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Dresden: Messerstich ist kein Mordversuch

Ein Mann hatte in einem Strehlener Park seine Freundin angegriffen. Nun ist klar: Die Frau hatte massiv gelogen - offenbar aus Angst vor ihrer kurdischen Familie.

Ein kurioser Mordprozess am Landgericht Dresden gegen Lawin P., hier mit Verteidiger Jürgen Saupe, endet mit deutlichen Worten des Vorsitzenden.
Ein kurioser Mordprozess am Landgericht Dresden gegen Lawin P., hier mit Verteidiger Jürgen Saupe, endet mit deutlichen Worten des Vorsitzenden. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Mit deutlichen Worten des Vorsitzenden Richters Herbert Pröls endete am Donnerstag der Prozess gegen einen 22-jährigen Angeklagten vor dem Landgericht Dresden.

Das Verfahren sei von „Lügen, Unwahrheiten und Halbwahrheiten“ geprägt gewesen. Die Wahrheitssuche in einer sich dynamisch entwickelnden Lügengeschichte sei schwierig, so Pröls.

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Lawin P., ein Kurde aus dem Irak, stand wegen eines Mordversuchs vor der Schwurgerichtskammer. Er soll im Februar 2020 seine Freundin Huda heimtückisch niedergestochen haben.

Die ebenfalls 22-jährige Frau war lebensbedrohlich verletzt worden. Erst in der dreimonatigen Hauptverhandlung stellte sich die Sache komplett anders dar, sodass der Mordvorwurf gegen P. nicht mehr gehalten werden konnte.

Opfer gibt Kind zur Adoption frei und erfindet Vergewaltigung im Flüchtlingsheim

Wie sich herausstellte, hatten Zeugen reihenweise gelogen, um die langjährige Liebesbeziehung des Angeklagten mit Huda geheim zu halten. Sie hatten offenbar Angst, die 22-jährige Kurdin könnte von ihrer Familie verstoßen werden.

Am Abend des Tattages, dem 2. Februar, hatte der 22-Jährige von seiner Freundin erstmals erfahren, dass das gemeinsame Baby, das sie Ende 2017 entbunden hatte, noch am Leben ist.

Die Frau hatte das Kind offenbar auf Druck ihrer Mutter noch in der Klinik in Plauen zur Adoption freigegeben – und P. vorgegaukelt, es sei gestorben.

Huda war mit Lawin und dessen Angehörigen 2016/2017 nach Deutschland geflüchtet. Sie verliebten sich und unterwegs wurde Huda schwanger. Ihre Familie war jedoch gegen die Beziehung ihrer Tochter mit Lawin.

Daher hatte Huda behauptet, sie sei in einer Flüchtlingsunterkunft von Lawin vergewaltigt worden. Tatsächlich haben sich die beiden immer wieder heimlich getroffen. Auch das letzte Wochenende hatten sie gemeinsam in Dresden verbracht, in der Wohnung einer Freundin.

Erst bei dritter Befragung heimliche Liebe gestanden

Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Angeklagte Huda nicht gezwungen habe, ihn zu begleiten, und auch nicht heimtückisch auf sie eingestochen habe, so Pröls. Vielmehr habe er in einer hochemotionalen, angespannten Situation gehandelt, als er mit Huda im Hugo-Bürkner-Park in Strehlen unterwegs war.

Die Geschädigte hatte bei der Polizei und im Prozess wiederholt behauptet, Lawin habe sie bedroht. Erst bei einer dritten Befragung gestand sie ihre Liebe zu ihm und berichtete von der geheim gehaltenen Beziehung zu ihm. Neben ihr hatte auch die Freundin und weitere Zeugen massiv gelogen. Sie müssen jetzt mit Ermittlungen gegen sich rechnen.

Das Schwurgericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren – wegen gefährlicher Körperverletzung. Der 22-Jährige habe die Frau erheblich verletzt, aber nicht töten wollen.

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