shoppen zugehen."

Ein Teil der Kunden nutzt für den Nachweis zudem die Selbsttests, die es im Handel zu kaufen gibt. Das seien aber sehr wenige, sagt Franziska Gerber. Wer das auf diesem Weg erledigt, muss eine Selbstauskunft ausfüllen, mit der er versichert, dass das angegebene Ergebnis korrekt ist. Das Formular kann auf der Internetseite des Sozialministeriums heruntergeladen werden.

Wie sieht es bei Friseuren aus?

Der erste große Ansturm nach der langen Schließung ist inzwischen vorbei. "Der Boom, dass alle Dresdner mit ihren 'Corona-Matten' in den Salon kamen, hielt nur bis Ostern an", sagt Christoph Steinigen aus dem Directors Cut in der Neustadt. Jetzt lasse der Ansturm nach - aufgrund der Testpflicht und weil viele Kunden wegen der steigenden Infektionszahlen wieder mehr auf Abstand gehen würden.

"Wir versuchen, die Kunden so gut wie möglich zu informieren, was sie beachten müssen vor ihrem Termin bei uns", sagt er. Er stelle fest, dass es bei den Dresdner viel Unsicherheit darüber gebe, was erlaubt ist und was nicht. Da ist seitens der Friseur- und Kosmetiksalonbetreiber viel Eigeninitiative gefragt, damit das Geschäft läuft. "Wir schicken jedem Kunden vor seinem Termin nochmal eine SMS oder Mail mit den wichtigsten Informationen zu", sagt Steinigen.

Das bestätigt auch Franziska Gerber vom Kurbad in Laubegast, denn vor allem für die Älteren seien die sich ständig ändernden Regelungen verwirrend. "Wir telefonieren sehr viel, um die aktuelle Informationen weiterzugeben und Termine gegebenenfalls zu verschieben." Die Kurbad-Betreiberin hat noch ein weiteres Problem ausgemacht: Kunden, die bereits gegen das Virus geimpft sind, würden oft nicht einsehen, dass sie sich trotzdem noch testen lassen müssen. Doch noch gilt die Testpflicht auch für sie.

Franziska Gerber hofft, dass sie nun auch bald ihren Saunameister aus der Kurzarbeit zurückholen kann, damit das Angebot im Kurbad wieder komplett ist. Derzeit ist das allerdings noch nicht absehbar.

Akribisch werden täglich die Schließungstage der Kurbad-Sauna auf einer Tafel aktualisiert. Wann gemeinschaftliches Schwitzen wieder möglich sein wird, ist derzeit ungewiss.
Akribisch werden täglich die Schließungstage der Kurbad-Sauna auf einer Tafel aktualisiert. Wann gemeinschaftliches Schwitzen wieder möglich sein wird, ist derzeit ungewiss. © Sven Ellger

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