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"Unsere wunderschöne Kiez-Hochzeit"

Die Dresdner Silke und Mario Oertel zeigen, wie sich alle Produkte und Dienstleistungen für eine Hochzeit im eigenen Stadtteil finden lassen.

Von der Trauung bis zur Blumendeko haben Silke und Mario Oertel alles im eigenen Stadtteil, der Dresdner Neustadt, gekauft. Ihr Kleid ließ sich die Braut von der Designerin Tatjana Löwen aus dem Kunsthof entwerfen und anfertigen.
Von der Trauung bis zur Blumendeko haben Silke und Mario Oertel alles im eigenen Stadtteil, der Dresdner Neustadt, gekauft. Ihr Kleid ließ sich die Braut von der Designerin Tatjana Löwen aus dem Kunsthof entwerfen und anfertigen. © Claudia Gallwitz

Dresden. Wenn alle Türchen offen stehen, ist der Zauber eigentlich vorbei und das Ziel erreicht. Nicht für Silke und Mario. Ihre Reise fing gerade dort an. Mit der Nummer 24 war das Rätsel komplett. Silke Oertel hatte es sich mit Spaß am Tüfteln, Geschick und ganz viel Vorfreude ausgedacht: einen Adventskalender, der noch viel mehr konnte, als die Zeit bis zu Heiligabend zu versüßen.

"Ich habe meinen Heiratsantrag an Mario in diesem Adventskalender versteckt", erzählt die 50-Jährige. Jeder Tag und jedes Türchen ergab neue Buchstaben, allerdings nicht etwa auf geradem Weg zu Wörtern zu verbinden, sondern verschlüsselt und geduldig zu entwirren.

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"Willst du mich heiraten?" Mit dieser Frage begann schließlich das Weihnachtsfest - und die Hochzeitsplanung. Inmitten von Corona keine leichte Sache, doch die beiden gingen mit Zuversicht daran. Eine kleine Feier in diesem und ein großes Fest im nächsten Jahr, so hoffen sie die unsicheren Zeiten zu umschiffen.

Keine Chance zum Brautmodenbummel

Inzwischen sind Silke und Mario Frau und Mann und haben ihrer Eheschließung einen ganz besonderen Charakter gegeben. "Unsere Kiez-Hochzeit", sagen sie. Denn alles, was sie für diesen besonderen Tag brauchten, haben sie in ihrem Stadtteil, der Dresdner Neustadt, gekauft.

Dort leben sie seit rund sechs Jahren. Der Zufall der erfolgreichen Wohnungssuche hatte Silke dorthin gespült. "Ich dachte erst: die Neustadt? Dafür bin ich doch gar nicht cool genug, und laut ist es dort bestimmt auch", erzählt sie. Doch das neue Zuhause war einfach zu schön und erstaunlich ruhig gelegen. Heute lieben die beiden ihren Kiez und sind ganz erstaunt, wie die Hochzeit ihnen das Viertel noch einmal um einiges näher gebracht hat.

"Wir bemühen uns schon länger darum, lieber im Laden nebenan einzukaufen, als in den großen Centern oder online", sagt Mario Oertel. Den Anstoß, dies für die Hochzeit ganz konsequent zu tun, gab jedoch das Hochzeitskleid. "Es war einfach zu der Zeit, als ich auf die Suche ging, nicht möglich, in einen Brautausstatter zu spazieren und Kleider anzuprobieren", erinnert sich Silke. So kam sie auf die Idee, sich ihr Hochzeitskleid maßanfertigen zu lassen.

Ihre Eheringe kauften sich Silke und Mario Oertel bei Juwelier Salomo.
Ihre Eheringe kauften sich Silke und Mario Oertel bei Juwelier Salomo. © Claudia Gallwitz

Bei Tatjana Löwen war sie damit an der richtigen Adresse. Sie betreibt ihr Atelier "Silhouette" in der Kunsthofpassage. Ein zartes Vorfühlen mündete geradewegs in die erste Stoffe-Schau. Etliche Termine fürs Maßnehmen, Auswählen, Anprobieren später hatte Silke genau das, was sie wollte: ein cremeweißes Hochzeitskleid, bestehend aus einem knielangen Rock und einem edlen Oberteil, das zusammen wie eins erscheint und genau zu ihr passt: ohne Rüschen, Schleifen und Glitzer, dafür mit zarter Stickerei und Spitze. Vom Kunsthof aus war es dann auch gar nicht weit zu "Lingerie de Michelle" auf der Görlitzer Straße.

"Unsere Eheringe haben wir in der Goldschmiede Salomo gekauft", erzählt Silke Oertel. Das Juweliergeschäft fand sie auf der Königsbrücker Straße. Für teils strukturiertes, teils poliertes Gold entschieden sich die beiden - und dazu, das Zeichen ihrer Verbindung am linken Ringfinger statt rechts zu tragen. "Unsere Ehe ist für jeden von uns die zweite. Deshalb finden wir es so schöner", erklärt Mario. "Die linke Hand ist näher am Herzen."

Auf der Suche nach einem Floristikgeschäft, das ihren Tisch zur Feier im Historischen Fischhaus dekoriert, entdeckte sie das Blumenhaus Stammnitz auf der Louisenstraße. Dort band die Floristin auch ihren Hochzeitsstrauß aus Kornblumen und Margeriten. "Das Geschäft hat eine ganz lange Tradition", erzählt Silke und freut sich, mit jedem Schritt mehr über ihren Stadtteil erfahren zu haben.

Keine Hochzeit ohne Torte. Die bestellten sie bei "Fräulein Lecker" auf dem Bischofsweg. Das Café ist bekannt für seine feinen Kuchen und Torten, ob nun dreistöckig und aus Buttercreme oder leicht und sahnig mit frischem Obst, so wie die von Silke und Mario.

"Als ich einen Service suchte, um unsere Einladungskarten drucken zu lassen, wusste ich ehrlich gesagt nicht, wohin ich dafür in der Neustadt gehen soll", erzählt Silke. Also entschied sie sich für einen Online-Anbieter, den ihr das Internet anbot. Doch als sie für eine Rückfrage auf der Website nach einer Telefonnummer suchte, entdeckte sie, dass sich die Zentrale des Portals "Meine Hochzeitsdeko" tatsächlich auf der Buchenstraße befindet. "Da habe ich mich richtig gefreut!"

Wirklich lecker von Fräulein Lecker: die Hochzeitstorte mit viel frischem Obst.
Wirklich lecker von Fräulein Lecker: die Hochzeitstorte mit viel frischem Obst. © privat

All die schönen Details einer Hochzeit sollen natürlich auch für später festgehalten werden. "Unsere Fotografin habe ich im Internet, aber ganz gezielt in der Neustadt gesucht und Claudia Gallwitz gefunden." Sie begleitete das Paar während der Trauung im Kraszewski-Museum auf der Nordstraße. "Dort haben wir unsere Gäste anschließend zu einem Imbiss eingeladen, für den wir von der Dresdner Mühlenbäckerei auf dem Bischofsweg ein ganz tolles Catering bekommen haben."

Nur eine kleine Ausnahme ließ sich nicht vermeiden: "Meinen dunkelblauen Hochzeitsanzug habe ich im Karstadt gekauft", gesteht Mario. Er müsse sich von einem Angebot inspirieren lassen und direkt anprobieren. Damit ist er gut gefahren, denn Silke ist begeistert: "Er sieht so gut im Anzug aus!"

Bergtouren jenseits der Neustadt

Dafür ließ sich der 54-Jährige die Haare in seinem Neustädter Salon frisch schneiden, und Silke wurde die braune Mähne immerhin zu Hause in der Timaeusstraße wunderschön gesteckt. "Ich bin meiner Friseurin schon so viele Jahre treu und sehr zufrieden mit ihr. Auch wenn sie ihr Geschäft nicht in der Neustadt hat - meine Frisur wollte ich nur von ihr."

Wenn Silke und Mario nun jedes Detail ihrer Hochzeit noch einmal Revue passieren lassen, kommen sie ins Schwärmen über den perfekten Tag, an dem sie ihre Gäste sogar zu einer individuellen Stadtführung durch die Neustadt einluden und damit ein weiteres Mal mit ihrem Kiez auf Tuchfühlung gingen, bevor die Feier im Restaurant ausklang.

"Endgültig abgerundet haben wir am nächsten Morgen unsere Hochzeit mit einem Frühstück im Café Eckstein an der Ecke Louisen-/Alaunstraße", erzählt Mario. Und dann ging es ab in den Urlaub. Zum Flittern suchten sich die Frischvermählten allerdings die Berge aus - und damit kann die Dresdner Neustadt nun wirklich nicht dienen.

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