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Pantomimefestival: "Bezahlbarer Luxus"

Der Dresdner Mime Ralf Herzog hat in seinem früheren Schüler Michael Meinel einen Kraftquell gefunden. Er gibt der Kunst ohne Worte eine neue Chance.

Von Nadja Laske
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Festivalplaner Michael Meinel (l.), Festivalgründer Ralf Herzog und Anton Adasinskiy (r.) vom Derevo Laboratorium aktivieren große Kräfte, um der Kunst ohne Worte eine Bühne zu geben.
Festivalplaner Michael Meinel (l.), Festivalgründer Ralf Herzog und Anton Adasinskiy (r.) vom Derevo Laboratorium aktivieren große Kräfte, um der Kunst ohne Worte eine Bühne zu geben. © Christian Juppe

Dresden. Einen Plan aus der Schublade zu nehmen, das klingt leicht. Aber so, wie der Kaffee in der Tasse kalt wird, verliert auch ein durchorganisiertes und dann auf Eis gelegtes Festival Energie. Den Machern des 36. Pantomimefestivals ist es gelungen, ihm neues Leben einzuhauchen. Am 10. November werden sie zusammen mit zehn Ensembles und Solokünstlern aus vier Nationen das Theaterhaus Rudi zum Zentrum der Kunst ohne Worte machen.

Darauf haben Michael Meinel und seine Mitstreiter sehnlichst gewartet. Genau vor einem Jahr hatten sie das Festival öffentlich angekündigt - und dann absagen müssen. Ein schwerer Schlag, der viele Kulturschaffende zu der Zeit traf, denn ein erneuter Lockdown war wegen des zu hohen Infektionsgeschehens unumgänglich geworden.

Nun konnte Michael Meinel, der erst Anfang des Jahres 2020 die Leitung des Dresdner Pantomimefestivals übernommen hatte, zwar auf Vorbereitetes aufbauen. Viel Arbeit kostet die mehrtägige Veranstaltung dennoch. Sie ist ihm eine Herzensangelegenheit. Die Liebe zur Pantomime entdeckte Meinel bereits als 19-Jähriger. Er wurde Schüler des großen Dresdner Mimen Ralf Herzog und unterrichtete später auch selbst in dessen Mimenstudio Dresden.

Workshops für künftige Mimen

Als Michael Meinel erfuhr, dass Ralf Herzog die Organisation des Pantomimefestivals nach 35 Jahren aufgibt, traf ihn das sehr. Sein geschätzter Mentor war erschöpft und gab das auch unumwunden zu: "Die Kraft ist zu Ende, die Finanzen sind es auch", hatte er schon 2018 gesagt und seinen Rückzug angekündigt.

Einen Verein am Leben zu erhalten und mit sehr kleinem Team ein solch anspruchsvolles Festival zu stemmen, kostet Geld und Manpower. Die Kraft, die dem Gründer ausgegangen war, bringt nun Michael Meinel ein. Mit zahlreichen Förderanträgen ist es gelungen, die Kasse mit rund 26.000 Euro so weit zu füllen, dass Künstlergagen, Miete und Werbung bezahlt werden können. Ansonsten lebt das Theaterfest von unbezahlbarem ehrenamtlichen Engagement.

Schon am 5. November beginnt eine Art Vorprogramm mit Workshops für alle, die sich der Kunst der Pantomime nähern oder auf ihr Können aufbauen wollen. Der Tänzer und Pantomime Anton Adasinskiy vom Derevo Laboratorium unterrichtet Amateure in der nötigen Körperarbeit. Außerdem coacht er Fortgeschrittene und weckt in Kindern mit Rhythmus und Bewegung die Freude am wortlosen Spiel.

Echte Theateratmosphäre

Die Künstler des Dirtz-Theatres geben Anleitung darin, ein Objekt in Beziehung mit der Bewegung zu setzen. Der Pantomime Moritz Lucht lädt zum Handstand-Workshop ein, und sein Kollege Benoit Turjman zeigt, wie sich auf der Bühne Illusionen schaffen lassen.

Sie alle sind auch mit ihren eigenen Programmen im Theaterhaus Rudi zu erleben. "Die Solokünstler und Gruppen stellen ihre neuesten Inszenierungen vor, die von enormer Kreativität zeugen", sagt Michael Meinel. Ein Best-off sei von niemandem zu erwarten. Die Gäste des 36. Pantomimefestivals sehen ausschließlich das Neuste und Modernste, fern vom ewigen Entlangtasten an einer Wand.

Start ist am 10. November mit einer Pantomime-Gala, auf der sich etliche Künstler mit kleinen Episoden dem Publikum vorstellen. Spätestens dort dürfte allen Gästen klar werden, was Theater bedeutet. Corona hat Online-Versionen von Inszenierungen hervorgebracht - achtenswerte Versuche, trotz Spielverbots zu arbeiten. Für Michael Meinel kann so etwas jedoch keine Theateratmosphäre ersetzen. "Wir bieten richtiges Theater, eine Art Luxus - bezahlbaren Luxus."

Pantomimefestival: 10. bis 14. November, Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a. Tickets für die Vorstellungen kosten im Vorverkauf an allen bekannten Kassen 17,70 Euro, ermäßigt 14,40 Euro, an der Abendkasse 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Das Programm und weitere Informationen zu den Workshops gibt es hier.