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Dresden lässt öffentliche Toiletten abbauen

Von insgesamt zehn WCs will sich die Stadt bald trennen, die meisten befinden sich im Zentrum. Haben Stadtbummler Alternativen?

Auch diese Toilette am Pirnaischen Platz in Dresden soll nicht weiterbetrieben werden.
Auch diese Toilette am Pirnaischen Platz in Dresden soll nicht weiterbetrieben werden. © Sven Ellger

Dresden. Wenn die Blase drückt, geht es manchmal um Minuten. Dann sind öffentliche Toiletten die letzte Rettung. In Dresden könnte bald eine ganze Reihe davon wegfallen, weil Verträge mit den Betreibern auslaufen. Und mit neuen WC-Anlagen tut sich die Stadtverwaltung schwer. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie viele öffentliche Toiletten hat Dresden?

Dresden schafft es auf insgesamt 95 öffentliche Toiletten. Zehn Anlagen betreibt die Stadt selbst, 18 bewirtschaften die Unternehmen Wall und Ströer, 21 befinden sich in öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus und 46 in Einkaufszentren, Bahnhöfen und Restaurants, die ihre WCs im Rahmen des Projekts "nette Toilette" auch Passanten zur Verfügung stellen.

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"Die Landeshauptstadt Dresden liegt im Vergleich nationaler und internationaler Großstädte im guten Mittelfeld", schätzt die Verwaltung die Situation ein. Gemessen an der Zahl der Einwohner würden zum Beispiel in München, Wien, aber auch Paris zum Teil deutlich weniger öffentliche Toiletten zur Verfügung stehen.

Die meisten öffentlichen Toiletten verteilen sich auf die Neustadt, wo sich 38 Prozent aller freien WCs befinden. Danach folgt die Altstadt mit einem Anteil von 24 Prozent.

Reichen die Toiletten wirklich aus?

Zumindest der Seniorenbeirat, der Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und den Stadtrat berät, kann die Auffassung der Stadt überhaupt nicht teilen, dass sich Dresden in einem "guten Mittelfeld" einordne. "Seit vier Jahren kritisieren wir, dass WC-Anlagen fehlen und schlecht ausgeschildert sind", sagt der Beiratsvorsitzende und CDU-Stadtrat Klaus Rentsch. Viel getan habe sich in all den Jahren jedoch nicht. Rentsch nennt den Wasaplatz, aber auch die Zwinglistraße als Standorte, an denen es einen großen Bedarf gebe, um sein Bedürfnis zu verrichten. Aber auch für den Postplatz sei bis heute keine zufriedenstellende Lösung gefunden worden. Tatsächlich könnte sich die Lage im Zentrum noch verschärfen.

Fallen denn Toiletten weg?

So sieht es derzeit aus. Denn die Verträge über die Wall-WCs und die eine Ströer-Toilette auf der Prager Straße laufen Ende 2022 aus, teilt die Verwaltung mit. Ein Großteil davon befindet sich im Dresdner Zentrum. So wird die Toilette am Pirnaischen Platz zur Ringstraße hin wegfallen. Sie soll auch nicht ersetzt werden, da es gegenüber am Mobilitätspunkt ebenfalls ein WC gebe. Aktuell ist dieses aber nur behinderten Menschen mit einem passenden Schlüssel zugänglich. Auch das Terrassenufer wird ein WC los. Dort gebe ebenfalls zwei Anlagen, wobei Passanten in Zukunft die von der Stadt betriebene Anlage nutzen könnten, so die Verwaltung.

Erleichterung können sich Dresdner und Touristen bald auch nicht mehr vorm Döner-Imbiss an der Altmarkt-Galerie verschaffen. Das WC kommt weg. Im Einkaufszentrum gebe es ja auch eine Toilette, argumentiert die Stadt. Erhalten bleibe lediglich das Postplatz-WC für behinderte Menschen. Um dort Zugang zu erhalten, benötigt man ebenfalls einen Schlüssel.

Insgesamt will sich die Stadt von zehn öffentlichen Toiletten dauerhaft trennen. Acht sollen erhalten bleiben, drei neue sind zusätzlich geplant. Möglicherweise kommt noch ein neues Klo dazu oder ein weiteres altes wird erhalten, denn in einer SZ-Anfrage vom Mittwoch spricht die Verwaltung nun von insgesamt zwölf geplanten Ausschreibungen.

Sind die Toiletten so selten genutzt worden?

Teils, teils. Das mit Abstand am meisten genutzte WC ist jenes am Pirnaischen Platz, das Ende 2022 geschlossen werden soll. Dort gingen am Tag durchschnittlich 22 Menschen ein und aus. Auf Platz zwei kommt die Toilette in der Kleinen Kirchgasse mit 20 Gästen am Tag, die ebenfalls geschlossen wird, da es im Kulturpalast und der Altmarkt-Tiefgarage ebenfalls welche gebe. Auf Platz drei folgt das WC am Albertplatz mit 19 Besuchern. Dieses wird erhalten, mit der Begründung, es befinde sich an einem Verkehrsknotenpunkt.

Die Toilette an der Wallstraße hat zwischen 2016 und 2018 im Schnitt neun Gäste am Tag gezählt, das WC am Terrassenufer zwölf. Die am wenigsten frequentierten Parzellen befinden sich am Nürnberger Platz und in Altleuben mit jeweils einem Gast. Beide sollen ebenfalls entfallen.

Wo entstehen die neuen Toiletten?

Dem Wunsch des Seniorenbeirats nach einer Toilette am Wasaplatz will die Stadtverwaltung nachkommen. Der Platz gehört zu den größten Verkehrsknotenpunkten in Strehlen. Darüber hinaus sind Anlagen auf dem Parkplatz an der Ammonstraße sowie auf dem Amalie-Dietrich-Platz vorgesehen.

Aus den Stadtbezirken seien noch mehr Vorschläge gekommen - 55, um genau zu sein. Eine Prüfung habe aber ergeben, dass einige Standorte bereits mit Toiletten ausgestattet und andere nur sehr gering frequentiert seien. Sprich, die Toiletten könnten sich schlichtweg nicht lohnen. Aus Sicht der Stadt könne lediglich der Bedarf am Wasaplatz nachvollzogen werden.

Die neuen Standorte und diejenigen, die erhalten werden sollen, müssen jetzt neu ausgeschrieben werden. "Die Standorte bedürfen allerdings noch einer baurechtlichen, städtebaulichen sowie denkmalschutzrechtlichen Prüfung", so Rathaussprecherin Anke Hoffmann. "Diese ist im Gange."

Wie sieht es mit den Öffnungszeiten aus?

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Die 17 Wall-Toiletten gehören zu jenen, die 24 Stunden am Tag genutzt werden können. Demgegenüber stehen zwar rund 80 andere Toiletten in Dresden, doch fast alle davon haben nur eingeschränkt geöffnet. Das gilt zum Beispiel für Restaurants, aber auch städtische Einrichtungen wie Museen. "Ein öffentliches WC zu finden, ist nicht nur ein Problem älterer Menschen", sagt Rentsch. Es gebe auch eine Menge Menschen, die nachts nach einem Restaurant- oder Discobesuch gern noch ein WC benutzen würden, wenn sie auf dem Heimweg sind.

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