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Neustädter Markt: So marode ist Dresdens neues Denkmal

Vieles sollte in den vergangenen Jahren auf Vordermann gebracht werden. Doch rund um den Goldenen Reiter bröckelt die Bausubstanz. Was ist dort geplant?

Glanz im Vordergrund, marode Bausubstanz dahinter: Der Neustädter Markt in Dresden steht seit kurzem unter Denkmalschutz.
Glanz im Vordergrund, marode Bausubstanz dahinter: Der Neustädter Markt in Dresden steht seit kurzem unter Denkmalschutz. © Sven Ellger

Dresden. Der Goldene Reiter zählt zu Dresdens berühmtesten Denkmälern. Dass der Neustädter Markt nun auch unter Schutz gestellt wird, hat viele Menschen in der Stadt jedoch überrascht. Denn viele Bereiche sind bereits verfallen. Wie steht es um Dresdens neuestes Denkmal?

Die Kracht-Brunnen

Die Krachtbrunnen an den Rändern des Neustädter Marktes müssten dringend saniert werden.
Die Krachtbrunnen an den Rändern des Neustädter Marktes müssten dringend saniert werden. © Sven Ellger

Was viele nicht wissen dürften: Die beiden moderneren Brunnen an der äußersten Ost- und Westseite des Neustädter Marktes stehen bereits seit 2019 unter Denkmalschutz. Entworfen hat sie der Künstler Friedrich Kracht, 1979 sind sie in Betrieb genommen worden. Immerhin hat die Stadt den westlichen Brunnen - zum Palaisplatz hin - kurz nach der Wende sanieren lassen, nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 ein weiteres Mal. Für den östlichen Brunnen reichten die Hochwasserfördermittel jedoch nicht mehr, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage von Linke-Fraktionschef André Schollbach mit. Inzwischen seien beide Brunnen als sanierungsbedürftig zu betrachten.

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In mehr als 40 Jahren seien beide Kracht-Brunnen Hitze, Frost, aber auch Chemikalien zur Verbesserung der Wasserqualität sowie Sachbeschädigungen mit Chemikalien ausgesetzt werden. "Die Auswirkungen sehen wir besonders bei der zerbröckelten Bausubstanz", so die Stadt.

"Beide Kracht-Brunnen befinden sich In einem schlechten beziehungsweise maroden baulichen Zustand", heißt es. Besonders der östliche Brunnen bröckelt. Zwar seien Gutachter aktuell damit beschäftigt, seinen Zustand zu bewerten. Fest stehe aber bereits jetzt, "dass die Brunnenrandelemente und der Beckenboden so geschädigt sind, dass die Sanierung wahrscheinlich darauf hinausläuft, dass diese komplett erneuert werden müssen." Auch die Springsprungtechnik müsse erneuert werden. Das Ergebnis: Der östliche Brunnen bleibt weiterhin trocken.

Im Rahmen der Neugestaltung des Königsufers und des Areals um den Neustädter Markt herum sollen zwar auch die Brunnen instandgesetzt werden. Wann das so weit sein könnte, wie viel das kostet und woher das Geld kommen soll, ist jedoch ungewiss.

Die Plattenbauten

Die Plattenbauten an der Hauptstraße sind bereits saniert (im Bild links). Die Wohnhäuser am Neustädter Markt warten dagegen seit vielen Jahren auf eine frische Fassade.
Die Plattenbauten an der Hauptstraße sind bereits saniert (im Bild links). Die Wohnhäuser am Neustädter Markt warten dagegen seit vielen Jahren auf eine frische Fassade. © René Meinig

Vom barocken Flair ist auf dem Neustädter Markt heute kaum noch etwas zu spüren. Nach dem Zweiten Weltkrieg, genauer gesagt in den 70er-Jahren, entstanden auf dem Neustädter Markt Plattenbauten des Typs WBS70. In Dresden sollte möglichst schnell mehr Wohnraum geschaffen werden. Ja, auch diese Häuser prägen heute den Neustädter Markt.

Und gerade deshalb hat das sich das Landesamt für Denkmalpflege auch für den Schutz des Platzes entschieden. "Der Neustädter Markt ist mit all seinen Elementen ein hervorragend überliefertes Zeugnis eines lange gereiften, städtebaulichen und freiraumplanerischen Projekts der DDR", sagt Amtschef Alf Furkert.

Ansehnlich sind die Fassaden inzwischen jedoch nicht mehr. Sie müssten dringend saniert werden. "Die Häuser sind in den 1970er-Jahren gebaut worden, so sehen sie teilweise noch aus", sagte Vonovia-Regionalleiter Alexander Wuttke im vergangenen Sommer. Die Häuser gehören dem Großvermieter, der keinesfalls untätig ist. Zunächst sollen jedoch die 120 Wohnungen hinter der Fassade modernisiert werden. Eine Luxussanierung werde es nicht geben, bezahlbare Mieten seien oberste Prämisse, versichert Vonovia. Bis Ende dieses Jahres soll zunächst an den Elektroinstallationen und Wasserleitungen gearbeitet werden.

Und außen? "Man befinde sich in der Planungsphase", so Wuttke im August 2020. Das ist auch der aktuelle Stand vom Juni 2021, wie Vonovia-Sprecher Matthias Wulff am Dienstag mitteilte. "Wir finden das mit dem Denkmalschutz spannend, müssen nun aber erst einmal schauen, was das für uns heißt." Der Prozess sei ohnehin mühsam, und als die Nachricht vom Denkmalschutz kam, seien die Planungen auch noch nicht allzu weit vorangeschritten gewesen. Man befinde sich mit der Stadtverwaltung aber in ständigem Austausch. Einen genauen Zeitplan für die Sanierung gibt es also nicht.

Der Gehweg

Auf den ersten Blick macht immerhin der Platz selbst einen ordentlichen Eindruck. Um den Goldenen Reiter ist alles gepflastert, an den Rändern sind ebene Granitstein-Platten verlegt worden, die zumindest augenscheinlich noch in Ordnung sind. Problematischer wird es abermals an den beiden Kracht-Brunnen. Dort befinden sich Gehwegplatten aus DDR-Zeiten, mittlerweile mit teils großen Lücken dazwischen - ungeeignet für alle, die nicht mehr gut zu Fuß oder auf den Rollstuhl angewiesen sind.

Zwar hat sich der Stadtrat dazu entschieden, den Neustädter Markt so zu erhalten, wie er jetzt ist - als Freiraum und Veranstaltungsfläche mit hoher Aufenthaltsqualität. Das heißt auch: mehr Begrünung und eine Sanierung der Gehwegplatten. Einen Zeitplan gibt es jedoch noch nicht.

Der Goldene Reiter und die Nymphenbrunnen

Der Goldene Reiter und die beiden Sandstein-Nymphenbrunnen links und rechts des Standbildes gehören zu den Dingen auf dem Neustädter Markt, die noch am besten erhalten sind.
Der Goldene Reiter und die beiden Sandstein-Nymphenbrunnen links und rechts des Standbildes gehören zu den Dingen auf dem Neustädter Markt, die noch am besten erhalten sind. © René Meinig

Es gibt auch zwei Glanzpunkte auf dem Neustädter Markt - wortwörtlich sind das der Goldene Reiter, aber auch die beiden Nymphenbrunnen neben dem Standbild. Der Goldene Reiter ist zwar ebenfalls regelmäßig Hitze, UV-Strahlung, Frost und Vandalismus ausgesetzt, bekommt jedoch des Öfteren eine Frischekur. Er ist zuletzt im vergangenen Jahr restauriert worden. Kosten: mehr als 30.000 Euro.

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Die Nymphenbrunnen sind Mitte des 18. Jahrhunderts aus Sandstein erschaffen worden. Verantwortlicher Künstler war Johann Benjamin Thomae. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sind die Original-Statuen durch Repliken ersetzt worden. Beide Brunnen sind bis heute gut erhalten, wenngleich sie in den vergangenen Jahren ebenfalls beschädigt wurden. 2015 hatten Unbekannte nicht nur das Wasser eingefärbt, sondern auch die historischen Sandsteinfiguren mit rosafarbenen Graffiti beschmiert. Das Rathaus bezifferte den Schaden damals auf rund 1.000 Euro.

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