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"Mieterhöhung nicht einfach zustimmen"

Seit 2005 sind die Dresdner Mieten für neu geschlossene Verträge um 40 Prozent gestiegen. Welche Gründe der Mieterverein sieht und was er den Dresdnern rät.

An der Wallstraße mitten in der Dresdner Innenstadt sind neue Wohnungen entstanden. Nicht jede Dresdner Familie kann sich hier ein neues Zuhause leisten.
An der Wallstraße mitten in der Dresdner Innenstadt sind neue Wohnungen entstanden. Nicht jede Dresdner Familie kann sich hier ein neues Zuhause leisten. © Christian Juppe

Dresden. Wer in Dresden eine Wohnung neu anmietet, muss dafür heute monatlich mehr bezahlen, als noch vor 15 Jahren. Die Mietpreise, die in neu geschlossenen Verträgen aufgerufen werden, sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: 2019 lag der Mittelwert der Angebotsmieten in Dresden bei 7,59 Euro kalt pro Quadratmeter - das entspricht einem Anstieg von mehr als 40 Prozent seit 2005

Das teilte Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) kürzlich auf eine Anfrage der Linke im Dresdner Stadtrat mit. Betrachtet man nur die Angebote für Wohnungen, die ab 2010 neu errichtet wurden, lag die mittlere Angebotsmiete Ende 2019 sogar bei 13 Euro pro Quadratmeter. 

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Selbst die Dresdner Genossenschaften verlangen für den Quadratmeter einer Neubauwohnung zwischen zehn und 12,50 Euro Miete. Für viele Familien zu teuer, findet der Mieterverein Dresden, der sich seit Jahren mit diesem Problem befasst. 2018 machten gut zwölf Prozent der knapp 14.500 Beratungen das Thema Mieterhöhungen aus. 2019 und 2020 ist der Anteil leicht gesunken - das Problem aber nach wie vor da.

Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, errichtet die kommunale Wohnungsbaugesellschaft WiD nun mithilfe öffentlicher Fördergelder auch selbst Mehrfamilienhäuser, in denen sie vergleichsweise preiswerte Wohnungen vermietet. Mieterverein-Vorsitzender Peter Bartels kritisiert, dass dieses wichtige wohnungspolitische Instrumente nicht ausreicht, um das Problem der teuren Mieten  in Dresden kurzfristig zu lösen. 

Problem Mietspiegel

Denn die Anzahl der neuen Sozialwohnungen sei zu gering, der Baufortschritt zu langsam. "Bis die WiD wirtschaftlich funktioniert, vergehen noch Jahre." Aus Bartels Sicht seien die stetig steigenden Baukosten problematisch, die es für private Investoren, aber auch für die Genossenschaften kaum möglich machen, neue Wohnungen preiswerter anzubieten. Das bestätigt auch Kristin Kaufmann und verweist wiederum auf die wichtige Funktion der WiD. "Die Schaffung von neuen und gleichsam bezahlbaren Wohnungen für die Breite der Gesellschaft ist ohne einen öffentlich geförderten Wohnungsbau, aktuell zum größten Teil durch das kommunale Wohnungsunternehmen WiD realisiert, schlichtweg nicht mehr möglich."

Bartels hat aber noch ein weiteres Problem ausgemacht: den Mietspiegel. Laut Kaufmann ebenfalls ein wichtiges Instrument, denn der qualifizierte Mietspiegel, der die ortsübliche Vergleichsmiete ausweist, mache nachweisbar, ob eine Mieterhöhung gerechtfertigt ist oder nicht. "Ohne dieses Instrument wären die Mieterhöhungsmöglichkeiten weitaus größer", so Kaufmann. 

Bartels sieht dabei aber eine Schwachstelle: Denn im Mietspiegel wird nur der Mieter berücksichtigt, dessen Miete in den vergangenen Jahren angehoben wurde. Bleibt die Miete auf demselben Niveau, fließt diese Miete nicht in den Mietspiegel ein.

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Deshalb rät Bartels, einer vom Eigentümer geforderten Mieterhöhung nicht einfach so zuzustimmen, sondern vorher prüfen zu lassen, ob diese auch gerechtfertigt ist. Das ist anhand von mehreren Kriterien wie Wohnlage und Ausstattung der Wohnung nachprüfbar. Wird die Mieterhöhung einfach so akzeptiert, fließt diese höhere Miete wiederum in den neuen Mietspiegel ein. 

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