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Denkmal Neustädter Markt ist umstritten

Das Ensemble um den Goldenen Reiter ist nun geschützt. Viele begrüßen das, andere befürchten Stillstand bei der Sanierung. Jetzt melden sich die Neumarkt-Wächter.

Am Neustädter Markt in Dresden trifft Moderne auf Barock. Das gesamte Ensemble steht nun unter Denkmalschutz.
Am Neustädter Markt in Dresden trifft Moderne auf Barock. Das gesamte Ensemble steht nun unter Denkmalschutz. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt (GHND) hat ihn immer abgelehnt - nun gratuliert der Verein dennoch zum Denkmalschutz für den Neustädter Markt. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte den Markt wegen seiner ortsgeschichtlichen, städtebaulichen, gartengeschichtlichen und gartenkünstlerischen Bedeutung zum 31. März dieses Jahres in die Kulturdenkmal-Liste aufgenommen. Das teilte die Behörde an diesem Montag mit.

Ganz ernst gemeint ist die Gratulation der GHND wohl allerdings nicht, denn die Gesellschaft hatte stets eine klare Position zum Denkmalschutz für den Neustädter Markt und diesen als "unsinnig" bezeichnet. Nun aber wolle der Verein den "weitestgehenden Erhalt und die Wiederherstellung" unterstützen. Der Vorstand um Vereinschef Torsten Kulke fordert aber, dass die strengen Leitlinien der deutschen Denkmalpflege bei der Sanierung des Neustädter Marktes befolgt werden. Demnach müssten Veränderungen an den Gebäuden, die in den vergangenen 30 Jahren vorgenommen worden sind, zurückgebaut werden.

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Zudem soll der Ursprungszustand der Fassaden und der inneren Struktur der Häuser wiederhergestellt werden oder erhalten bleiben. "Insbesondere betrifft dies die unpassenden Fassaden der Gebäude am Neustädter Markt 7/Hauptstraße 1 und Neustädter Markt 8/Hauptstraße 2", so die GHND. "Hier ist die Symmetrie der beiden Eckbauten durch den Rückbau zwingend erforderlich."

Ziel: Sanierung bis 2029 abschließen

Sollten die Wohnhäuser gedämmt werden, müsse dies im Innenbereich vorgenommen werden, um das äußere Erscheinungsbild zu bewahren. Durchbrüche zur Kasernenstraße und Rähnitzgasse lehnt die Gesellschaft ab. In der Hauptstraße sind die Sandsteinfiguren zu restaurieren und mit den bisher fehlenden Kugellampen wieder aufzustellen, so die weiteren Forderungen. Der noch nicht restaurierte rechte Brunnen von Friedrich Kracht soll ebenso wie alle vorhandenen Gehwegplatten mit den originalen Materialien saniert werden. Unverändert bleiben sollen die Grünflächen um die Brunnen. "Die GHND kann und wird diese Maßnahmen mit ihrem denkmalpflegerischen Fachwissen und ihrer Expertise unterstützen und begleiten."

Ziel sei es, so der Verein weiter, die Sanierung bis zum 80. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 2029 abzuschließen, sodass das Ensemble dann dem Ursprungszustand bei der Eröffnung 1979 entspricht.

GHND lehnt Denkmalschutz für Große Meißner Straße ab

Eine klare Absage erteilt die GHND dem Denkmalschutz für die Köpckestraße und die Große Meißner Straße. Als Eigentümerin dieser Flächen soll die Stadt gegen den Denkmalschutzstatus Einspruch erheben. Ansonsten befürchte der Verein die "Zementierung des jetzigen Zustands". Der GHND-Vorstand betont noch einmal, dass die Stadt bereits seit 30 Jahren nach einer Lösung für den Neustädter Markt sucht und dabei auch die Landesdenkmalpfleger einbezogen waren. Der Stadtrat habe inzwischen zwei Rahmenpläne bestätigt und einen Rahmenplan besprochen. "Es sind Hunderttausende Euro an Steuergeldern für Wettbewerbe ausgegeben wurden, zuletzt 2019 für den städtebaulichen Ideenwettbewerb für das Königsufer und den Neustädter Markt."

In Bürgerrunden haben zudem auch die Dresdner mitreden dürfen - das wolle die GHND auch in Zukunft gewährleisten. Zudem will sich die Gesellschaft weiterhin für eine Stadtreparatur an dieser Stelle einsetzen, auch mit Hochbauten.

Kritik und Lob bei den Stadträten

In den Stadtratsfraktionen sind die Meinungen über den nun denkmalgeschützten Neustädter Markt geteilt. So bewertet FDP-Fraktionschef Holger Zastrow den Schutzstatus an dieser Stelle als kritisch, weil sich damit am baufälligen Zustand des Kracht-Brunnens und der sanierungsbedürftigen Wohnhäuser zunächst nichts ändere. Im Gegenteil: Nun seien zusätzliche Auflagen und aufwendigere Abstimmungen zu erwarten, so Zastrow. Der Markt sei mit dem zerfallenden Brunnen, den ungepflegten Platzbereichen und den unsanierten Häuserfassaden so nicht akzeptabel - darum müsse sich die Stadt kümmern. "Ohne die notwendigen Restaurationen ist der Denkmalschutz nichts wert."

Die Linksfraktion im Stadtrat begrüßt hingegen, dass der Markt nun unter Schutz gestellt wurde, und zwar in seiner Fassung der 1970er-Jahre. Das sei folgerichtig und notwendig gewesen. Dass der Fußgängertunnel zugeschüttet wurde, kritisieren die Linken als "achtlosen Rückbau". Die Unterschutzstellung des Marktes lenke die weitere Entwicklung des bedeutenden und in Dresden angenommenen Platzes endlich in strukturierte Bahnen, so Stadtrat Tilo Wirtz. "Es gilt, nun die Gesamtheit des Platzes zu bewahren und ihn behutsam denkmalschutzgerecht weiterzuentwickeln. Und da ist noch einiges in Planung."

Podiumsdiskussion zur Zukunft des Neustädter Marktes

Für die zukünftige Gestaltung des Königsufers und des Neustädter Marktes bleibt die Verkehrsführung ein wichtiges Thema. Alle Fraktionen des Stadtrates waren sich einig darin, dass die vierspurige Große Meißner Straße so nicht bleiben kann. Die Magistrale macht einen nahtlosen Übergang von der Alt- in die Neustadt unmöglich und wirkt als trennende Barriere. Deshalb sollte die Stadt mehrere Varianten untersuchen. Auch eine Tunnel-Lösung ist im Gespräch.

Am 19. Juni ist eine Gesprächsrunde zu diesem Thema geplant, organisiert von der Gesellschaft Historischer Neumarkt. Die Veranstaltung unter dem Thema "Der Neustädter Markt - Promenadenflair statt Autoverkehr" findet im Plenarsaal des Rathauses statt. Eigentlich sollten zur Podiumsdiskussion die Fraktionssprecher des Bauausschusses zu Wort kommen, aufgrund der Aufnahme des Neustädter Marktes in die Kulturdenkmal-Liste will die GHND nun stattdessen Landesdenkmalpfleger Alf Furkert die Möglichkeit für ein Interview geben.

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Für die Veranstaltung sind noch wenige Restplätze direkt vor Ort verfügbar. Bis zum Freitag können sich Interessierte per E-Mail [email protected] anmelden. Die Veranstaltung wird zudem von Sachsen-Fernsehen über die Kanäle der GHND unter www.neumarkt-dresden.de ausgestrahlt.

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