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Marina Garden kommt wieder in den Stadtrat

Die geplanten Wohnhäuser an der Elbe sollen ein zusätzliches Geschoss bekommen – aber nicht höher werden. Wie das gehen soll und warum.

Von diesem Entwurf will die Stadt zumindest etwas abrücken. So soll zwischen der Grumbt'schen Villa an der Leipziger Straße und den Neubauten etwas mehr Luft gelassen werden.
Von diesem Entwurf will die Stadt zumindest etwas abrücken. So soll zwischen der Grumbt'schen Villa an der Leipziger Straße und den Neubauten etwas mehr Luft gelassen werden. © Barcode/LolaLandscape

Dresden. Marina Garden, der Garten am Yachthafen – was für ein klangvoller Name für ein Wohnprojekt, um das seit 15 Jahren teils unrühmlich gerungen wird. Inzwischen sollten längst die Bagger rollen. Für den vergangenen Herbst war der Baustart zwischen Elberadweg und Leipziger Straße geplant. Doch die Fläche liegt brach. Der Stadtrat muss sich wieder einmal mit dem Projekt beschäftigten.

Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) hat eine Veränderung des gültigen Bebauungsplanes angestoßen. Ein Plan, der erst 2018 in Kraft trat. Er sah unter anderem vier viergeschossige Wohnhäuser, die denkmalgeschützte Villa Grumbt und viel Grün zum Elberadweg hin vor.

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Mehr Aufmerksamkeit für alte Villa

Im Kern gehe es darum, die Grumbt’sche Villa stärker zur Geltung zu bringen, heißt es in der Vorlage. Deshalb schlage man vor, die beiden direkt angrenzenden Neubauten ein paar Meter zu verschieben – weg von der Villa. Dies sei sowohl mit dem Landesamt für Denkmalpflege als auch mit dem städtischen Denkmalschutzamt so abgestimmt worden, teilt eine Rathaussprecherin mit.

Die Wohnhäuser sollen ein fünftes Geschoss bekommen. Dafür werden die Erdgeschosse etwas niedriger als zunächst geplant.
Die Wohnhäuser sollen ein fünftes Geschoss bekommen. Dafür werden die Erdgeschosse etwas niedriger als zunächst geplant. © Barcode/LolaLandscape

Dabei soll es aber nicht bleiben: Statt der bisher geplanten vier Geschosse sollen fünf möglich sein. Ein Skandal, nachdem sich die vorherige Investorin Regine Töberich höchstrichterlich belehren lassen musste, ihre bis 21 Meter hohen Gebäude hätten das Maß des Üblichen in der Gegend gesprengt? Nein, an der derzeit gültigen Höhe will die Stadt festhalten. 15,70 Meter sollen auch im geänderten Bebauungsplan nicht überschritten werden. Um das zusätzliche Geschoss unterzubringen, soll das Erdgeschoss etwas niedriger werden.

Mehr Freiheiten für neuen Investor

Der ursprüngliche Plan sah überhohe Erdgeschosse für Geschäfte und Ateliers vor. Das, was Architekten gern als Gebäudesockel mit großstädtischem Flair bezeichnen. Dabei habe es sich aber um einen städtebaulichen Vorentwurf gehandelt, der eine mögliche gewerbliche Nutzung der Erdgeschosse vorsah, so die Stadtsprecherin weiter. „Sie korrespondieren jedoch nicht mit den Parametern der geplanten und zulässigen Wohnnutzung.“ Und ja, die Gebäude-Höhe reiche für fünf Geschosse aus. „Alle Geschosse weisen dennoch größere Raumhöhen als nur Mindestraumhöhen auf und werden damit eine hohe Wohnqualität erhalten.“

Der Investorin, der tschechischen CTR-Gruppe, ermöglicht das, mehr Wohnungen unterzubringen. Im Gespräch mit der SZ hatte der CTR-Projektleiter im vergangenen Jahr von mehr als 200 geplanten Wohnungen mit anderthalb bis vier Räumen gesprochen.

Auch sonst will die Stadt der Investoren-Gruppe freiere Hand lassen. So soll nicht mehr festgelegt werden, wo genau sich die Zufahrten zur Tiefgarage befinden. Der Bauausschuss wird nach aktuellem Stand im Mai über die vorgeschlagenen Änderungen entscheiden. Daran schließt sich eine 30-tägige Offenlegung an, bei der Einwände vorgebracht werden können.

Entscheidung über Bauantrag noch nicht möglich

Ob die CTR-Gruppe bereits einen Bauantrag eingereicht hat, beantwortete die Stadt am Mittwoch nicht. Auch eine Anfrage bei den Investoren ist bislang unbeantwortet geblieben. Die Verwaltung teilt lediglich mit, ein Antrag könne jederzeit eingereicht werden. „Nach Abschluss der Offenlage über den Änderungsbebauungsplan wird zu prüfen sein, ob der Antrag beschieden werden kann.“

Ursprünglich gehörte das Grundstück zwischen dem Elberadweg und der Leipziger Straße der Architektin Regine Töberich. Sie hatte für ihr eigenes Projekt mit etwa 180 Wohnungen keine Baugenehmigung erhalten. Knackpunkt war unter anderem der Hochwasserschutz. Der Streit zwischen Töberich und Stadt eskalierte, als die damalige Stadtratsmehrheit einen neuen Bebauungsplan für das Grundstück auf den Weg bringen wollte und eine Veränderungssperre erwirkte.

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Die Investorin ließ daraufhin einen Teil des Elberadwegs wegbaggern und forderte von Dresden Schadenersatz. Das Verfahren, in dem es um 18 Millionen Euro ging, schaffte es bis vor das Oberlandesgericht. Töberich verlor, erhielt nicht einen Cent und verkaufte die Immobilie und ihre Projektgesellschaft schließlich an die CTR-Gruppe. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren an prominenten Stellen in Dresden gebaut: Die Residenz am Zwinger gehört dazu, ebenso die neuen Postplatz-Häuser Merkur sowie Boulevard am Wall I und II.

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