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Nazi-Video-Vorfall bei Kruzianern wird aufgearbeitet

Nachdem vor vier Wochen ein 15-Jähriger vom Kreuzchor ausgeschlossen wurde, soll sich nun eine interne Arbeitsgruppe des heiklen Themas annehmen.

Der Kreuzchor beschäftigt sich seit den Herbstferien mit dem Ausschluss eines Kruzianers.
Der Kreuzchor beschäftigt sich seit den Herbstferien mit dem Ausschluss eines Kruzianers. © Sven Ellger

Dresden. Kurz vor den Herbstferien sorgte diese Nachricht für Aufregung: Ein 15-jähriger Kruzianer wurde vom Kreuzchor ausgeschlossen, nachdem er über Jahre hinweg Videos mit schwer zu ertragenden Inhalten erstellt und bei YouTube hochgeladen hatte. Dabei ging es um schwerstes Mobbing von Mitschülern, in einem Video aber auch um die Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Nachdem die Chorleitung vor vier Wochen zufällig davon erfahren hatte, ging sie in die Offensive und machte den denkwürdigen Vorfall öffentlich - ohne dabei die Identität des Kruzianers preiszugeben.

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Kreuzkantor Roderich Kreile betonte, dass der Vorfall aufgearbeitet werden würde, nicht zuletzt, da auch andere Kruzianer von den Videos gewusst hätten, sie aber offenbar für einen mehr oder weniger schlechten Scherz hielten. Auf keinen Fall sollte der ausgeschlossene Jugendlichen fallengelassen werden.

Chor-Sprecherin Nina Bewerunge, Kreuzkantor Roderich Kreile und Alumnatsleiterin Martina Schellhorn machten den Vorfall öffentlich.
Chor-Sprecherin Nina Bewerunge, Kreuzkantor Roderich Kreile und Alumnatsleiterin Martina Schellhorn machten den Vorfall öffentlich. © Archiv: Sven Ellger

Schon in seiner ersten Stellungnahme im Oktober hatte Kreile betont, er glaube nicht, dass der Jugendliche ernsthaft von rechtem Gedankengut beeinflusst sei. Auch eine Tendenz zum Aufkommen rechter Gesinnungen innerhalb des Kreuzchores könne er nicht erkennen.

Vier Wochen später sei man nun erste Schritte gemeinsam gegangen. Wie Kreuzchor-Sprecherin Nina Bewerunge auf SZ-Anfrage sagte, wurde vergangene Woche eine Gruppe aus Vertretern des Dresdner Kreuzchores und des Evangelischen Kreuzgymnasiums eingerichtet. "Diese Gruppe nimmt sich des Schülers an und wird das ganze Jahr über zum Thema arbeiten."

Die Leitung des Alumnats habe sich viel Zeit genommen und sei nun dabei, den Vorfall ausführlich in den Klassen zu besprechen." Dabei werde ausdrücklich Wert darauf gelegt, auf die Fragen der Schüler einzugehen.

Keine Doppelbestrafung durch Schulverweis

"Wir stehen nach wie vor in Kontakt zu der Familie des Jungen. Es hat persönliche Gespräche gegeben", sagt Nina Bewerunge. "Außerdem haben wir das Kollegium der Schule informiert und uns den Fragen der Lehrerinnen und Lehrer gestellt."

Die Videos sind inzwischen von Youtube verschwunden. Kreile zufolge soll sie der 15-Jährige selbst gelöscht haben. Bei seinen Montagen hatte er vor allem Material aus der Fernseh-Dokumentation "Engel, Bengel und Musik" genutzt. In einer Szene ließ er Kruzianer zur ersten Strophe des Deutschlandliedes ins Dynamo-Stadion einlaufen, während Adolf Hitler auf der Tribüne klatscht.

Ein zusätzlicher Schulverweis stand von Anfang an nicht zur Debatte, da die Verantwortlichen eine Doppelbestrafung vermeiden wollten. Außerdem stehe im Geschichtsunterricht gerade der Nationalsozialismus auf dem Stundenplan.

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