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"Auch Kinder müssen trauern dürfen"

Mirjam Köfer unterstützt das Dresdner Kindertrauerzentrum Lacrima. Als Schirmherrin will sie aber nicht nur ihr Gesicht geben - sondern auch ihr Herz.

Schauspielerin Mirjam Köfer (l.) will im Trauerzentrum Lacrima von Maria Vater nicht nur zu Gast sein.
Schauspielerin Mirjam Köfer (l.) will im Trauerzentrum Lacrima von Maria Vater nicht nur zu Gast sein. © Sven Ellger

Dresden. Auf einer Kerze ist "Papa" zu lesen, auf anderen stehen Namen. Alle sind mit Herzen und Sternen verziert. Das Entzünden der Kerzen steht am Anfang eines jeden Treffens hier im Kindertrauerzentrum Lacrima in Leuben. "Lacrima", das ist Lateinisch für "Träne".

Die Dresdner Einrichtung des bundesweiten Projektes, das zu den Johannitern gehört, gibt es seit zwei Jahren. Kinder und Jugendliche sollen in kleinen Gruppen die Möglichkeit und den Raum bekommen, ihre Trauer über den Verlust eines nahen Angehörigen gemeinsam zu bewältigen.

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Ein Thema, das gesellschaftlich noch immer tabuisiert wird und daher kaum zur Sprache kommt. Lange Zeit suchte Lacrima genau deshalb nach einer prominenten Persönlichkeit aus der Region, die dabei helfen kann, die präventive Trauerarbeit mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken.

Diese Aufgabe wird künftig die Dresdner Radiomoderatorin und Schauspielerin Mirjam Köfer übernehmen. "Es war für mich ein ganz besonderer Tag, als ich gefragt worden bin, ob ich die Schirmherrschaft für Lacrima übernehmen möchte", sagt die 47-Jährige. "Es ist mir eine große Ehre. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft und sollen ohne Kummer und Sorgen aufwachsen dürfen."

Mit einem Kerzen-Ritual beginnt jedes Treffen im Kindertrauerzentrum Lacrima.
Mit einem Kerzen-Ritual beginnt jedes Treffen im Kindertrauerzentrum Lacrima. © Sven Ellger

Die gebürtige Berlinerin und Tochter von Herbert Köfer schloss einst ein Musicalstudium an der Hamburger "Stage School" ab und war im Fernsehen in "Familie Heinz Becker" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" zu sehen. Auf der Bühne wirkte sie unter anderem in der "Hexe Baba Jaga" am Boulevardtheater mit.

Seit Jahren engagiert sich Mirjam Köfer bereits als Botschafterin für den Verein Sonnenstrahl, der sich für krebskranke Kinder einsetzt, und erlebte hautnah mit, wie unterschiedlich Kinder mit dem Thema Tod umgehen.

Von Lacrima erfuhr sie erst durch die Anfrage, beschäftigte sich aber seitdem umso intensiver mit der Idee. "Auch Kinder müssen trauern dürfen", sagt sie. "Der Verlust eines geliebten Menschen ist das Furchtbarste, was einer kleinen Seele widerfahren kann und Heilung ist ein langer Prozess, bei dem keiner allein gelassen werden sollte."

Als Schirmherrin möchte sie nicht nur ihr Gesicht für die Sache geben, sondern auch ihr Herz. "Ich werde alles tun, um Lacrima bei ihrer wundervollen Arbeit zu unterstützen." Dazu ist es für sie selbstverständlich, dass sie sich bei nächster Gelegenheit selbst zur Trauerbegleiterin ausbilden lässt.

Mal traurig, mal wütend, mal aggressiv

Dabei wird sie lernen, dass Kinder ihre Trauer mit den unterschiedlichsten Emotionen zum Ausdruck bringen. Während sich der eine zurückzieht, wird der andere womöglich wütend oder aggressiv. Mit einem durchgeplanten Treffen nach Schema F kommt man da nicht weit, ist sich Mirjam Köfer bewusst.

"Obwohl ich ein sehr sensibler Mensch bin, halte ich es für wichtig, dass man die Erlebnisse, die man hier sammelt, schnell wieder abstreifen kann", sagt sie. Erst durch eine professionelle Schulung könne man erkennen, ob man neben dem nötigen Einfühlungsvermögen auch die psychische Kraft hat, um sinnvoll helfen zu können. "Dazu muss ich verstehen, dass es hier nicht um mich geht und wie traurig ich ein Schicksal finde, sondern nur um die Kinder."

In den Räumlichkeiten des Dresdner Lacrima-Zentrums kennt sich Mirjam Köfer inzwischen aus. Zusätzlich zum Gruppenraum und dem Elterncafé gibt es im Keller einen großen Toberaum mit Boxsack und Trampolinen. Die drei Altersgruppen treffen sich aller 14 Tage, wenngleich die Corona-Krise das so wichtige Miteinander in den vergangenen Monaten arg erschwert hat. Kerzen konnten in dieser Zeit nur virtuell entzündet werden. "Die Onlinetreffen sind allerdings kein gleichwertiger Ersatz", sagt Maria Vater, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

Vom "Beneflitz" bis zu Dynamo

Da das Angebot von Lacrima generell kostenlos ist und es keine Förderung von präventiver Trauerarbeit gibt, sind die Johanniter stetig auf Unterstützung angewiesen. Auch dabei will Mirjam Köfer gern helfen. Erst vor wenigen Wochen organisierte sie den "Lacrima-Beneflitz", einen Lauf durch Dresden, für den sie rund 300 Teilnehmer zusammentrommelte. Durch die großzügig bemessenen Startgelder kamen allein dadurch 6.000 Euro für das Trauerzentrum zusammen.

Geld, das unter anderem in die Einrichtung einer neuen Lacrima-Außenstelle in Zentrumsnähe fließt, die bis Ende des Jahres eröffnet werden soll. Neben der finanziellen Unterstützung sind die Johanniter auch auf der Suche nach Einrichtungen, Firmen und Privatpersonen, die Lacrima mit Sachspenden wie Hochbetten, Spielgeräten oder Büchern weiterhelfen. Langfristige Sponsoren gebe es bislang noch keine.

Mit wachsender Bekanntheit soll sich das möglichst bald ändern. "Wir sprudeln vor Kreativität", sagt Mirjam Köfer und lacht. Demnächst soll es eine Spendenaktion mit Dynamo Dresden geben. Außerdem arbeitet sie an der Idee, dass auch ihr "Lingufino" künftig einen Beitrag für die Trauerarbeit leisten könnte. Das interaktive Lernspielzeug in Form eines kuschligen Wesen, dem sie ihre Stimme leiht, könnte durch ein thematisches Modul ergänzt werden, das sich mit dem Thema Tod beschäftigt. Denn Kuschelfreunde kennen keine Tabus.

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Für Lacrima gespendet werden kann über das Konto: Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Regionalverband Dresden Lacrima, BIC: BFSWDE33XXX, IBAN: DE84 3702 0500 0004 3318 04, Bank für Sozialwirtschaft

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