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Dresden: Kritik an "monsterbreiter" Straße

Mehrfach hat es Proteste gegen die Pläne für die Nürnberger Straße gegeben, zuletzt am Dienstag. Der Baubürgermeister verweist auf eine Stadtratsentscheidung.

Mit einem, Banner hat der ADFC am Dienstag gezeigt, wie breit die Nürnberger Straße werden soll. Bei der Aktion mussten Autos gestoppt werden.
Mit einem, Banner hat der ADFC am Dienstag gezeigt, wie breit die Nürnberger Straße werden soll. Bei der Aktion mussten Autos gestoppt werden. © Sven Ellger

Dresden. Viel zu groß soll das "Monster" werden. Das meinen die Kritiker der Ausbaupläne für die Nürnberger Straße in Dresden. Schon jetzt ist die Trasse sehr breit.

Die Nürnberger Straße hat bereits vier Fahrspuren, kurz vor der Kreuzung Budapester Straße werden es sechs. Zwischen Nürnberger Ei und der Kreuzung - der Abschnitt ist etwa 500 Meter lang - haben Fußgänger nur dann eine Chance, die "Nürnberger" zu queren, wenn sie besonders wagemutig sind. Denn auf dieser Strecke gibt es keine Fußgängerampel. Jetzt soll die Straße noch breiter werden.

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Von 13 auf 29 Meter

"Monsterbreit" nennt das der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Das finden die Vertreter der Fahrradlobby falsch und deshalb haben sie an diesem Dienstag dagegen protestiert. Dazu spannten sie ein Banner über die Straße, das zeigen soll, wie breit sie geplant ist - "von derzeit 13 Metern auf dann 29 Meter". Eine "städtebaulich und auch verkehrsplanerisch fragwürdige Dimension", meint der ADFC. Die Vertreter der Fahrradlobby sind nicht die ersten, die gegen diese Ausbaupläne protestieren.

Eigentlich soll der geplante Umbau dazu beitragen, die Verkehrswende in Dresden voranzubringen, Befürworter argumentieren deshalb auch mit dem Klimaschutz. Der Hauptgrund für den Umbau: Dort soll künftig die Straßenbahn fahren. Im Rahmen des Stadtbahnprogramms 2020 - vom Zeitpunkt her längst überholt - soll von Löbtau nach Strehlen über die Nossener Brücke, die Nürnberger Straße und den Zelleschen Weg eine neue Verbindung entstehen. Das ist erklärtes Ziel der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und der Stadt.

Die Planungen dafür stammen aus dem Rathaus. Unter anderem im März 2019 hat sich der Stadtrat für das Projekt ausgesprochen. "Straßenbahn und Bus in Dresden ausbauen - Anteil des ÖPNV deutlich erhöhen" war die Überschrift des Antrags, über den damals abgestimmt wurde. Berücksichtigt werden solle dabei auch die "zügige Umsetzung der bereits gefassten Beschlüsse zu den Stadtbahnprojekten Löbtau - Strehlen...", heißt es in dem Papier.

"Mit Zielen einer Verkehrswende nicht vereinbar"

Dazu gehört auch die Nürnberger Straße, für die gerade das sogenannte Planfeststellungsverfahren läuft. Die Pläne wurden dafür der Landesdirektion Sachsen (LD Sachsen) vorgelegt. Dort wird überprüft, ob fachlich alles richtig ist.

Verbesserungsvorschläge sind möglich, auch von jedem, der sich für das Thema interessiert. Solche sogenannten Einwendungen haben unter anderem der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Stadträtin Kerstin Zimmermann (Bündnis 90/Die Grünen) geschrieben. Die Planung zur Nürnberger Straße sei "nicht vereinbar mit den Zielen einer Verkehrswende im Sinne einer Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung auf den Umweltverbund", kritisiert der Verkehrsclub. "Klimaziele und städtebauliche Belange stehen im Entwurf eindeutig hinten an." Für Autos wünscht sich der VCD weniger Platz, für Radfahrer und Fußgänger mehr.

Baubürgermeister: Breitere Radwege werden geprüft

Kerstin Zimmermann stellt zusätzlich fest, das reichlich 8.100 Quadratmeter bisheriger und- oder teilversiegelter Flächen neu versiegelt werden sollen. Das entspricht etwa der Größe eines kleinen Fußballfelds.

Baubürgermeister Stephan Kühn (​Bündnis 90/Die Grünen) schließt nicht aus, dass es noch Änderungen an den Plänen gibt. Im laufenden Verfahren werde geprüft, "ob eine Optimierung der Verkehrsfläche und eine Verbreiterung der Radverkehrsanlage möglich ist", sagte er auf SZ-Anfrage.

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Dass die "Nürnberger" so breit geplant worden sei, liege daran, dass "für eine zügige Fahrt der neuen Straßenbahn eine Trennung von den großen Verkehrsmengen des Kfz-Verkehrs erfolgt" sei. Und er verweist darauf, dass der Stadtrat der Vorplanung seinerzeit zugestimmt hat. Das war Mitte Mai 2014.

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