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Moria: Dresden soll Flüchtlinge aufnehmen

Oft waren die Zustände in dem Lager auf Lesbos kritisiert worden. Durch Corona und das Feuer ist die Lage eskaliert. Am Abend wurde in Dresden demonstriert.

Demonstranten forderten am Mittwochabend in Dresden, Geflüchtete aus Moria aufzunehmen.
Demonstranten forderten am Mittwochabend in Dresden, Geflüchtete aus Moria aufzunehmen. © Sven Ellger

Dresden. Nach den verheerenden Bränden im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos fordern Dresdner Lokalpolitiker Hilfe für die Geflüchteten. Das Lager steht aufgrund von Coronafällen unter Quarantäne. Zurzeit leben laut griechischen Behörden rund 12.000 Flüchtlinge im Lager bei einer Kapazität von rund 2.800. 

Das Camp müsse umgehend evakuiert werden, so die SPD. Die SPD-Fraktion Dresden fordert nun den Oberbürgermeister auf, zeitnah weitere Geflüchtete in Dresden aufzunehmen. Julia Natasha Hartl, integrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion sagt: "Wir haben Kapazitäten und wir wollen helfen! Es ist eine Frage der Solidarität und der Menschlichkeit, Personen in Not ein Dach über dem Kopf anzubieten."

2018 lehnte der Dresdner Stadtrat einen Antrag zur Beteiligung an der Initiative "Sicherer Hafen" ab. Bundesweit haben inzwischen 174 Kommunen Ihre Unterstützung an der Initiative erklärt. "Es ist eine Schande, dass eine wohlhabende Stadt wie Dresden bisher nicht in der Lage war, sich an der Initiative 'Sicherer Hafen' zu beteiligen", sagt Hartl. "Wir appellieren nachdrücklich an den Oberbürgermeister, jetzt die vorhandenen Kapazitäten auszuschöpfen und darüber hinaus neue Programme zur legalen Aufnahme geflüchteter Menschen zu fördern."

"Auch Dresden sollte Beitrag leisten"

Linken-Stadtrat Christopher Colditz fordert, dass Moria sofort evakuiert und gerettet werden müsse, die Verhältnisse vor Ort seien unmenschlich. "Auch Dresden sollte seinen Beitrag dazu leisten, das Leben der Menschen zu retten, in dem wir ein Kontingent von Geflüchteten aufnehmen", so Colditz. Sein Wunsch an Oberbürgermeister Dirk Hilbert: "Setzen Sie sich für die Aufnahme von Geflüchteten aus Moria in Dresden ein!"

Die Lebensbedingungen der Menschen in Moria haben sich durch die Corona-Pandemie gravierend verschlechtert. Die hygienischen und infrastrukturellen Bedingungen vor Ort seien lebensgefährlich und aus humanitärer Sicht nicht mit unseren Grundwerten vereinbar, sagen auch die Dresdner Grünen. 

"Das Feuer ist auch Folge der breiten Ignoranz gegenüber den unhaltbaren Zustände in den griechischen Lagern. Es braucht jetzt eine Allianz der Hilfsbereiten in Kerneuropa um dieses moralische Versagen zu korrigieren", so Klemens Schneider, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen in Dresden.

Kapazitäten hätte Dresden. Denn es kamen bis August deutlich weniger Flüchtlinge nach Dresden, als die Stadtverwaltung erwartet hat. Deshalb wurde nun überprüft, wie viele Plätze für die Unterbringung von Asylbewerbern noch benötigt werden. "Fest steht bereits, dass der Vertrag für das Übergangswohnheim an der Pillnitzer Landstraße 273 zum Jahresende 2020 auslaufen wird", teilt ein Stadtsprecher auf SZ-Anfrage mit. 

Und auch das Übergangswohnheim auf der Gustav-Hartmann-Straße in Laubegast - das ehemalige Hotel Prinz Eugen - soll aufgrund der rückläufigen Zuweisungen von Flüchtlingen durch den Freistaat in absehbarer Zeit aufgegeben werden. Allerdings könnte es erforderlich werden, den Mietvertrag noch über die kommenden Herbst- und Wintermonate "für einen befristeten Zeitraum" hinaus zu verlängern, so die Stadt.

Mit Stand Mitte August lebten in Dresden 2.414 Flüchtlinge, die vom Sozialamt untergebracht sind. 1.775 davon leben in Wohnungen und 639 in Wohnheimen. Insgesamt gibt es in der Stadt 555 Wohnungen für Geflüchtete. 2019 wurden 28 neue angemietet, so das Sozialamt. Für 2020 sind keine weiteren Anmietungen geplant.

Außerdem gibt es elf Übergangswohnheime mit insgesamt 796 Plätzen. Ein weiteres Heim mit 37 Plätzen wird seit April vorübergehend für die Unterbringung wohnungsloser Menschen genutzt.

Demo auf dem Altmarkt

Am Mittwochabend demonstrierten dann etwa 500 Menschen auf dem Dresdner Altmarkt, um Solidarität mit den Opfern der Brandkatastrophe in Moria zu zeigen. Unter den Teilnehmern der Kundgebung waren auch Vertreter des Ausländerrates und des Flüchtlingsrates.

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