merken
PLUS Dresden

Neue Visionen für das Robotron-Areal

Rund um das Dresdner Hygiene-Museum sollen Wohnungen, Einkaufsmärkte und Büros entstehen. Doch einige Studenten haben noch neue Ideen.

Die alte Kantine von Robotron an der Lingnerallee. Hier sitzt heute das Open Future Lab, wo man sich ebenfalls Gedanken über die zukünftige Stadtgestaltung macht.
Die alte Kantine von Robotron an der Lingnerallee. Hier sitzt heute das Open Future Lab, wo man sich ebenfalls Gedanken über die zukünftige Stadtgestaltung macht. © Sven Ellger

Dresden. Auf dem ehemaligen Gelände von Robotron, dem einst größten Computerhersteller der DDR, plant die Düsseldorfer Gerchgroup eine Wohnsiedlung mit Flächen für Einkaufsmärkte und Büros. Mit dem Bau soll Ende 2021 begonnen werden. Architektur-Studenten der TU Dresden im siebten und achten Semester haben nun insgesamt zehn neue Konzepte zur Nutzung des 100.000 Quadratmeter großen Areals entwickelt. Wir stellen drei daraus vor. 

Idee 1: Bürgerbeteiligung und neuer Kultur-Standort

Die beiden Studenten Ludwig Weimert und Robert Wehner stellen sich eine Wohnsiedlung vor, in der die alten Robotron-Gebäude und Wohnblöcke erhalten bleiben, sich aber in eine neue Struktur integrieren. Dabei sollen möglichst viele Außenflächen flexibel von den Anwohnern genutzt werden können. 

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Die Innenhöfe der Wohnblöcke könnten beispielsweise zu städtischen Gartenanlagen oder Gewächshäusern werden. Vor jedem Wohnblock soll es einen "Quartiersplatz" geben, auf dem zum Beispiel Kunstobjekte ausgestellt werden könnten.

Prof. Angela Mensing-de Jong, Leiterin des studentischen Projekts, mit Ludwig Weimert vor dessen Model zur zukünftigen Gestaltung des Robotron-Geländes
Prof. Angela Mensing-de Jong, Leiterin des studentischen Projekts, mit Ludwig Weimert vor dessen Model zur zukünftigen Gestaltung des Robotron-Geländes © Sven Ellger

Die ehemaligen Fabrikgebäude am Lingner-Platz könnten in ein "Robotron-Forum" verwandelt werden, wo verschiedene Kultureinrichtungen ihren Sitz hätten. Das Hygiene-Museum könnte einen Anbau erhalten, in dem zusätzliche Ausstellungen Platz finden. Und auch das Atrium-Gebäude, in dem derzeit die Cityherberge sitzt, könnte von Künstlern genutzt werden. "Das kreative Milieu ist auf niedrige Mieten angewiesen", sagte Prof. Angela Mensing-de Jong, die das Projekt mit den Studenten betreute. Und dies sei in einem Altbau wie diesem realistischer als in einem Neubau.

Idee 2: Innovations-Zentrum für Technologie und Kunst

Das Konzept der beiden chinesischen Studentinnen Qiuna Li und Mengwen Chen sieht auf dem Areal dagegen einen neuen Hightech-Standort. Geplant sind Begegnungsplätze, an denen Startups mit großen Firmen zusammen arbeiten können. Ein zentraler Museumsbereich, bestehend aus Hygienemuseum, einem Kunsthaus in der ehemaligen Robotron-Kantine und einem neuen Innovationsmuseum, soll Anlaufpunkt für Bewohner und Touristen sein. Die ehemaligen Robotron-Gebäude würden abgerissen und durch ein Gewerbegebiet im Norden ersetzt, wodurch der Strom der Besucher besser zum zentralen Bereich geleitet würde.

Im Norden ein neues Gewerbegebiet, im Westen und Osten Wohnflächen. In der Mitte der zentrale Museumskomplex. So sehen die Pläne von Qiuna Li und Mengwen Chen aus.
Im Norden ein neues Gewerbegebiet, im Westen und Osten Wohnflächen. In der Mitte der zentrale Museumskomplex. So sehen die Pläne von Qiuna Li und Mengwen Chen aus. © Qiuna Li

Auch Ausstellungsplätze für Künstler sind angedacht, teilweise auch im Freien. Im Westen und Osten könnten Wohngebiete entstehen, im Süden ein Mischnutzungsgebiet. Die meisten Gebäude sollen dabei gleichzeitig als Wohn-, Arbeits- und Freizeitfläche dienen.

Idee 3: Erweiterung des Großen Gartens

Die russische Studentin Mekhonoshina Kseniia ging das Projekt eher aus einer landschaftsbaulichen Perspektive an. Ihr Vorschlag sieht Parkanlagen vor, die sich vom Großen Garten im Osten bis zur St. Petersburger Straße im Westen ziehen und in die die bestehenden Gebäude integriert werden. Dadurch soll aus dem bisher mehr als Durchgang wahrgenommenen Gebiet ein Erholungsraum werden. Besonders der Kaitzbach soll integriert werden, indem er direkt zwischen den Wohnblöcken entlang geleitet wird. Auch hier sollen die Gebäude multifunktional zum Wohnen, Arbeiten und Entspannen genutzt werden.

So könnte eine Umgestaltung in eine Parkanlage aussehen. Der Kaitzbach fließt mitten durch das Wohngebiet.
So könnte eine Umgestaltung in eine Parkanlage aussehen. Der Kaitzbach fließt mitten durch das Wohngebiet. © Mekhonoshina Kseniia

Konzepte sind im Hygienemuseum ausgestellt

Allen Ideen gemeinsam ist die Idee keiner reinen Wohnstadt, sondern eines gemischten, nachhaltigen Quartiers, in dem sich das ganze Leben abspielen kann. "Corona zeigt, dass unsere Stadt in zehn bis zwanzig Jahren anders aussehen muss als heute", ergänzt Prof. Jens Krzywinski, Mit-Initiator des Open Future Lab.

Am 2. November will man sich mit Vertretern des Stadtplanungsamts treffen. "Wir hoffen, dass die, die es umsetzen müssen, durch unsere Modelle zu Diskussionen angestoßen werden", sagt Prof. Mensing-de Jong.

Im Foyer des Deutschen Hygiene-Museums können alle zehn Konzepte mitsamt Visualisierungen noch bis zum 1. November kostenlos angeschaut werden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden